Klimawandel trifft Tourismus

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Der Klimawandel hat für die Tourismusbranche in Niedersachsen spürbare Auswirkungen, die touristische Betriebe bereits heute vor Herausforderungen wie Hitzewellen, Starkregen und veränderten Gästeerwartungen stellen. Das zeigen die Ergebnisse einer landesweiten Umfrage der Industrie- und Handelskammern Niedersachsen (IHKN) unter rund 450 touristischen Leistungsträgern, die gemeinsam mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Niedersachsen und der TourismusMarketing Niedersachsen GmbH (TMN) in Hannover vorgestellt wurden. Die Organisationen fordern bessere politische und verwaltungsseitige Rahmenbedingungen und rufen zugleich die Unternehmen zum Handeln auf.

Kosten und Bürokratie als größte Hemmnisse

Die Umfrage, durchgeführt vom 8. April bis 9. Mai 2025, verdeutlicht, dass fast die Hälfte der befragten Betriebe die Relevanz des Themas Klimawandel für den eigenen Betrieb erkennt. Besonders hoch ist das Problembewusstsein in Regionen wie den Ostfriesischen Inseln und der Lüneburger Heide. Trotz dieser Erkenntnis haben bisher nur ein Drittel der Unternehmen konkrete Anpassungsmaßnahmen umgesetzt.

Monika Scherf, Hauptgeschäftsführerin der IHKN, analysiert: „Die Bereitschaft ist da, aber die Mittel fehlen.“ Die Umfrageergebnisse zeigen klar, dass die Kosten für fast 80 Prozent der Betriebe das größte Hindernis darstellen. Es folgen bürokratische Hürden und fehlendes Know-how als weitere relevante Barrieren, die besonders kleinere Betriebe bei der Umsetzung notwendiger Maßnahmen behindern.

Die IHKN fordert deshalb „gezielte politische und verwaltungsseitige Unterstützung, damit touristische Betriebe wirksam auf die Folgen des Klimawandels reagieren können“, so Scherf weiter. Konkret werden niedrigschwellige Förderprogramme, vereinfachte Genehmigungsverfahren für bauliche Anpassungen und der Abbau bürokratischer Hürden genannt. Zusätzlich ergänzt IHKN-Tourismussprecherin Kerstin van der Toorn, dass zur Bewältigung des Fachkräftemangels „bessere Bedingungen für Ausbildung, Zuwanderung und Berufsorientierung“ erforderlich seien.

Anpassung umfasst mehr als nur Bauwesen

Die Anpassung an die Klimafolgen beschränkt sich nach Angaben der Organisationen nicht nur auf bauliche Maßnahmen. Auch in den Bereichen Service, Qualitätsverbesserung und Mitarbeiterzufriedenheit sind Anpassungen möglich und für den Gast wahrnehmbar. Monika Scherf betont die betriebswirtschaftliche Relevanz: „Die Klimafolgenanpassung ist kein fernes Zukunftsthema – sie ist heute schon betriebswirtschaftlich relevant“, und führt aus: „Durch frühzeitige gezielte Investitionen können Schäden vermieden und Folgekosten verringert werden.“ Sie sieht weitere Vorteile: „Für den Gast zeigen sich Investitionen in der Regel eher als Qualitätsverbesserung oder durch neue, beispielsweise saisonverlängernde Angebote. Und Maßnahmen für die Mitarbeitenden wirken sich positiv auf deren Zufriedenheit und damit meist auch auf den Service am Gast aus. Unbewusst kommt es so zu einer Qualitätsverbesserung und zufriedeneren Gästen.

Dirk Breuckmann, Vize-Präsident des DEHOGA Niedersachsen, bestätigt das Engagement des Verbandes unter dem Titel „Klimabewusst Zukunft gestalten“ durch Informationsveranstaltungen, Online-Seminare und Verbandsmedien. Er weist jedoch auf die schwierige Lage der Betriebe hin, die durch Nachwirkungen der Corona-Pandemie, schwächelnde Wirtschaft, steigende Kosten und Arbeitskräftemangel gekennzeichnet ist. Dies führe oft zum Fehlen von zeitlichen und finanziellen Ressourcen. Daher seien „kurzfristig umsetzbare Maßnahmen mit konkretem Nutzen für Betrieb, Gäste und Mitarbeiter besonders interessant.

Unterstützung durch Netzwerke und konkrete Hilfsmittel

Die TourismusMarketing Niedersachsen GmbH (TMN) unterstützt die Betriebe aktiv bei der Klimafolgenanpassung. Im Rahmen des Projekts „Klimawandel anpacken“ wurden praxisnahe Materialien entwickelt, darunter kompakte Klima-Factsheets für jede Reiseregion sowie Checklisten und Leitfäden zur Planung und Umsetzung von Maßnahmen. Diese Hilfestellungen sind auf der Website der TMN frei zugänglich.

Meike Zumbrock, Geschäftsführerin der TMN, hebt die Bedeutung der Kooperation hervor: „Die enge Zusammenarbeit von TMN, IHKN und DEHOGA zeigt, wie wichtig starke Netzwerke sind, um den Klimawandel gemeinsam im Tourismus anzugehen. Nur wenn alle Akteure an einem Strang ziehen, kann Klimaanpassung gelingen.“ Sie betont dabei die Rolle der Unternehmen: „Entscheidend ist, dass die Betriebe diesen Weg mitgestalten. Sie sind die treibende Kraft, wenn es darum geht, Maßnahmen in die Praxis zu bringen. Wir als TMN unterstützen diesen Prozess mit konkreten Hilfestellungen und möchten noch mehr Betriebe motivieren, sich aktiv einzubringen.

Die detaillierten Umfrageergebnisse und Handlungsempfehlungen sind im IHKN-Fokus Niedersachsen „Klimafolgenanpassung im Tourismus mit Leitfaden für Unternehmen“ abrufbar.


 

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