Reisebuchungen für den Sommer 2022 über Vor-Corona-Niveau

| Tourismus Tourismus

Die rekordverdächtige Inflation und der Ukraine-Krieg scheinen die Reiselust der Menschen in Deutschland nach zwei Corona-Jahren nicht zu dämpfen - im Gegenteil. Reiseveranstalter berichten von kräftig gestiegenen Buchungen für den Sommer, die seit einigen Wochen das Niveau vor der Coronakrise übertreffen. Zudem lassen sich Sonnenhungrige die schönsten Wochen des Jahres teils mehr kosten. Sie buchten beispielsweise längere Urlaube und mehr Luxushotels, erläutert Branchenprimus Tui. Nachträgliche Preiserhöhungen oder Kerosinzuschläge schließen Tui, Der Touristik und Co. für bereits gebuchte Reisen aus.

«Der Urlaub steht nach langem Verzicht in diesem Jahr ganz oben auf der Wunschliste der Deutschen, selbst steigende Energiekosten und zunehmende Inflation tun diesem Wunsch keinen Abbruch», beschreibt Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) die aktuelle Lage. Stattdessen gäben die Menschen bei einem insgesamt stabilen Preisniveau bei Pauschalreisen in diesem Jahr sogar mehr für den Urlaub aus.

Viele Veranstalter haben einen großen Teil der Flug- und Hotelkontingente im vergangenen Jahr zu damaligen Preisen eingekauft. Je näher das Abreisedatum rückt, desto teurer kann es allerdings für Kurzentschlossene werden, weil die Reise möglicherweise nicht mehr aus dem bestehenden Kontingent bedient werden kann. Nach Einschätzung von Tui-Chef Fritz Joussen könnte es in diesem Jahr weniger Last-Minute-Schnäppchen geben.

Nach einer Umfrage der GfK-Konsumforscher im Auftrag des Bayerischen Zentrums für Tourismus (BZT) möchten 69 Prozent der Befragten, die generell verreisen, in diesem Sommer auf jeden Fall in den Urlaub fahren. Dabei ist ein niedriger Preis für jeweils ein Drittel der Reisewilligen, die noch nicht gebucht haben oder noch unsicher sind, ein wichtiges Kriterium für die Wahl des Urlaubsziels.

Flugpassagiere müssen sich wegen gestiegener Treibstoffkosten infolge des Ukraine-Krieges jedenfalls auf höhere Ticketpreise im Sommer einrichten. Darauf weisen die Luftverkehrskonzerne Lufthansa und Air France-KLM hin. «Steigende Kosten müssen wir an unsere Kunden weitergeben», sagte Lufthansa-Finanzchef Remco Steenbergen jüngst.

Eine Delle bei den Buchungen stellte der Reisekonzern FTI Group nach Beginn des Ukraine-Krieges fest. Inzwischen habe die Nachfrage wieder stark angezogen, sagt FTI-Chef Ralph Schiller. «Der Buchungseingang ist für die gesamte Zeit seit den Osterferien bis in den Herbst gut, und wir übertreffen in begehrten Zielgebieten die Vor-Corona-Zahlen von 2019.» Besonders gefragt sind Schiller zufolge unter anderem Ziele rund um das Mittelmeer, etwa Kroatien, Griechenland und die Türkei, sowie Ägypten. «Hier könnte es zu den begehrten Terminen in der Sommersaison eng werden mit den Plätzen.»

Auch Veranstalter Alltours spürt nach eigenen Angaben «einen enormen Nachholbedarf». Die täglichen Buchungseingänge für den Sommer lägen derzeit zwischen 40 und 80 Prozent über denen des Vor-Corona-Sommers 2019. «Für bereits gebuchte Reisen wird es bei Alltours definitiv keinen Kerosinzuschlag geben», betont eine Sprecherin.

DER Touristik berichtet von aktuell stabilen Preisen für die Türkei sowie die Balearen und die Kanaren. Langstreckentrips zum Beispiel nach Thailand oder in die Karibik seien sogar rund fünf Prozent günstiger als im vergangenen Sommer. Trotz des deutlich gestiegenen Buchungseingangs rechnet das Unternehmen nicht mit Engpässen zur Hauptreisezeit. «Allerdings gibt es eine extrem hohe Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Produkten. Vor allem die Ziele Türkei, Griechenland und die Balearen sind sehr nachgefragt.»

Ungeachtet des aktuellen Booms liegen die Umsätze der Reisebüros und Veranstalter für das bisherige Tourismusjahr dem DRV zufolge insgesamt noch unter dem Niveau der Vergleichszeitraums von 2019. «Vor diesem Hintergrund rechnen wir zwar mit einem hervorragenden Sommer, werden das Vor-Corona-Niveau aber in diesem Jahr voraussichtlich noch nicht erreichen», bekräftigte Fiebig eine frühere Prognose. Für 2023 zeigte er sich vorsichtig optimistisch, trotz des nicht absehbaren Verlaufs des Ukraine-Kriegs und der gestiegenen Inflation.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

TUI hält trotz geopolitischer Belastungen an seiner Jahresprognose fest. Insbesondere der Iran-Krieg und Sonderfaktoren beeinträchtigten die Ergebnisse in den einzelnen Geschäftsfeldern.

Anstatt auf Reiseverzicht zu setzen, bevorzugen Reisende zunehmend nachhaltigere Alternativen innerhalb ihrer Reiseplanung. Die Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Angebote wächst, Nachhaltigkeitssiegel gewinnen an Bedeutung.

Airbnb und die Tripadvisor Group kooperieren bei Touren, Aktivitäten und Attraktionen. Noch 2026 soll eine Auswahl aus dem Bestand von mehr als 425.000 Erlebnissen der Tripadvisor Group über Airbnb buchbar werden.

Wer verreist, lässt mehr zurück als den Arbeitsalltag. Das zeigt eine repräsentative Befragung von HolidayCheck. 86 Prozent der Befragten fassen während einer Reise konkrete Vorsätze für die Zeit danach. Besonders häufig geht es dabei um Erholung und Selbstfürsorge.

Der deutsche Incoming-Tourismus kann in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 trotz schwieriger Marktbedingungen Zugewinne erzielen. In der zweiten Jahreshälfte ist nach Einschätzung der Deutschen Zentrale für Tourismus weiteres Wachstum möglich.

Stark riechendes Essen, Videos ohne Kopfhörer und Selfie-Aktionen am Fenster: Für viele Flugreisende bedeuten nicht erst mögliche Flugverspätungen Stress, sondern auch das Verhalten der Mitreisenden an Bord, so eine neue Umfrage im Auftrag von Booking.com.

Die Beherbergungsbetriebe in Deutschland haben im Juni 2,9 Prozent weniger Übernachtungen verbucht als ein Jahr zuvor. Im gesamten ersten Halbjahr 2026 wurde mit 223,8 Millionen Übernachtungen dennoch ein neuer Höchststand für diesen Zeitraum erreicht.

Die Bahn registrierte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 989 Übergriffe auf Mitarbeiter und reagiert mit der Einführung von Tonaufzeichnungen bei Bodycams sowie verstärkten Schutzmaßnahmen.

Die Heinz Sielmann Stiftung und der Deutsche Wanderverband haben die Wahl zum Naturwunder des Jahres 2026 gestartet. Bis Ende September stehen neun Naturschauplätze aus sieben Bundesländern zur Online-Abstimmung.

In allen Bundesländern sind Sommerferien, und in Mecklenburg-Vorpommern sind Tausende Urlauber unterwegs. Die landeseigene MV Tourismus GmbH zieht eine positive Zwischenbilanz der bisherigen Hauptsaison - mit ein paar Wolken am Ferienhimmel.