Schlüsselkästen: Wie Europas Städte mit dem Phänomen umgehen

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Mancherorts gelten sie als praktischer Helfer, in anderen Gegenden sind sie Einheimischen ein Dorn im Auge - und manchmal sind sogar Sozial- und Hilfsdienste auf sie angewiesen: Schlüsselkasten, oft im öffentlichen Raum oder direkt vor der Ferienwohnung angebracht, haben sich gerade im Tourismus in den vergangenen Jahren stark verbreitet. 

Von Vermietern werden die kleinen Boxen oft zur einfachen Schlüsselübergabe genutzt, etwa bei Plattformen wie Airbnb oder Booking. Sie ermöglichen Gästen einen kontaktlosen Check-in und sparen den Anbietern zusätzlichen Aufwand. Der Besucher kann den Kasten ganz einfach mit einem Zahlencode öffnen und den Schlüssel entnehmen. 

So einfach, so gut. Doch in manchen Teilen Europas regt sich seit Monaten der Unmut über die Kästchen. Das Stadtbild sollen sie beeinträchtigen und schlichtweg ein Symbol für Massentourismus sein. Selbst Verbote gibt es schon. Doch nicht alle Touristen-Hotspots gehen mit dem Phänomen gleich um. Ein Blick in europäische Städte:

Spanien: Keyboxes teils mit Fäkalien beschmiert

Im Zuge der wachsenden Kontroverse über Massentourismus geraten die Kästchen in Spanien zunehmend ins Visier. Als erste – und bislang einzige – Region hat die sogenannte Autonome Gemeinschaft Valencia im Sommer 2024 Keyboxes für Ferienwohnungen im öffentlichen Raum ausdrücklich verboten. Vermieter dürfen ihre Gäste dort seither nur noch persönlich empfangen oder einen beauftragten Empfangsdienst einsetzen.

In anderen Teilen des beliebten Urlaubslandes, wo es bislang kein vergleichbares Verbot gibt, entlädt sich der Unmut zunehmend auf der Straße. In Sevilla wurden Schlüsselkästen gezielt beschmiert, teils mit Fäkalien. In Madrid werden sie häufig mit Klebstoff unbrauchbar gemacht. 

Auf Mallorca zerstörten Aktivisten im Juni, kurz nach einer neuen Großdemo gegen Massentourismus, Schlüsselboxen und elektronische Codeschlösser mit Hämmern - und posteten Videos der Aktion in den sozialen Medien. Zu solchen Protesten kommt es mit Blick auf die angespannte Wohnraumsituation immer wieder. «Während wir jungen Menschen uns kein eigenständiges Leben leisten können, gibt es andere, die sich an unserer Misere bereichern», schrieb etwa die Protestbewegung Arran auf Instagram.

Skandinavien: Gern gesehener Helfer

In Kopenhagen und vielen anderen skandinavischen Städten sind Schlüsselboxen längst der Regelfall statt eine Ausnahme. Gerade im Winter im kühlen Norden Europas kann es allerdings vorkommen, dass es dennoch zu einem ersten Kontakt mit den Vermietern kommt – etwa dann, wenn sich der Zahlencode in der Kälte nicht einstellen oder sich der Kasten anderweitig nicht aufbekommen lässt. 

Generell werden die Boxen in Nordeuropa aber sehr positiv gesehen, auch wenn es kein schöner Anblick ist, wenn an manchen Wohnblocks Dutzende Kästchen nebeneinander hängen. Aber: Für die komfortbewussten Skandinavier ist diese Art des Check-ins in die Unterkunft die entspannteste Methode – wenn denn der Zahlencode nicht hakt.

Irland und Großbritannien: Kurzzeitvermietungen im Visier

In Dublin ist die Anbringung der Kästchen etwa an Fahrradständern oder Laternenpfählen verboten, wie die Dubliner Stadtverwaltung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. «Alle Schlüsselkästen, die uns gemeldet oder bei regelmäßigen Wartungsarbeiten auf der Straße gefunden werden, werden entfernt und vernichtet.» Auf privaten Grundstücken sei die Verwendung der Kästchen selbstverständlich weiter zulässig.

Anders als Dublin gibt es in London kein solches Verbot. Kurzzeitvermietungen werden dennoch ins Visier genommen: Gemäß den Vorschriften der Stadt dürfen Vermieter ihre Ferienwohnungen nicht für mehr als 90 Nächte pro Jahr vermieten. 

Italien: Keyboxes im Grunde nutzlos

Auch in Italien sind die Schlüsselboxen zum Symbol des Booms von Kurzzeitvermietungen in bei Touristen beliebten Städten geworden. Vielen Einheimischen sind sie ein Dorn im Auge: Immer wieder wird kritisiert, dass die Kästen in der Nähe von Wohnungstüren oder an Hausfassaden das Bild von Städten wie Florenz, Venedig, Rom und Neapel beeinträchtigen. 

Das Land geht unter anderem deshalb gegen die Keyboxes vor. Florenz in der Toskana hatte Anfang vergangenen Jahres als erste große italienische Stadt die Boxen verboten. Mailand zog nach und kündigte das Verbot für diesen Januar an. Danach werden bis zu 400 Euro fällig, wenn weiter Keyboxes herumhängen.

Ein formelles Verbot der Kästen in ganz Italien gibt es bislang nicht. Es ist jedoch landesweit vorgeschrieben, dass es bei Kurzzeitvermietungen aus Sicherheitsgründen zu einem persönlichen Treffen von Wohnungsbesitzer und Urlauber kommen muss. Diese Verordnung des Innenministeriums in Rom verbietet die Schlüsselboxen zwar nicht, macht sie jedoch im Grunde nutzlos.

Österreich: Wichtig für Sozialdienste

In Österreich zeigt sich wiederum ein anderes Bild: In Wien hat die Stadtregierung derzeit nicht vor, Schlüsselboxen zu verbieten. Denn die Safes werden nicht nur von Touristen genutzt. Sie sind für Hilfs- und Sozialdienste wichtig, die so in die Wohnungen ihrer alten und kranken Klienten gelangen können, wie es von der zuständigen Stadtbehörde heißt. Auch in Notfällen erleichtern die Kästchen den Zutritt.

Dennoch geht Wien gegen die Kurzzeitvermietung von Wohnungen vor. Seit Sommer 2024 sind deutlich strengere Regelungen in Kraft. Mitarbeiter der Stadt versuchen, illegalen Vermietern auf die Spur zu kommen – hauptsächlich im Internet. Doch auch Häuser mit auffällig vielen Schlüsselboxen würden unter die Lupe genommen, erzählt eine Sprecherin.

Frankreich: Warnaufkleber und Geldstrafe

Ähnlich wie Dublin verhängte auch Paris Anfang 2025 ein Verbot von Schlüsselkästen, sofern sie im öffentlichen Raum angebracht sind und etwa an einen öffentlichen Fahrradständer gehängt werden. Zunächst wird die Box mit einem Warnaufkleber versehen - wenn der Vermieter sie nicht entfernt, tut dies die Stadtverwaltung. Das Bußgeld beläuft sich auf bis zu 1.500 Euro.

Um den Massentourismus einzuschränken und mit Blick auf den angespannten Wohnungsmarkt in der französischen Hauptstadt verkürzte Paris zu Jahresbeginn auch die Dauer, während der eine Privatwohnung touristisch vermietet werden darf. Statt bislang 120 Tagen jährlich sind dies, ähnlich wie in London, nun nur noch 90 Tage pro Jahr. (dpa)


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