Lokführerstreik trifft Urlauber und Pendler

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Leere Bahnsteige, volle Ersatzzüge und strapaziöse Reisen für Urlauber: Der Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn zwingt seit Mittwoch Tausende zum Improvisieren. Zwar ist der Ersatzfahrplan nach Bahn-Angaben stabil, doch im Fernverkehr sind drei Viertel der Fahrten gestrichen. Auch im Regionalverkehr und bei der S-Bahn müssen Fahrgäste erhebliche Einschränkungen hinnehmen.

Der Streik soll in der Nacht zum Freitag enden. Wer nicht zwingend muss, sollte bis dahin nicht Zug fahren, rät die Bahn. «Wir setzen alles daran, damit wir am Freitag wieder im Regelbetrieb fahren können.» Weitere Streiks sind jedoch möglich. «Das entscheiden wir nächste Woche», kündigte der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, im ZDF-«Morgenmagazin» an.

Ihre Mitglieder lassen seit Dienstagabend die Güterzüge stehen. In der Nacht zum Mittwoch begann auch im Personenverkehr der Streik. Viele Reisende hatten die GDL-Ankündigung vom Dienstagvormittag mitbekommen und stiegen auf andere Verkehrsmittel um.

Wegen des Passagierandrangs setzt die Lufthansa bis einschließlich Freitag größere Flugzeugtypen auf ihren innerdeutschen Flügen ein, wie eine Sprecherin berichtete. Der Fernbus-Anbieter Flixbus verzeichnet nach eigenen Angaben im Vergleich zur Vorwoche eine um etwa 70 Prozent höhere Nachfrage. Die Fernzüge der Marke Flixtrain würden um rund 30 Prozent mehr gebucht.

Bei einer erhöhten Nachfrage steigen auch die Preise für die Einzeltickets. Flixbus und Lufthansa arbeiten mit automatisierten Buchungssystemen, die automatisch höhere und teurere Buchungsklassen aufmachen, wenn die Plätze knapp werden. Ungewöhnlich lange Staus gab es im Berufsverkehr nicht. In der Mehrzahl der Bundesländer sind Schulferien.

Dafür waren auch viele Urlauber betroffen. So fielen Fahrten der Konzerntochter Usedomer Bäderbahn ersatzlos aus. Züge zwischen der Ferieninsel Sylt und dem Festland waren am frühen Morgen voll - Abstand halten unmöglich, wie es von einer Pendlerinitiative hieß.

Auf die Ersatzfahrpläne der Deutschen Bahn ist während des Streiks nach Unternehmensangaben Verlass. «Trotz der kurzfristigen Ankündigung ist es gelungen, die Ersatzfahrpläne im Fern- und Nahverkehr stabil umzusetzen», teilte sie mit. Auf manchen Strecken waren auch Busse statt Züge im Einsatz, etwa zwischen Leipzig und Nürnberg.

Ein Streikschwerpunkt liegt in den östlichen Bundesländern. Dort ist die GDL traditionell schlagkräftiger, weil im Westen ein Teil der Mitglieder noch Beamte aus Bundesbahn-Zeiten sind und nicht streiken dürfen.

Auf vielen wichtigen Regionalverbindungen wie zwischen Berlin und Magdeburg gebe es ein Grundangebot, teilte die Bahn mit. Bei großen S-Bahnen wie in Berlin und München laufe ein stabiler Ersatzfahrplan. In Frankfurt und Stuttgart kam auf vielen Strecken nur etwa jede Stunde eine S-Bahn. Teils gab es Busersatzverkehr.

Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Sie haben im Regional- und Güterverkehr beträchtliche Marktanteile. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen möglich, wenn sich auch Fahrdienstleiter dem GDL-Streik anschließen. Im Güterverkehr sei bei Bahnkonkurrenten am Mittwoch aber alles normal gelaufen, hieß es vom Netzwerk Europäischer Eisenbahnen.

Weselsky bekräftigte die Forderung an den Staatskonzern, ein neues Angebot vorzulegen. Die Offerte mit einer Laufzeit von 40 Monaten bedeute eine Entwertung des Tarifs über die Länge der Laufzeit von unter einem Prozent im Jahr. «Das ist für uns nicht verhandelbar», sagte Weselsky. Bahn-Personalvorstand Martin Seiler warf der Gewerkschaft einen überzogenen Streik vor und zeigte sich zugleich verhandlungsbereit.

Die Lokführergewerkschaft kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder bei der Deutschen Bahn. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sie in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren. So will die GDL auch bei den Mitarbeitern im Machtkampf mit der EVG punkten.

Die GDL fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr. «Wir erwarten Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit», sagte Weselsky. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 28 Monate betragen. Auch um Betriebsrenten wird gerungen.

Wegen Milliardenverlusten in der Pandemie will die Bahn die Erhöhung auf spätere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.


 

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