Hotels wappnen sich für „Tsunami“ nach der Thomas-Cook-Pleite

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Manche waren vorbereitet, andere hat die Pleite von Thomas Cook kalt erwischt: Weltweit bangen Hoteliers um Zahlungen des insolventen Konzerns für die diesjährige Saison - und die gesamte Branche um ihre Zukunft nach der Insolvenz des Reise-Riesen. Optimistisch stimmt manche, dass die gewaltige Marktmacht des Konzerns gebrochen wird. Doch ob sich die Preise für Urlauber im Jahr 2020 nach oben oder nach unten bewegen werden, vermag bisher niemand zu sagen.

Die griechische Rechnung offenbart das Ausmaß der Katastrophe. Allein mit 200 Millionen Euro direkten Ausfällen - sprich, nicht gezahlten Rechnungen von Thomas Cook - rechnet der griechische Hotelverband HHF (Hellenic Hotel Federation) für die Saison 2019. «200 Millionen ausstehender Rechnungen zuzüglich 115 Millionen Euro jener Gäste, die nach der Pleite im Oktober gar nicht mehr angereist sind», sagt Grigoris Tasios, Präsident des griechischen Hotelverbandes.

Und dann müsse man die Pleite auch systemisch sehen: «Daran hängen Angestellte, Steuerzahlungen an die Staatskasse, die Bezahlung von Zulieferern.» So gelangt Griechenland auf die stattliche Summe von 500 Millionen Euro - für dieses Jahr. Insgesamt gibt es in Griechenland rund 10 000 Hotels, davon viele aber sehr klein. Von den großen haben 1200 einen großen Anteil an Thomas-Cook-Touristen. Viele von ihnen müssen sich nun ernsthaft Gedanken machen. Ein paar Dutzend dieser Hotels waren sogar direkte Franchise-Partner des britischen Konzerns - bei ihnen stellt sich die Frage nach der Zukunft besonders akut.

Auch Spanien und Türkei stark betroffen

In Spanien sieht es ebenfalls nicht besonders gut aus. Allein der Schaden durch offene Rechnungen beträgt dort Fachleuten zufolge in diesem Jahr mindestens 200 Millionen Euro, davon alleine auf Mallorca 100 Millionen. Die Kosten entstehen - genau wie in Griechenland - nicht nur durch mögliche Ausfälle bei der Begleichung aktuell offener Rechnungen seitens Thomas Cook, sondern auch durch entlassenes Personal, Steuern, die wegen der Ausfälle nicht gezahlt werden können, und Hotel-Zulieferern, die leer ausgehen.

In der Türkei würden manche Unterkünfte wegen der Pleite in jedem Fall früher schließen als geplant, heißt es seitens des dortigen Hotelverbandes Türofed. Deutlicher äußert sich der Tourismus-Beratungsrat TIK: Er spricht von einer «schweren Krise», die zunächst mit bis zu 350 Millionen Euro zu Buche schlagen könnte.

Die schwersten Auswirkungen der Pleite zeigten sich nicht in der Tourismushochburg Antalya, sondern in den weiter nordwestlich gelegenen Ferienstädten Marmaris, Fethiye oder Dalaman sowie der Ägäis-Region, sagt der Türofed-Chef Osman Ayik. Konkrete Zahlen hat er zunächst nicht parat. «Es wird noch etwas Zeit brauchen.» Etwa tausend Unternehmen seien betroffen, erst in den kommenden Jahren werde sich das Ausmaß zeigen.

Die Hotelierföderation Türofed hat einen «Krisen-Tisch» gegründet. Hier gehe es auch um die Begleichung von Schulden und Hilfe für «Firmen, die dringende Barzahlungen benötigen». In Griechenland gibt es ebenfalls Forderungen der Verbände an die Regierung zur finanziellen Unterstützung oder wenigstens Steuerentlastungen in diesem wichtigen Bereich, der direkt rund 25 Prozent des griechischen Bruttosozialprodukts stemmt und indirekt für rund 35 Prozent verantwortlich sein dürfte.

Gambia setzte Hoffnungen auf Thomas Cook

Doch nicht nur Destinationen in und um Europa herum sind betroffen. So trifft das Aus für Thomas Cook in Afrika vor allem ein kleines Land, das große Hoffnungen auf den Tourismus gesetzt hatte: Gambia. Der Reiseveranstalter hatte das westafrikanische Land vor allem zwischen November und April angeflogen. Für die Wirtschaft des bitterarmen Staates - er gilt als kleinster auf dem gesamten Kontinent - ist die Nachricht von der Pleite eine einzige Katastrophe: Der Tourismus macht immerhin rund 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus.

Auch auf der indonesischen Urlauberinsel Bali gibt es Klagen von Hoteliers, dass sie durch die Insolvenz größere Summen Geld verloren haben. Schließungen oder Entlassungen wegen der Thomas-Cook-Pleite wurden bislang jedoch keine bekannt. Ähnlich ist es in Thailand: Auch dort bleiben Hotels auf Kosten sitzen. Manche versuchten, das Geld direkt von den Kunden zu bekommen und setzten die Gäste dabei recht massiv unter Druck, auch durch Drohungen mit der Polizei

In Griechenland hieß es schon am Tag der Pleite, die Insolvenz von Thomas Cook sei für die Branche ein «Erdbeben der Stärke 7», wobei man auf den Tsunami noch warte. Wie es im kommenden Jahr weitergehen könnte, vermag auch Hotelverbandschef Grigoris Tasios nicht zu sagen. Überlegungen stellen er und seine Kollegen natürlich dennoch an: «Wir haben Vertrauen in die deutschen Gäste und sie in uns - und wir werden uns weiterhin um gute Preise bemühen.» Es sei nicht zwingend, dass die Preise im kommenden Jahr steigen, sagt Tasios. «Es kann auch sein, dass sie im Gegenteil auf Grund des Marktdrucks fallen.» (dpa)


 

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