Skigebiete wollen Energie sparen - Kalte Sitze und langsame Lifte?

| Tourismus Tourismus

Viele Skigebiete in Deutschland wollen angesichts der drohenden Energiekrise im Winter Energie einsparen. Lifte könnten eventuell langsamer laufen, Beleuchtung und Heizung eingeschränkt werden. Derzeit liefen bei den Liftbetreibern die Planungen, teilte der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS) mit.

«Noch sind die Überlegungen nicht abgeschlossen», sagt Vize-Präsident Peter Lorenz. Es sei im Einzelnen noch nicht klar, wie die Umsetzung aussehe. Grundsätzlich stünden alle Bereiche des Seilbahnbetriebs auf dem Prüfstand. Auch in Österreich und in der Schweiz denken Liftbetreiber über Sparmaßnahmen und einen reduzierten Betrieb nach.

Vielerorts auch in Deutschland werden die Wintersportler in kalten Sesselliften Platz nehmen müssen: Die Sitzheizungen sollen abgeschaltet werden, wie der VDS mitteilte. Auch in den Toiletten dürfte es teils kälter werden. Zum Händewaschen wollen manche Gebiete nur noch kaltes Wasser bereitstellen. Bei Liften könne eine geringere Fahrgeschwindigkeit Einsparpotenzial bieten. Geplant sei zudem eine konsequente Einschränkung von Beleuchtung und Innenraumtemperaturen.

Naturschützer fordern zudem einen Verzicht auf Schneekanonen. Die Politik und Ministerpräsident Markus Söder dürften sich beim Energiesparen «nicht weiter wegducken», sagte der Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Bayern (BN), Richard Mergner. Den Skizirkus in bayerischen Gebieten hat der BN stets kritisch gesehen - «die Zeit ist nun mehr als reif, hier Einschnitte zu machen». Mergner forderte die Staatsregierung auf, entsprechende Vorgaben zu machen. Die Skigebiete müssten sich durch den Klimawandel sowieso umstellen. Ein Verzicht auf Beschneiung könne in einem Winter 12 Millionen Kilowattstunden Strom sparen, zudem Millionen Liter Wasser.

Der Seilbahnverband rechnet hingegen vor, Deutschland habe 2018 rund 556 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht. Damit habe die Beschneiung in Bayern einen Anteil von 0,002 Prozent des gesamtdeutschen Stromverbrauchs. Für die Beschneiung werde zudem überwiegend die Nachtzeit genutzt, wenn Strom gut verfügbar sei.

Für einen Wintersportler fallen laut VDS pro Ski-Tag mit Seilbahn und Pistenpräparierung, aber ohne Anreise im Schnitt 16 Kilowattstunden als Verbrauch an - so viel wie ein Mittelklasse-Pkw für 22 Kilometer brauche. Die mit Abstand meiste Energie koste die Anreise. Die Seilbahnen seien hinsichtlich effizienter Energienutzung und -einsparung bereits gut aufgestellt, betont der Verband. Etwa würden Gebäude für die Gastronomie mit der Abwärme der Seilbahn geheizt, Photovoltaikanlagen unterstützten die Versorgung.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hatte auch angeregt, die Wintersport-Saison nach hinten zu verschieben. Es sei inzwischen klar, dass es im März kühler sei als im November, sagte der CSU-Politiker dem «Münchner Merkur». Die Liftbetreiber wollen die Skisaison aber nicht später anfangen lassen. Der Beginn hänge von den Schneeverhältnissen ab. In den Weihnachtsferien sollen die Gäste wie gewohnt auf den Pisten ihre Schwünge ziehen können. Abhängig sei der Betrieb aber auch von möglichen staatlichen Vorgaben, darauf müssten die Gebiete ad hoc reagieren, hieß es beim VDS. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Urlaub in Schleswig-Holstein steht bei vielen Deutschen weiter hoch im Kurs. Doch wegen der höheren Lebenshaltungskosten zögern viele mit einer Buchung. Die Touristiker beobachten das mit Sorge.

Neue Reiseformate wie Zero-Day-Trips, regionale Meetings und hybride Veranstaltungen verändern nach Angaben der Initiative Chefsache Business Travel die Planung von Geschäftsreisen. Unternehmen bündeln Reisen stärker und richten sie gezielter auf konkrete geschäftliche Ziele aus.

Mehr als dreimal so viele Touristen wie griechische Einwohner strömten 2025 in das Urlaubsland. Auf Jetset-Inseln wie Santorini oder Mykonos bringt der Rekord-Tourismus die Infrastruktur ans Limit.

Eine aktuelle Auswertung von Fit Reisen analysiert das Suchinteresse für Ayurveda-Angebote in Europa. Dabei zeigt sich eine starke Präferenz für deutsche Regionen sowie eine Verschiebung hin zu mediterranen Zielen infolge der Iran-Krise.

Eine Studie des Technologieunternehmens Amadeus sieht weltweit eine hohe Offenheit vieler Reisender gegenüber künstlicher Intelligenz und digitalen Mobilitätsdiensten. Gleichzeitig bleiben Sprachbarrieren, Zusatzkosten und unzureichende Informationen häufig genannte Probleme im Reiseverkehr.

Fast die Hälfte der Passagierflüge, die auf deutschen Hauptverkehrsflughäfen starten oder landen, sind auf Kurzstrecken unterwegs. Die häufigste Verbindung war 2025 die zwischen Frankfurt/Main und London-Heathrow.

Wenn Eltern oder Großeltern mit Kindern auf Reisen gehen, heißt das Ziel besonders oft Schleswig-Holstein: Bei Urlaubern mit kleinen Kindern lag das nördlichste Bundesland in den Jahren 2023 bis 2025 in Deutschland an erster Stelle vor Mecklenburg-Vorpommern.

Der Plattformbetreiber Airbnb plant den Ausbau zu einem umfassenden Dienstleistungsmarktplatz nach dem Vorbild von Amazon und integriert im Sommer 2026 neben tausenden Boutique-Hotels auch Mietwagen, Gastronomieangebote zur Fußball-Weltmeisterschaft sowie neue KI-Werkzeuge in seine Anwendung.

Eine aktuelle Umfrage im Auftrag des BTW zeigt, dass wirtschaftliche Sorgen und steigende Kosten das Reiseverhalten der Bundesbürger belasten. Der Verband fordert angesichts sinkender Buchungsbereitschaft politische Maßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftswachstums.

Eine Untersuchung von Urlaubstracker zeigt große regionale Unterschiede bei kostenfreien Attraktionen auf europäischen Inseln. Während Malta die höchste Gesamtdichte an kostenlosen Angeboten aufweist, punkten andere Destinationen mit umfangreichen Strand- oder Wanderwegenetzen.