IST geht Fragen zur sozialen Nachhaltigkeit auf den Grund

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Am 31. Januar 2022 fand der zweite virtuelle Nachhaltigkeitstag des IST- Studieninstituts und der IST-Hochschule für Management statt. In Vorträgen wurden die Themen der sozialen Nachhaltigkeit und Overtourismus in den Branchen Tourismus und Hospitality beleuchtet.

Nach einem Impulsvortrag von Prof. Dr. Felix Kempf, Studiengangsleiter für Tourismus Management an der IST-Hochschule für Management, und einer kurzen Vorstellung von „Healthy Habits“, einer Initiative von der IST und der AOK Rheinland zu gesundem Studieren, begannen die Vorträge aus der Tourismus Session. Den Anfang machte Alexander Scheutz, Bürgermeister der österreichischen Gemeinde Hallstatt, die vor allem durch seine Nachbildung in der südchinesischen Provinz Guangdong weltweite Aufmerksamkeit erlangte. Durch die unzähligen Tourismusströme mit 70 bis 80 Reisebussen pro Tag wurde das kleine Städtchen zu einem Synonym für Overtourismus.

Auch Björn Eichner, konnte Aspekte des Hallstatt-Phänomens in seinem Vortrag über die Insel Spiekeroog wieder erkennen. Die komplett Autofreie Insel im niedersächsischen Wattenmeer kämpft bereits seit Jahren mit dem Wegzug der Insulaner, welcher durch übermäßigen Tourismus begünstigt wurde. Durch steigende Quadratmeter- und Mietpreise werden die Lebenshaltungskosten zu hoch und nicht mehr tragbar für die Einwohner der Insel. Die Folge – die einst boomende Hotellerie und Gastronomie geht zurück.

Hilfe zur Selbsthilfe

Tatjana Peters von Futouris und Kai Pardon vom Reiseveranstalter „Reisen mit Sinnen“ verfolgen einen etwas anderen Ansatz. Sie unterstützen Projekte, die es den Einwohnern der Reiseländer möglich machen, auch ohne fremde Hilfe zu leben und daraus nachhaltig Umsatz zu generieren. Ein Beispiel war der Stamm der Khwe in Namibia. Mit Hilfe von Futouris und Gebeco Reisen wurde den Einheimischen beigebracht, wie sie das über mehrere Jahrhunderte alte Völkerwissen erhalten und an nachfolgende Generationen und Besucher weitertragen. Die Umsätze, die Kai Pardon mit seinen Reisebuchungen erzielt, gehen zu 51% direkt ins Zielgebiet des Reiselandes, wovon dann ebenfalls solche Projekte unterstützt und gefördert werden.

Reisen für Alle

Ein weiterer spannender Aspekt der unterschiedlichen Vorträge war das Thema „Reisen für Alle“. Barrierefreies oder -armes Reisen ist noch lange nicht selbstverständlich. Viele Hotels, Gastronomiebetriebe oder auch Freizeiteinrichtungen sind nicht auf den Besuch von Menschen mit Beeinträchtigung vorbereitet. Niederrhein Tourismus hat dies zum Anlass genommen und auf der eigenen Website die neue Rubrik „Barrierearm“ eingeführt, auf welcher Hotels, Restaurants und Freizeitaktivitäten verzeichnet sind, die ein barrierearmes Reisen ermöglichen.

Herzenssache Mitarbeiter

Das Gastgewerbe hat schon lange mit dem Ruf zu kämpfen, dass Mitarbeiter schlecht bezahlt werden und die Arbeitszeiten alles andere als attraktiv sind. Das dies mittlerweile in vielen Betrieben nicht mehr der Fall ist, erklärte Maria Mittendorfer, Geschäftsführerin der Fair Job Hotels. Genaue Zeiterfassung und leistungsgerechte Bezahlung sind nur zwei von vielen Bausteinen, die viele Unternehmer bereits für ihre Mitarbeiter eingeführt haben. Hinzu kommen Weihnachts- und Urlaubsgeld, hochwertige Arbeitskleidung, Personalunterkünfte, Altersvorsorge und vieles mehr.

Christian Etl, Owner & Managing Director der etl pichler. hotelmentors consulting, stellte sogenannte Inklusions-Hotels in seinem Vortrag vor. Menschen mit Beeinträchtigung werden oft nicht angemessen bezahlt, verdienen meistens sogar unter dem Mindestlohn und werden selten mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut. Dabei seien gerade diese Mitarbeiter, laut Etl, ein Weg aus dem Fachkräftemangel. Mitarbeiter mit Beeinträchtigung sind in den meisten Fällen besonders treue Angestellte und die Aufgaben, die ihnen gestellt werden, werden zu 100% erfüllt. Ebenso haben diese Mitarbeiter im Hinblick auf barrierefreies Reisen einen besonderen Stellenwert.

Sascha Stemberg, Küchenchef Haus Stemberg und Marc Meßmer, Verwaltung und Marketing im Gasthaus Linde, sind sich ebenfalls einig. Durch Einschränkungen von Öffnungszeiten können familiengerechte Arbeitszeiten geschaffen werden, ohne Umsatz einbüßen zu müssen. Die Mitarbeiter sind motivierter, ausgeglichener und kommen gerne zur Arbeit – und das ist laut Stemberg doch das Allerwichtigste.


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