Krieg im Nahen Osten – und der Urlaub geht weiter

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Krieg, Reisewarnungen, gesperrte Lufträume: Der Konflikt im Nahen Osten bringt auch den Urlaub vieler Menschen ins Wanken. Dennoch lässt die Mehrheit der Deutschen ihre Pläne bislang unverändert. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten 54 Prozent der rund 1.750 im März befragten Erwachsenen, internationale Krisen oder Konflikte hätten derzeit keinen Einfluss auf ihre Urlaubsplanung.

Ganz ohne Folgen bleiben geopolitische Spannungen jedoch nicht. Zehn Prozent wollen ihre Urlaubspläne wegen internationaler Konflikte ändern. Bei sieben Prozent ist eine gebuchte Reise unsicher geworden, bei vier Prozent wurde sie abgesagt oder verschoben.

Politische Stabilität als Reisefaktor 

Sicherheit spielt für viele Urlauber eine wichtige Rolle bei der Wahl des Reiseziels. 58 Prozent sagen, sie berücksichtigten die politische Stabilität eines Landes stark, weitere 27 Prozent zumindest teilweise. Nur jeder Zehnte gibt an, dass politische Stabilität für ihn keine Rolle spielt. 

Der Konflikt im Nahen Osten war Ende Februar eskaliert. Israel und die USA griffen den Iran aus der Luft an, Teheran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel sowie Ziele in der Golfregion. In der Folge saßen dort Tausende Reisende fest – etwa an Flughäfen oder auf Kreuzfahrtschiffen.

Krieg trifft Urlaubsländer

Die Beratungsfirma Oxford Economics rechnet damit, dass die Zahl der Reisenden in den Nahen Osten in diesem Jahr deutlich zurückgehen könnte. Sollte der Krieg noch etwa zwei Wochen dauern, könnten die Besucherzahlen um rund elf Prozent sinken. Zieht sich der Konflikt ein bis zwei Monate hin, wäre sogar ein Rückgang um 27 Prozent möglich – verbunden mit wirtschaftlichen Einbußen von rund 56 Milliarden Dollar.

Besonders die Golfstaaten fürchten um ihr Image als sichere Reiseziele. «Das Siegel ist gebrochen», sagte der katarische Analyst Ahmed Hilal dem Sender Al Jazeera. Metropolen wie Dubai, Abu Dhabi oder Doha galten lange als sichere Inseln. Nach Angriffen auf Flughäfen, Hotels und dicht bewohnte Gebiete könnte es dauern, bis sie diesen Status zurückerlangen. 

Tourismus leidet auch in Israel

In Israel und den Palästinensergebieten leidet der Tourismus schon seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gaza-Krieg unter schweren Einbußen. Der neue Krieg mit dem Iran versetzt der Branche nun einen weiteren Schlag. 

Nach Angaben des israelischen Tourismusministeriums haben seit Kriegsbeginn Tausende Touristen das Land verlassen – etwa mit Bussen über Jordanien oder Ägypten. Andere würden vom Ministerium betreut. Seit einigen Tagen konnten Urlauber zudem Flüge mit israelischen Airlines buchen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Sorgen fern der Front

Doch auch Länder, die nicht direkt angegriffen werden, bangen um ihre Gäste. Ägypten etwa, eines der beliebtesten Reiseziele deutscher Urlauber, ist stark auf Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen. Politische Unruhen, Terroranschläge und die Corona-Pandemie hatten die Besucherzahlen dort immer wieder einbrechen lassen.

Zuletzt hatte sich die Branche jedoch erholt. Die offizielle Eröffnung des Grand Egyptian Museum an den Pyramiden sorgte für zusätzlichen Rückenwind: Im vergangenen Jahr kamen rund 19 Millionen Besucher nach Ägypten – ein Wachstum von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch nun fragen sich auch Ägypten-Reisende, ob sie ihren Urlaub lieber anderswo verbringen sollten.

Kurzes Gedächtnis der Urlauber

Solche Schwankungen sind nach Einschätzung von Tourismusforschern im Reisegeschäft nichts Ungewöhnliches. «Grundsätzlich haben Touristen ein kurzes Gedächtnis», sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft, Jürgen Schmude. «In der Regel sehen wir solche Nachfragewellen zwei bis drei Jahre lang. Danach normalisiert sich das häufig wieder.»

Ob ein Konflikt dem Image einer Destination langfristig schade, hänge vor allem von seiner Dauer ab. «Je länger er anhält, desto größer sind die Folgen», sagte Schmude. Ägypten etwa habe in der Vergangenheit mehrere Anschläge erlebt und sei dennoch immer wieder als Reiseziel zurückgekommen. Wenn der Konflikt im Nahen Osten schnell ende, könnten die Auswirkungen auf den Tourismus schon nach einem halben Jahr weitgehend vergessen sein.

Reiseveranstalter beobachten Zurückhaltung

Bei Reisen in Länder der Golfregion und bei Umsteigeverbindungen über Drehkreuze wie Dubai oder Doha beobachtet der Reisekonzern Tui eine Zurückhaltung bei Buchungen. Für die Region rechne man zunächst mit einer Phase der Erholung. «Erfahrungsgemäß setzen die betroffenen Reiseziele alles daran, den Tourismus schnell wieder anzukurbeln und das Vertrauen der Reisenden zurückzugewinnen», teilte das Unternehmen mit.

Stabil bleibe dagegen die Nachfrage nach Ägypten. In den vergangenen Wochen seien bereits zahlreiche Buchungen eingegangen. Das Land habe sich zudem zunehmend als feste Größe im Sommerurlaub etabliert, teilte Tui mit.

Vom Branchenzweiten Dertour heißt es, Ägypten bleibe weiterhin gefragt, derzeit gebe es jedoch eine gewisse Zurückhaltung sowie vereinzelt Stornierungsanfragen. Die klassischen Baderegionen seien vom Iran-Krieg aber nicht beeinträchtigt, auch der ägyptische Luftraum sei offen. Gleichzeitig steige die Nachfrage nach klassischen Urlaubszielen im westlichen Mittelmeer, etwa Spanien.

Branche gilt als krisenfest 

«Tourismus ist eine sehr resiliente Branche – sobald Stabilität zurückkehrt, kehrt auch die Reiselust der Menschen zurück», sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Albin Loidl. Viele Urlauber wichen in solchen Situationen eher auf andere Ziele aus, statt ganz auf eine Reise zu verzichten. Nach Krisen finde die Branche meist schnell wieder in die Spur. Auch für die Golfregion erwartet Loidl eine Erholung, sobald sich die Lage beruhigt.

Bundesregierung blickt auf Tourismus

Die Tourismusbranche sei von Reiseabsagen stark betroffen, sagte der Tourismuskoordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß (CDU). «Die Situation in der Golfregion hat auch Auswirkungen auf andere Urlaubsregionen, etwa in Asien und Afrika, weil viele Verbindungen über die Drehkreuze in der Golfregion führen.»

Erfahrungen aus früheren Krisen zeigten jedoch, dass Reisende häufig zurückkehrten, sobald ein Reiseziel wieder als sicher wahrgenommen werde, sagte Ploß. Es sei Aufgabe der Länder, für die Sicherheit von Reisenden zu sorgen. Er habe großes Vertrauen, dass die Golfstaaten diese Verantwortung ernst nähmen. (dpa)


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