Schrecken Risikogebiete Reisende noch ab?

| Tourismus Tourismus

Inzwischen hat man sich daran gewöhnt: Jeden Freitag weist die Bundesregierung neue Länder als Hochrisikogebiete aus, andere werden von der Liste entfernt. Die Liste der Länder, für die eine coronabedingte Reisewarnung besteht, wird länger und länger. Aber erreicht das die Menschen überhaupt noch, wenn Sieben-Tage-Inzidenzen in der Heimat ähnlich hoch sind wie im Ausland? 

Für die Reisebranche beantwortet Kerstin Heinen vom Deutschen Reiseverband diese Frage ganz klar mit Ja: «Immer wenn etwas verändert wird, führt das grundsätzlich zu Verunsicherung.» Menschen buchen dann laut Heinen verhaltener oder wenden sich häufiger mit Rückfragen an die Veranstalter. Außerdem würden Reisen kurzfristiger gebucht. «Das haben wir im vergangenen Jahr gesehen und das wird sich auch in diesem Jahr fortsetzen», sagt Heinen.

Im Urlaub ist man den örtlichen Umständen ausgesetzt

Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum erkennt außerdem sehr wohl einen Unterschied zwischen der Urlaubsreise und den alltäglichen Erledigungen am Wohnort: Zu Hause könne man sich entscheiden, wie frei man sich bewegen möchte. Ob man öffentliche Verkehrsmittel nutzt oder das eigene Auto oder Rad. Bei einer Reise allerdings sei man mehr oder weniger den Umständen vor Ort ausgeliefert - dort gebe es eine vorgefertigte Anreise- und Unterkunftssituation.

Doris Berve-Schucht vom Bundesgesundheitsministerium warnt außerdem davor, das Infektionsrisiko nur vom Wert der Sieben-Tage-Inzidenz abzuleiten. Das sei epidemiologisch weder sinnvoll, noch zielführend. In die Analyse und Entscheidung der Bundesregierung über die Ausweisung von Hochrisikogebieten flössen neben quantitativen Daten wie der Sieben-Tage-Inzidenz, der Testrate und der Trendentwicklung in dem jeweiligen Land auch qualitative Daten.

Dazu gehören zum Beispiel Informationen hinsichtlich der Art des Ausbruchs - ob dieser etwa lokal oder flächendeckend geschieht -, in den Staaten ergriffene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens, die Teststrategie oder die berichtete Inanspruchnahme des Gesundheitssystems.

Nachverfolgung von Infektionsherden durch Kontrolle

Berve-Schucht weist darauf hin, dass durch die Reisebewegungen und den Grenzverkehr Infektionen eingetragen und neue Infektionsherde geschaffen werden können. Durch die Einstufung eines Landes als Hochrisikogebiet lässt sich dieser grenzüberschreitende Verkehr sehr viel besser kontrollieren. Denn Reiserückkehrer aus einem Hochrisikogebiet müssen vor der Einreise nach Deutschland eine digitale Einreiseanmeldung ausfüllen. Reiserückkehrer, die älter als sechs Jahre sind, brauchen zudem entweder ein negatives Testergebnis oder einen Impf- oder Genesenennachweis.

Außerdem müssen sich Personen, die aus einem Hochrisikogebiet zurück nach Deutschland kommen, grundsätzlich direkt nach Ankunft zu Hause in eine zehntägige häusliche Quarantäne begeben. Geimpfte und Genesene können sich dieser Pflicht entziehen, sobald sie online einen entsprechenden Nachweis über ihren Status erbringen. Ungeimpfte können die Quarantäne mit einem negativen Testergebnis ebenfalls vorzeitig beenden - aber erst am fünften Tag nach der Einreise.

Wer aus einem Virusvariantengebiet zurückkehrt, muss sogar 14 Tage in Quarantäne. Die vorzeitige Beendigung durch freitesten ist in diesem Fall weder für Geimpfte und Genesene, noch für Ungeimpfte möglich. Derzeit ist allerdings kein Land als Virusvariantengebiet gelistet.

Bei Nichtbeachtung drohen empfindliche Bußgelder

Karolina Wojtal rät Reiserückkehrern, die Einreiseanmeldung gewissenhaft auszufüllen. Wer dies nicht tut, oder gar falsche Angaben macht, dem droht bei einer Kontrolle laut der Expertin ein Bußgeld von 1000 Euro. Wird die Anmeldung nicht spätestens 24 Stunden später nachgereicht, drohen weitere 1000 Euro Bußgeld. Wer gegen die Einreisequarantänepflicht verstößt und erwischt wird, müsse sogar mit einem Bußgeld in Höhe von 2000 Euro rechnen.

Achtung: Dabei gibt es einen Unterschied zwischen dem Aufenthalt in einem Risikogebiet und dem Passieren eines solchen Gebiets auf der bloßen Durchreise. Wer zum Beispiel mit dem Auto oder Zug durch ein Risikogebiet fahre, um seinen Urlaubsort zu erreichen, der nicht als Risikogebiet deklariert ist, gelte nicht als Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet, sagt Wojtal. Wer zum Beispiel zum Tanken hält und aussteigt hingegen schon.

Eine Reisewarnung an sich gibt Verbraucherinnen und Verbrauchern übrigens nicht automatisch das Recht, ihre Reise kostenfrei stornieren zu können. Das sei immer eine Einzelfallentscheidung, sagt Karolina Wojtal. Um im Zweifel nicht auf Reisekosten sitzen zu bleiben, rät sie bei der Buchung darauf zu achten, dass die Reise kurz vor Antritt noch änder- oder stornierbar ist. Das sei zwar meist ein wenig teurer, aber es lohne sich, solche oft als Flextarife bezeichneten Verträge abzuschließen, sagt Wojtal. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Mit mehreren Neuheiten startet der Europa-Park in Rust in die neue Saison. Ein neuer Themenbereich sowie neue gastronomische Angebote winken Besucherinnen und Besuchern zum offiziellen Saisonstart am 28. März.

Sie zählt zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen am Bodensee: Ab Samstag soll die Marienschlucht wieder begehbar sein. Was Familien, Wanderer und Naturliebhaber dort erwartet.

Die Schwarzwald Tourismus GmbH entwickelt ein dezentrales Hotelkonzept, das bestehende Dorfstrukturen nutzt und Leerstände reduzieren soll. Das vom Land Baden-Württemberg geförderte Projekt verzichtet auf Neubauten und integriert lokale Betriebe in die touristische Wertschöpfung.

Die Schweiz plant eine zusätzliche Gebühr für Autofahrer, die das Land nur durchqueren. Das Parlament hat einer entsprechenden Transitabgabe für ausländische Reisende zugestimmt. Ein konkreter Zeitpunkt für die Einführung der Transitgebühr steht derzeit noch nicht fest.

Der Nahost-Krieg bringt Bewegung in den Reisemarkt: Urlauber meiden einzelne Regionen, wählen andere Ziele und müssen sich womöglich auf steigende Preise einstellen.

Eine aktuelle Analyse des Reiseportals Opodo belegt für das Frühjahr 2026 eine starke Nachfrage nach Reisen zwischen Deutschland und Südeuropa. Während Spanien das Hauptziel deutscher Urlauber bleibt, stellen Spanier gleichzeitig die größte Gruppe internationaler Gäste in deutschen Metropolen dar.

Eine aktuelle Auswertung von 1,7 Millionen Online-Rezensionen kürt das Frankenlagune Wellness-Center zur beliebtesten Therme Deutschlands. Während bayerische und norddeutsche Saunen die Spitzenplätze belegen, bilden Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern und Hessen das Schlusslicht des Rankings.

Eine aktuelle Umfrage von Holidu unter 2.500 europäischen Gastgebern weist Deutschland als Spitzenreiter bei der Gästetreue aus. Knapp 70 Prozent der heimischen Vermieter setzen auf Stammkunden und priorisieren dabei den persönlichen Kontakt gegenüber Preisrabatten.

Alltours erweitert seine Eigenmarke Alltoura Club Hotels zur Sommersaison 2026 um zwei neue Anlagen auf Kos und Rhodos. Die Hotels setzen auf ein umfassendes All-inclusive-Konzept mit Fokus auf Sport, Wellness und Kinderbetreuung.

Ein Tag früher ankommen als gebucht, das hört sich erst mal gut an. Doch es ist auch eine zusätzliche Hotelnacht. Ob eine Fluggesellschaft dafür aufkommen muss, hat ein Gericht in Bayern beschäftigt.