Frankfurter Flughafen richtet sich auf längere Corona-Flaute ein

| Tourismus Tourismus

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport richtet sich nach einem Rekordverlust auf eine verlängerte Flaute in der Corona-Pandemie ein. Der MDax-Konzern verminderte am Dienstag bei der Bilanzvorlage seine Passagierprognose und verschob die geplante Eröffnung des dritten Terminals um ein weiteres Jahr auf 2026. Außerdem will das Unternehmen langfristig Sach- und Personalkosten sparen, so dass unter anderem rund 4000 Mitarbeiter sozialverträglich gehen müssen.

«Wir sehen ganz klar Licht am Ende des Tunnels», erklärte Vorstandschef Stefan Schulte dennoch. So solle am Heimatstandort Frankfurt das mangels Nachfrage geschlossene Terminal 2 im Juni wieder in Betrieb gehen, die zwischenzeitlich als Flugzeugparkplatz genutzte Landebahn Nordwest möglichst sogar schon früher.

Nach dem Einbruch auf knapp 19 Millionen Passagiere im Jahr 2020 rechnet Schulte nun für das laufende Jahr nur noch mit «unter 20 bis 25 Millionen» Passagieren. Die Nachfrage werde «irgendwann im Sommer» anziehen. Noch vor wenigen Wochen hatte sich das Management des größten deutschen Flughafens bis zu 32 Millionen Passagiere für das laufende Jahr zugetraut. Das Vor-Corona-Niveau von mehr als 70 Millionen Fluggästen werde man etwa in den Jahren 2025/2026 sehen, sagte Schulte.

Zu diesem Zeitpunkt soll das bereits im Bau befindliche Terminal 3 mit einer Kapazität von rund 25 Millionen Passagieren pro Jahr die alten Einrichtungen entlasten. Man habe die Arbeiten gestreckt, aber nicht unterbrochen, so Schulte. Das Investitionsvolumen werde auch nicht reduziert.

«Mit dem Fortschreiten der Impfprogramme und den mittlerweile vorhandenen Testmöglichkeiten kann der Luftverkehr spätestens ab dem Sommer wieder anlaufen», sagte Schulte. Frankfurt werde von seiner Drehkreuzfunktion und seiner hervorragenden Anbindung an andere Verkehrsträger profitieren. Bei privaten Flügen rechne er mit einem starken Nachholbedarf und auch bei den Geschäftsreisen sehe man die Lage nicht mehr so negativ wie noch vor Monaten. «Es geht der persönliche Kontakt verloren», sagte Schulte über die digitalen Ersatzformate.

Der kräftige Anstieg der Ticketbuchungen nach dem Ende der Reisewarnung für Mallorca vor wenigen Tagen spielt in der Gesamtprognose der Fraport-Spitze hingegen keine Rolle. Mehrere Fluggesellschaften wie Lufthansa und ihre Tochter Eurowings, die Ferienflieger Condor und Tuifly sowie der irische Anbieter Ryanair haben ihr Flugangebot für die Osterferien deutlich aufgestockt.

Schulte erinnerte daran, dass die Bewegungsfreiheit ein Grundrecht sei. Es gebe auch keine Belege, dass Flugreisen aus touristischen oder geschäftlichen Gründen zur Verbreitung der Pandemie beigetragen hätten. Der Fraport-Chef forderte eine schnelle Rückkehr zum sicheren Fliegen mit einer guten Teststrategie. Angesichts sinkender Todeszahlen werde das Virus selbst bei weiterhin hohen Inzidenzen seinen Schrecken verlieren.

Im vergangenen Jahr verzeichnete Fraport durch die Reisebeschränkungen einen Umsatzeinbruch um 55 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro. Obwohl der Vorstand Ausgaben und Investitionen herunterfuhr und Tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit schickte, fraßen die Kosten die Erlöse mehr als auf. Zudem leitete Fraport den sozialverträglichen Abbau von bis zu 4000 Arbeitsplätzen ein und legte dafür 299 Millionen Euro zurück. Die Flugzeug-Dienstleistungen am Boden sollen künftig in einer neuen Tochtergesellschaft zusammengefasst werden. Das Unternehmen hofft zudem auf die staatliche Erstattung von 160 Millionen Euro, die im ersten Lockdown als Vorhaltekosten entstanden seien, um den Flughafen offen zu halten.

Unter dem Strich entfiel auf die Fraport-Aktionäre ein Verlust von knapp 658 Millionen Euro nach einem Gewinn von rund 421 Millionen ein Jahr zuvor. Zuletzt hatte Fraport im Jahr 2002 wegen eines geplatzten Terminalprojekts in Manila rote Zahlen geschrieben. Auch für das neue Jahr sagt Schulte rote Zahlen voraus - sowohl unter dem Strich als auch vor Zinsen und Steuern (Ebit). Angesichts der anhaltenden Krise sollen die Aktionäre - allen voran das Land Hessen und die Stadt Frankfurt - nicht nur für 2019 und 2020, sondern auch für 2021 keine Dividende erhalten. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Kommt Tui aus dem Winter-Tief?

Für die Tourismusindustrie geht in diesem Jahr um alles: Der Stillstand aus der so gut wie ausgefallenen ersten Corona-Saison 2020 soll sich auf keinen Fall wiederholen. Branchenprimus Tui berichtet, wie es bis Ende März lief - und wie die Sommer-Aussichten sind.

Die Reisetrends für den Sommer 2021

Der Sommer steht schon in den Startlöchern. Ob nah oder fern, ein aktuelles Ranking des Online-Reisevermittlers Opodo verrät, von welchen Destinationen deutsche Reisende in diesen Sommermonaten träumen.

Lufthansa ermöglicht weiterhin kostenlose Umbuchungen

Viele Reisepläne für den Sommer stehen derzeit noch auf wackeligen Füßen. Flugtickets der Lufthansa-Gruppe lassen sich daher weiterhin ohne Mehrkosten umbuchen. Auch ganz kurzfristig.

Urlaub wird teurer: Höhere Preise bei Mietwagen und Ferienwohnungen

Sinkende Inzidenzwerte, Corona-Lockerungen und eine steigende Impfquote verbessern die Aussichten auf baldige Urlaubsreisen im Jahr 2021. Diese Momentum macht sich auch bei den Buchungszahlen und Suchanfragen für Leihwagen wie Ferienwohnungen bemerkbar.

Geteilte Insel Usedom: Urlaubsstimmung in Polen, Tristesse am deutschen Strand

Usedom freut sich seit diesem Wochenende wieder über Urlaubsgäste. Zumindest der polnische Teil der Insel, denn dort sind Touristen nach monatelangem Lockdown wieder erlaubt. Anders im deutschen Teil: Hier herrscht immer noch gähnende Leere.

 

Kampfansage an die Bahn: Flixtrain fährt in 40 deutsche Städte

Der Bahn-Konkurrent Flixtrain will von nächster Woche an wieder fahren. Dabei nimmt das Unternehmen weitere Fernstrecken in sein Netz auf und steuert ab Juni auch München und weitere Bahnhöfe an. Das Unternehmen spricht von seiner bislang größten Expansion.

Center Parcs plant ersten Ferienpark an dänischer Ostseeküste

Center Parcs ist auf Expansionskurs und vergrößert mit einem Park in Skandinavien sein Portfolio. Die geplante Anlage soll in Nordborg auf der süddänischen Insel Als entstehen und zunächst über 440 Ferienhäuser. Die Eröffnung ist für 2024 geplant.

Britische Reisebranche fordert Freigabe für Tourismusziele

Die britische Tourismusbranche hat die Regierung mit Nachdruck zu einer weitreichenderen Öffnung von Ferienzielen aufgefordert. Vom 17. Mai an sind Auslandsreisen zwar wieder erlaubt. Allerdings stehen nur zwölf Länder, darunter Israel und Portugal, auf einer «grünen Liste».

Tourismusbranche begrüßt Öffnungen und kritisiert Flickenteppich

Die Reisesaison steht vor der Tür, und in einigen Regionen in Deutschland machen die Hotels langsam wieder auf. Der Tourismusbeauftragte hofft auf Sommerurlaub. Tourimusverbände warnen vor einem Flickenteppich» aus sechzehn unterschiedlichen Verordnungen.

 

ITB Berlin will mit Appell an die Politik Reisebranche eine Stimme geben

CEOs der globalen Reiseindustrie fordern die Ausweitung der Impf- und Testkapazitäten, um sicheres Reisen in Zeiten der Pandemie schnell wieder zu ermöglichen und appellieren an politische Unterstützung für mehr Nachhaltigkeit, Chancengleichheit und digitale Services.