Sommerbuchungen stimmen Tui optimistisch – Abschied von Börse London

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Der weltgrößte Reisekonzern Tui nimmt dank einer starken Urlaubsnachfrage Kurs auf Geschäfte wie vor der Corona-Pandemie. Die Reisebuchungen für Winter und Sommer lägen acht Prozent höher als vor einem Jahr, teilte Tui vor der Hauptversammlung am Dienstag in Hannover mit. Für das laufende Finanzjahr 2023/24 (bis Ende September) rechnet Vorstandschef Sebastian Ebel im Tagesgeschäft weiter mit einem Rekordgewinn. Finanzvorstand Mathias Kiep wollte sich jedoch nicht festlegen, ob diesmal wirklich mehr Gäste mit Tui verreisen als vor der Corona-Krise.

An der Börse will sich der Reiskonzern aus Hannover künftig auf den Handel in Frankfurt konzentrieren. Von der Börse in London, bisher Haupthandelsplatz der Tui-Aktie, will sich der Konzern im Juni verabschieden. Auf der virtuellen Hauptversammlung stimmten die Aktionäre dem Vorhaben am Dienstag mit 98,35 Prozent der Stimmen zu. Hauptbörse werde dann statt London Frankfurt sein. Das soll Tui auch eine Rückkehr in den MDax ermöglichen, den deutschen Index für mittelgroße Unternehmen. «Wir würden erwarten, dass wir dann im Juni in den MDax aufgenommen werden», sagte Kiep. Von Aktionärsvertretern gab es dafür Zuspruch. «Die Tui-Aktie kommt wieder nach Hause», sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). «Das ist ein Zeichen der Rückkehr zur Normalität.»

London-Rückzug soll bei EU-Flugrechten helfen

Der Schritt soll dem Konzern auch helfen, künftig die Voraussetzungen für Luftverkehrsrechte in der EU nach dem Brexit weiter abzusichern, hieß es. Denn die EU verlangt, dass eine Airline wie Tuifly, die innerhalb der Union fliegt, mehrheitlich in Besitz und unter Kontrolle von Eignern aus der EU ist. Probleme gebe es hier bisher auch nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU nicht, betonte Vorstandschef Ebel. «Wir haben heute genügend europäische Aktionäre, auch ohne das Vereinigte Königreich.» Das werde sich durch einen Rückzug aus London, wo traditionell mehr internationale Anleger kaufen, noch verstärken. Der Tui-Konzern hatte die Hauptnotierung seiner Aktie 2014 im Zuge des Zusammenschlusses mit der früheren Tochter Tui Travel nach London verlegt und war dadurch aus dem MDax ausgeschieden.

Im abgelaufenen Quartal von Oktober bis Dezember reisten bereits sechs Prozent mehr Gäste mit Tui. Und sie gaben auch im Schnitt mehr Geld für ihren Urlaub aus als ein Jahr zuvor. Der Umsatz wuchs im Jahresvergleich um 15 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Der auf die Aktionäre entfallende Nettoverlust halbierte sich in etwa auf knapp 123 Millionen Euro. Reiseunternehmen schreiben im Winter in der Regel rote Zahlen. Ihre Gewinne fahren sie in der Hauptreisezeit im Sommer ein.

Kunden sparen nicht am Urlaub

Dafür sieht es nach Einschätzung des Managements gut aus. Denn die Kunden haben für Winter und Sommer bisher nicht nur acht Prozent mehr Reisen bei Tui gebucht als vor einem Jahr. Sie geben nach bisherigen Zahlen im Schnitt auch vier Prozent mehr dafür aus. «Für den Sommer erwarten wir eine stake Saison», sagte Kiep. Auch in Deutschland sei trotz schwächelnder Konjunktur kein Ende der Reiselust zu spüren, sagte Kiep. «Urlaubsreisen haben nach wie vor eine hohe Priorität bei unseren Kunden. Das ist stabiler, als wir gedacht hätten.»

Wenn das Geschäft weiter so wachse, steuere Tui bei den Gästezahlen auf das Niveau von 2019 zu, sagte Finanzchef Kiep. Im vergangenen Geschäftsjahr war der Konzern mit rund 19 Millionen Gästen, davon 5,6 Millionen aus Deutschland, noch klar unter den 20,5 Millionen aus der Zeit vor der Krise geblieben. Der Geschäftseinbruch infolge der Pandemie hatte Tui im Jahr 2020 in eine Existenzkrise gestürzt. Der deutsche Staat rettete den Konzern mit Milliardenhilfen vor dem Untergang.

Inzwischen sieht sich Tui wieder im Aufwind. Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende September wollen Ebel und Kiep den operativen Gewinn vor Sondereffekten um mindestens ein Viertel steigern. Nach 977 Millionen im Vorjahr würde Tui damit ein operatives Rekordergebnis von 1,2 Milliarden Euro einfahren. (dpa)


 

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