Neues Tui-Rettungspaket - Staatseinstieg wie bei Lufthansa möglich

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Der Tui-Konzern bekommt weitere Staatshilfen gegen einen möglichen finanziellen Absturz in der Corona-Krise. Wie der weltgrößte Reiseanbieter aus Hannover am Mittwoch mitteilte, einigte sich Tui mit dem Bund sowie privaten Investoren und Banken auf ein Finanzierungspaket von insgesamt 1,8 Milliarden Euro. Vor allem der Bund ist daran beteiligt. In letzter Konsequenz könnte der Bund über so genannte stille Einlagen, die teilweise in Unternehmensanteile umgewandelt werden könnten, künftig direkt an dem Konzern beteiligt sein. Nötig ist nun noch die Zustimmung der EU-Kommission, die prüfen muss, ob der Part des Bundes eine zulässige staatliche Beihilfe ist.

Die Tourismusbranche ist neben Luftverkehr und Gastronomie besonders stark vom Nachfragerückgang in der Pandemie betroffen. Auch die Lufthansa erhielt im Sommer das Go dafür, mit deutscher Staatshilfe weiterzufliegen. Die Aktionäre stimmten damals einer 20-prozentigen Kapitalbeteiligung der Bundesrepublik zu, die Wettbewerbshüter der Europäischen Union genehmigten die deutschen Rettungsmaßnahmen. Das Lufthansa-Rettungspaket hatte ein Volumen von 9 Milliarden Euro.

Tui war im Frühjahr als erstes deutsches Großunternehmen von der staatlichen Förderbank KfW mit einem Darlehen über 1,8 Milliarden Euro unterstützt worden. Ende September waren 1,2 Milliarden Euro in Form einer zweiten Kreditlinie sowie einer Anleihe hinzugekommen, die der Bund auch in eigene Anteile bei den Hannoveranern umwandeln kann. Nun wurden die Verhandlungen über eine dritte Hilfstranche beendet.

Dieses weitere Finanzierungspaket soll die Position des Unternehmens stärken und ausreichende Liquiditätsreserven zur Verfügung stellen, wie es in einer Mitteilung des Konzerns hieß. Der Urlaubsanbieter geht davon aus, dass es damit möglich ist, weitere Reisebeschränkungen bis zum Beginn der Sommersaison 2021 finanziell abzupuffern. Die Staatshilfen seien notwendig, weil die Corona-Infektionszahlen stiegen und dadurch bedingt das Buchungsverhalten der Kunden zunehmend kurzfristiger werde, so die Tui.

Hatten im Sommer viele Menschen das Gefühl, in Sachen Corona das schlimmste hinter sich zu haben, so ist die Buchungslust seit Beginn der zweiten Welle der Pandemie äußerst verhalten. Viele Reiseanbieter bieten inzwischen für die Verbraucher deutlich großzügiger Storno- und Umbuchungsbedingungen an als vor Beginn der Corona-Pandemie - Ziel ist es, die Kunden überhaupt wieder dazu zu ermutigen, noch Reisen zu buchen.

Im Winter ist das Geschäft zudem immer deutlich schwächer als in den Sommermonaten - Tui ist jetzt daher noch stärker gezwungen, seine Zahlungsfähigkeit zu sichern. Mit Blick auf das neue Jahr hatte sich das Tui-Management zuletzt wieder etwas optimistischer gezeigt. Entscheidend dürfte auch sein, wie rasch großflächige Impfungen gegen das neue Coronavirus anlaufen können.

Das neue Rettungspaket für die Tui sieht nun konkret eine so genannte Bezugsrechtskapitalerhöhung über rund 500 Millionen Euro vor, die von den Aktionären geschultert werden soll.

Daneben sind sogenannte stille Einlagen des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) von insgesamt 700 Millionen Euro geplant - davon könnte der Staat 420 Millionen Euro in Tui-Aktien umwandeln. Sollte es zu einer Wandlung der stillen Einlagen in Aktien und damit zu einer direkten Staatsbeteiligung kommen, so wäre der WSF aber mit maximal 25 Prozent plus einer Aktie beteiligt. Zwei vom WSF benannte Personen sollen künftig Mitglieder des Aufsichtsrats der Tui werden. Daneben gibt es weitere Einschränkungen - etwa in Bezug darauf, wie die Tui in andere Unternehmen investieren darf, solange der WSF investiert bleibt.

Der WSF dient der Stabilisierung der Wirtschaft in Folge der Coronavirus-Pandemie, er stellt Unternehmen Stabilisierungsmaßnahmen zur Stärkung ihrer Kapitalbasis und zur Überwindung von Liquiditätsengpässen bereit.

Außerdem ist eine weitere Staatsgarantie über 400 Millionen Euro oder alternativ dazu die Erhöhung der nicht wandelbaren stillen Einlage geplant, ferner eine zusätzliche Kreditlinie der KfW über 200 Millionen Euro. Außerdem sollen die bereits vorhandenen Kredite der KfW bis Juli 2022 verlängert werden.

Der Tui-Großaktionär Unifirm Limited, der 24,9 Prozent am Grundkapital hält und von der russischen Milliardärsfamilie Mordaschow kontrolliert wird, begrüßte das Hilfspaket und damit auch den möglichen Staatseinstieg ausdrücklich. Als langjähriger strategischer Investor habe die Familie Mordaschow keinerlei Zweifel, dass das Tui-Geschäftsmodell mittel- und langfristig gute Aussichten habe, sagte eine Sprecherin des Großaktionärs in Moskau. Tui werde mit großer Sicherheit wieder auf den Wachstumspfad der Vorjahre zurückfinden. Zu den weiteren Tui-Aktionären gehören die spanische Hotelgruppe Riu (3,6 Prozent), außerdem waren zuletzt 32,2 Prozent des Grundkapitals bei privaten Investoren und 34,2 Prozent bei institutionellen Anlegern.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, Tui sei vor der Krise profitabel gewesen. Durch Corona habe die Reisebranche aber mit nie vorher da gewesenen Schwierigkeiten zu kämpfen. «Mit den heute beschlossenen Maßnahmen unterstützen wir den größten Reiseanbieter in Deutschland dabei, diese schwierige Zeit zu überbrücken», teilte die Ministeriumssprecherin in Berlin mit. (dpa)


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