Schlechtes Gewissen fliegt nicht mit - Urlauber starten nach Mallorca

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Mit viel Vorfreude auf Sonne und Strand, aber wenig schlechtem Gewissen, sind am Sonntag die ersten Urlauber mit Tui-Fliegern aus Deutschland nach Mallorca gestartet. Nach monatelanger Corona-Zwangspause bietet der größte Reisekonzern wieder Flüge auf die beliebte Ferieninsel an. «Wir wären auch gerne mit dem Wohnwagen in Deutschland irgendwohin gefahren - auf den Campingplatz, ein paar Tage raus, aber das geht ja nicht», erzählten Kevin Burgess und seine Partnerin Gabi am Flughafen Hannover kurz vor Abflug. Leben in der Pandemie gehe ihm nach mehr als einem Jahr auf die Seele, so der in Hildesheim wohnende Burgess. «Ich hab Homeoffice, ich verlasse das Haus kaum, und irgendwann reicht es mir auch. Ich glaube, es geht vielen Deutschen auch so, dass sie keine Lust mehr haben.»

Der Urlaub auf der spanischen Mittelmeerinsel scheint für manche eher eine Notlösung. «Wir hätten lieber Urlaub auf Norderney gemacht», sagte ein Ehepaar bei der Ankunft am Flughafen Son Sant Joan, wo die Sonne kurz vor der Landung hinter den Wolken hervorkam. «Wir hoffen, dass es ruhig wird. Es ist der erste Urlaub seit vergangenem März. Wir arbeiten in der Pflege und wollen einfach mal den Kopf freibekommen.»

Die Flucht aus dem belastenden Corona-Alltag auf die Insel wird aber derzeit heftig diskutiert. Nach Auslaufen der Reisewarnung für die Balearen vor einer Woche haben Airlines wie Eurowings oder nun Tuifly wieder Verbindungen aufgenommen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur lehnten 65 Prozent die beschlossene Aufhebung der Quarantäne und Testpflicht für Rückkehrer von der spanischen Ferieninsel ab. Nur 22 Prozent halten diesen Schritt für richtig.

«Wenn die Inzidenzwerte hier in Deutschland höher sind, kann ich das politisch verstehen», sagte Urlauberin Cornelia Wilke, die sich wie viele ihrer Mitreisenden auf Ablenkung und einen Tapetenwechsel freut. Man könne nicht dauerhaft im Lockdown bleiben und die Menschen leiden lassen, «da macht man ja auch die Wirtschaft mit kaputt». Zu Hause sei das Risiko, sich anzustecken, wahrscheinlich größer, erklärte Natascha Schiller-Blindo mit Blick auf die Sieben-Tage-Inzidenz von rund 20 auf Mallorca.

Die Bundesregierung hatte sich selbst dazu verpflichtet, die Reisewarnung für ein Land oder eine Region aufzuheben, sobald die Zahl der Neuinfektionen unter 50 pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche sinkt. Sie rät aber trotzdem weiterhin generell von touristischen Reisen im In- oder ins Ausland ab. Bei der Einreise auf Mallorca ist ein negativer PCR-Test nötig. Dieser wird sowohl beim Check-in vor dem Abflug als auch bei der Ankunft kontrolliert.

Stephan Weil, Ministerpräsident im Tui-Stammland Niedersachsen, forderte die Bundesregierung auf, dies rückgängig zu machen. Die Aufhebung sei «ein schwerer Fehler», sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Sonntag). «Noch mag das Infektionsgeschehen auf Mallorca unkritisch sein, aber wenn über Ostern Menschen aus ganz Europa auf der Insel zusammenkommen, haben wir sofort wieder einen neuen Hotspot.»

Urlauber Marcus aus Berlin hat weniger Bedenken: «Wir waren im November auf Lanzarote und haben gesehen, dass es klappt. Wir gehen auch davon aus, dass es genauso leer sein wird und sehen keine großen Probleme.» Seinen Nachnamen will der 35-Jährige nicht öffentlich machen. «Wir sind halt eine Neidgesellschaft. Da habe ich jetzt auch kein Interesse, mich zu rechtfertigen, das ist meine Entscheidung.»

Die Nachfrage für Mallorca ist laut Tuifly sehr stark, aber nicht auf dem Niveau vom Ostergeschäft 2019. Rund zehn Prozent der rund 1000 Hotels auf der Insel hätten geöffnet, sagte ein Sprecher in Hannover. Tui-Balearen-Chef Ian Livesey erwartete am ersten Tag knapp 1100 Urlauber aus Deutschland, die mit sieben Flügen auch aus Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart kommen. Der Brite steht mit sechs Reisebussen vor dem Flughafenterminal. «Einige haben nur den Flug gebucht. Den Rest bringen wir hauptsächlich an die Playa de Palma und in den Robinson Club Cala Serena», sagte Livesey.

Marlen Wendt ist in Hannover noch mit gemischten Gefühlen ins Flugzeug gestiegen: «Erst war die Freude da und nachdem wir dann gebucht hatten natürlich auch Sorge und Angst: Wie denken Freunde und Nachbarn darüber?» Aber es sei nun mal kein Risikogebiet mehr. «Wir fahren da ja auch nicht hin, um Party zu machen, sondern Familienurlaub in den Bergen», erklärte die 42-Jährige aus Hamburg. «Da stellen wir glaube ich für Land und Leute auch nicht so eine Gefahr dar.» Wenn sie im Flugzeug sitze, werde die Freude auch zurückkommen, ist sich Wendt sicher. Ihre zweieinhalbjährige Tochter freue sich ohnehin aufs große Meer und die Muscheln am Strand. (dpa)


 

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