Polen und Schweiz auf Corona-Risikoliste - Kanaren nicht mehr

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Die Bundesregierung hat die Nachbarländer Polen und Schweiz, fast ganz Österreich und große Teile Italiens mit Wirkung ab dem kommenden Samstag zu Corona-Risikogebieten erklärt. Die Kanarischen Inseln werden dagegen von der Risikoliste gestrichen, wie das Robert Koch-Institut am Donnerstag mitteilte.

Die Bundesregierung hat die Nachbarländer Polen und Schweiz, fast ganz Österreich und große Teile Italiens ab kommenden Samstag als Corona-Risikogebiete eingestuft. Das gilt auch für Großbritannien bis auf die Kanalinseln und Überseegebiete, ganz Irland und Liechtenstein sowie einzelne Regionen in sechs weiteren EU-Ländern. Mit den Kanarischen Inseln wurde dagegen am Donnerstag eins der beliebtesten Winterreiseziele der Deutschen von der Risikoliste des Robert Koch-Instituts gestrichen. Dänemark verfügte unterdessen einen Einreisestopp für deutsche Urlauber.

Die Einstufung als Risikogebiet und die damit automatisch verbundenen Reisewarnungen des Auswärtigen Amts bedeuten zwar kein Reiseverbot, sollen aber eine möglichst große abschreckende Wirkung auf Touristen haben. Das Gute für Urlauber: Sie können bereits gebuchte Reisen stornieren, wenn ihr Ziel zum Risikogebiet erklärt wird. Das Schlechte: Rückkehrer aus den Risikogebieten müssen derzeit noch für 14 Tage in Quarantäne, können sich aber durch einen negativen Test davon vorzeitig befreien lassen.

DÄNEMARK SCHLIEßT DEUTSCHE URLAUBER AUS

Mit den neuen Entscheidungen der Bundesregierung kommen alle Grenzgebiete zu Deutschland außer die in Dänemark auf die Risikoliste. In dem nördlichen Nachbarland gilt nur für die Region um die Hauptstadt Kopenhagen eine deutsche Reisewarnung. Wegen der in Deutschland gestiegenen Infektionszahlen lassen die dänischen Behörden nun aber keine deutschen Touristen mehr ins Land. Ohne triftigen Grund darf man dort nicht mehr einreisen. Für Einwohner Schleswig-Holsteins sollen Ausnahmen gelten.

Die Neuinfektionen in Dänemark liegen nach der Statistik der Europäischen Gesundheitsagentur ECDC gemessen an der Bevölkerungszahl knapp über denen in Deutschland, wo die Corona-Lage noch weniger schlimm ist als in den meisten der anderen 26 EU-Ländern: 21 davon verzeichnen höhere Infektionszahlen als Deutschland.

ÖSTERREICH: NUR NOCH KÄRNTEN VON REISEWARNUNG AUSGENOMMEN

In Österreich ist nur noch das südliche Bundesland Kärnten von der deutschen Reisewarnung ausgenommen. Außerdem gilt für zwei kleine Exklaven an der Grenze zu Deutschland eine Ausnahmeregelung.

In Polen hatte es lange Zeit gar keine Risikogebiete gegeben, dann sind die Zahlen dort explodiert. Am Donnerstag wurde eine Rekordzahl von 12 017 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet - mehr als in Deutschland bei weniger als halb so vielen Einwohnern.

VENEDIG, TOSKANA, SÜDTIROL AUF RISIKOLISTE

Auch Italien landete wie Polen erst in der vergangenen Woche mit den ersten Gebiete auf der Risikoliste. Ab Samstag gilt für die meisten Touristenziele dort eine Reisewarnung. Hinzugekommen sind jetzt unter anderem Rom, Mailand, Venedig, Südtirol, die Toskana und Sardinien. Deutsche Urlauber, die dort in den Herbstferien sind, müssen nun bei Rückkehr in Quarantäne oder sich «freitesten» lassen - es sei denn, sie fahren oder fliegen noch vor Samstag nach Hause.

Die sechs Länder, in denen einzelne Regionen zu Risikogebieten erklärt wurden, sind Bulgarien, Estland, Kroatien, Schweden, Slowenien und Ungarn. Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt, wenn ein Land oder eine Region den Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschreiten. Das gilt inzwischen für mehr als 130 Länder ganz und für mehr als ein Dutzend weitere teilweise. Für etwa 50 Länder wird unabhängig von der Infektionslage von Reisen abgeraten. Der Grund: Dort gelten noch Einreisebeschränkungen, Quarantäneregeln oder eine Ausreisesperre in die EU.

KANAREN ALS INSELN DER GLÜCKSELIGKEIT?

Spanien zählte zu den Ländern, die von der zweiten Corona-Welle zuerst und besonders hart getroffen wurden. Jetzt gibt es dort, fernab vom Festland vor der afrikanischen Küste aber einen Hoffnungsschimmer: Die Kanarischen Inseln wurden wegen sinkender Infektionszahlen wieder von der Risikoliste gestrichen.

Die Tourismusbranche wartet darauf schon seit Wochen. Entsprechend erleichtert fielen dort die Reaktionen aus. «Für einige Reisende werden damit Herbstferien noch gerettet», sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung des Reisekonzerns TUI, Marek Andryszak. Er kündigte für die nächsten zehn Tagen knapp 50 Hin- und Rückflüge aus Deutschland nach Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote und Teneriffa an.

Die Entscheidung der Bundesregierung heißt allerdings nicht, dass man den Weihnachtsurlaub unter Palmen ganz unbeschwert buchen kann. Die Aufhebung der Reisewarnung für Korsika hat beispielsweise zuletzt gerade mal eine Woche gehalten.

Es bleiben übrigens nur noch vier Länder, die noch ganz frei von Risikogebieten sind und für die auch nicht von Reisen abgeraten wird: Griechenland, Zypern, Monaco und San Marino.

DRASTISCHE GEGENMAßNAHMEN IN GANZ EUROPA

Unterdessen werden in ganz Europa wieder drastische Maßnahme gegen die Pandemie ergriffen. In Tschechien, dem Land mit den höchsten Infektionszahlen in der EU im Vergleich zur Einwohnerzahl, müssen seit Donnerstag fast alle Geschäfte schließen. Ausgenommen sind etwa Lebensmittelgeschäfte und Apotheken.

In Irland muss jeder zu Hause arbeiten, dem das irgendwie möglich ist. Geschäfte, die keine lebensnotwendigen Waren verkaufen, werden geschlossen. Treffen mit anderen Haushalten sind bis auf wenige Ausnahmen untersagt.

In Frankreich wurde die nächtliche Ausgangssperre ausgeweitet, sie gilt nun für etwa zwei Drittel der Franzosen. Auch in der norditalienischen Lombardei mit Mailand als Hauptstadt gelten seit Donnerstag nächtliche Ausgangsverbote für die rund zehn Millionen Bürger.

EU WEITET EINREISESPERREN AUS

Die EU als Ganzes weitet ihre Einreisebeschränkungen wieder auf Kanada, Georgien und Tunesien aus. Für die drei Länder soll keine Ausnahme der zu Beginn der Pandemie eingeführten Einreisesperre mehr gelten. Singapur hingegen wurde zur Liste der Länder hinzugefügt, aus denen nicht zwingend notwendige Reisen in die EU wieder möglich sind. Somit dürfen künftig nur noch Menschen aus acht Ländern normal in die EU einreisen: Australien, Japan, Neuseeland, Ruanda, Singapur, Südkorea, Thailand und Uruguay. Es sind die ersten Änderungen der Liste seit rund zweieinhalb Monaten.

Tourismusverband DRV begrüßt Aufhebung der Reisewarnung für Kanaren

Die Tourismusbranche hat die Aufhebung der Reisewarnung für die Kanaren begrüßt. Der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig, sprach am Donnerstag von einer guten Nachricht. Die Inseln vor der Küste Afrikas mit ihrem sommerlichen Klima das ganze Jahr über sind ein beliebtes Urlaubsziel gerade im Herbst und Winter. Gleichzeitig mahnte Fiebig: «Wir dürfen jetzt nicht zu einem "Stop and Go" kommen. Das führt zu Verunsicherung auf allen Seiten und insbesondere bei den Reisenden.»

Der DRV-Präsident forderte eine abgestimmte Test-Strategie für Reiserückkehrer. «Mit dem zielgenauen Einsatz von Tests bei der Einreise nach Deutschland oder noch im Zielgebiet lässt sich die Einschleppung des Coronavirus wirksam eindämmen – und die Flughäfen sind diesbezüglich sehr gut ausgestattet», argumentierte er.

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