Spahn rät von Auslandsreisen in Herbst- und Winterferien ab

| Tourismus Tourismus

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat wegen steigender Corona-Infektionszahlen von Auslandsreisen in den Herbst- und Winterferien abgeraten. «Man kann ja auch Urlaub im Inland machen», sagte der CDU-Politiker am Freitag im ZDF-«Morgenmagazin». In den Reisewarnungen der Regierung für Risikogebiete heiße es, man solle auf unnötige Reisen verzichten und das seien nun mal Urlaubsreisen. Es habe sich in der Corona-Pandemie immer wieder gezeigt, dass Reiserückkehrer verstärkt das Virus einschleppten. «Ich finde, für Herbst-, Winter-, Weihnachtsurlaub sollten wir daraus gemeinsam lernen», sagte Spahn. Das sei zwar hart für die Reiseveranstalter, aber in der derzeitigen Lage nicht zu ändern.

Die Bundesregierung hatte erst am Mittwoch weitere Regionen in elf EU-Ländern zu Risikogebieten erklärt und vor Reisen dorthin gewarnt. Und dann am Freitagabend ganz Tschechien, Luxemburg und das österreichische Bundesland Tirol wegen rasant steigender Infektionszahlen zu Corona-Risikogebieten erklärt. Damit sind nun 15 von 27 EU-Ländern zumindest teilweise Corona-Risikogebiete, Spanien, Tschechien und Luxemburg sogar ganz. Polen ist das einzige der neun Nachbarländer Deutschlands, das noch nicht betroffen ist. Aber auch dort steigen die Infektionszahlen.

In Europa gilt für alle Risikogebiete auch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Reisende, die aus Risikogebieten zurückkehren, müssen sich 48 Stunden vor oder nach der Einreise auf Corona testen lassen und dann in Quarantäne bleiben, bis das Ergebnis da ist. Die Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung haben. Allerdings hat sie auch eine positive Seite für Verbraucher: Sie ermöglicht es Reisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren.

Kann man sich jetzt also die Herbstferien am Mittelmeer oder den Skiurlaub um die Weihnachtszeit abschminken? Ein Blick in beliebte europäische Urlaubsländer:

ÖSTERREICH

Die österreichische Regierung hielt sich am Freitag mit konkreten Reaktionen zu Spahns Aussagen vorerst zurück, doch die Anspannung war spürbar. «Jede Reisewarnung ist für den Tourismus dramatisch», sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger bei einer Pressekonferenz. Das an den Bodensee grenzende Bundesland Vorarlberg ist seit Mittwoch neben der Hauptstadt Wien auf der Risikoliste der Bundesregierung, Tirol seit Freitagabend.

Am Donnerstagabend wurden auf Österreichs offizieller Corona-Ampel die Tiroler Bezirke Landeck und Schwaz neu als Gebiete mit hohem Risiko bewertet. Zu Landeck gehört das Skigebiet Ischgl, das wegen der vielen Infektionen im März Berühmtheit erlangt hat. Dort wollen die Tourismusbetriebe nicht nur das Aprés-Ski-Verbot der Regierung umsetzen, sondern Gäste auch mit weiteren Maßnahmen locken. Unter anderem sind Virustests für Mitarbeiter geplant. Aber ob das reicht, um Touristen aus Deutschland anzuziehen?

SCHWEIZ

Die Schweizer Skigebiete setzen auf das Prinzip Hoffnung. Das Skigebiet Zermatt will bis Ende November sämtliche Pisten öffnen, sagt eine Sprecherin von Zermatt Tourismus. Auf der Piste sei man ja an der frischen Luft und der Abstand kein Thema. Auch im Engadin werde «wie immer mit viel Vorfreude» die Skisaison geplant, unter anderem mit einer neuen Skicross- und Freeride-Piste, sagt der Chef von Engadin St. Moritz Mountains, Markus Meili. Schweiz Tourismus ist aber realistisch: «Bei der Anzahl Gästen aus dem Ausland ist ein Einbruch aber sehr wahrscheinlich», sagt eine Sprecherin. Deutsche sind mit Abstand die wichtigste Touristengruppe. Auf sie entfallen im Winter in der Regel doppelt so viele Hotelnächte wie auf die nächstplatzierten Briten.

FRANKREICH

Das Nachbarland mit den größten Corona-Problemen ist derzeit Frankreich. In den meisten großen Städten herrscht eine hohe Warnstufe, es wird Einschränkungen bei den Öffnungszeiten von Bars geben. Beim Tennis-Turnier French Open in Paris sind nur 1000 Zuschauer zugelassen. In der südfranzösischen Hafenmetropole Marseille sollen Restaurants und Bars sogar ganz geschlossen bleiben. Die Stadt ist empört über diese von der Regierung in Paris auferlegte Maßnahme und fühlt sich bevormundet.

Zuletzt meldeten die Behörden in Frankreich mehr als 16 000 Neuinfektion innerhalb eines Tages. In der an Deutschland grenzenden Region Grand Est ist die Lage zwar noch verhältnismäßig entspannt. Doch auch dort gibt es Anlass zur Sorge: Im Département Bas-Rhin etwa, in dem die Elsass-Metropole Straßburg liegt, haben sich zuletzt innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 Menschen mit Corona infiziert. Im Frühjahr hatten Grenzkontrollen dort für erhebliche Verstimmungen gesorgt.

SPANIEN

In Spanien waren im Juni die Hoffnungen groß, nach einem dreimonatigen Lockdown mit einem blauen Auge davongekommen zu sein und die Tourismussaison noch retten zu können. Aber die Öffnung des Landes kam offensichtlich zu früh. Ab Ende Juli stieg die Zahl der Neuinfektionen wieder stark an. Inzwischen hat sich das beliebteste Urlaubsland der Deutschen zum europäischen Corona-Hotspot Nummer eins entwickelt. Spanien ist das einzige EU-Land, das von der Bundesregierung komplett als Risikogebiet eingestuft wurde.

Dort kann man auch ablesen, was auch hierzulande alles drohen könnte, wenn die neue Corona-Welle nicht bald abflacht: Landesweit gilt Maskenpflicht und ein weitgehendes Rauchverbot außerhalb der eigenen vier Wände. Restaurants, Kinos, Museen, Theater und Konzerthallen sind entweder geschlossen oder dürfen nur die Hälfte der normalen Besucher einlassen. Die Zahl der Menschen, die an privaten Treffen teilnehmen dürfen, ist in vielen Kommunen begrenzt, zum Teil auf nur sechs Personen. In 86 Gemeinden landesweit gelten mehr oder weniger weitreichende Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, wie etwa auf Mallorca, wo mehrere Stadtteile von Palma teilweise abgeriegelt sind.

Im Mittelpunkt aber steht die spanische Hauptstadt Madrid. Dort sind inzwischen 45 Wohngebiete mit mehr als einer Million Einwohnern teilweise abgesperrt. Die Zentralregierung riet am Freitag sogar dazu, die gesamte Stadt und ihr Umland mit 6,6 Millionen Menschen abzuriegeln. Die Regionalregierung versucht das jedoch aus Sorge um die Wirtschaft zu vermeiden.

ITALIEN

Besser geht es da Italien, dem europäischen Corona Hotspot der ersten Stunde. Der Schock von damals sitzt bis heute tief. Rom reagierte Anfang März mit einem harten, langen Lockdown. Angesichts von seither bald 36 000 Corona-Toten schweißt die Angst vor einer zweiten Welle auch nach den Lockerungen vom Sommer viele Italiener zusammen: Nicht wenige tragen tagsüber auf der Straße selbst dann Schutzmasken, wenn es nicht vorgeschrieben ist. Politiker in Rom und in vielen Regionen reagieren schnell mit neuen Einschränkungen, sobald die Infektionszahlen stärker ansteigen. Obwohl der Tourismus zuletzt angezogen hat und die ersten größeren Reisegruppen wieder mit Fähnchen und Führer durch Rom ziehen, dominiert im Land weiter die Hoffnung auf einen glimpflichen Virusinfektionsverlauf im Herbst. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Eine Untersuchung des Deutschen Tourismusverbandes und des Deutschen Instituts für Tourismusforschung zeigt eine hohe Reisebereitschaft für den Sommer. Trotz gestiegener Kraftstoff- und Kerosinpreise planen 62 Prozent der Deutschen eine Urlaubsreise.

Rund zwei Stunden ging nichts mehr bei der Deutschen Bahn. Welchen Grund der Konzern nannte, was Reisende erlebten und wie lange es wohl noch Verspätungen und Ausfälle geben wird.

Der große Freizeitpark-Check für das Jahr 2026 kürt den südbadischen Europa-Park zum besten Freizeitpark in Deutschland. Neben den Branchenriesen überzeugen im aktuellen Ranking vor allem regionale Familienparks und spezialisierte Anlagen.

Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen - und Verspätungen: Ist die Klimaanlage an Bord defekt, kann es in Flugzeugen schnell unangenehm werden. Was steht Passagieren zu, wenn sich die Kabine unerträglich aufheizt?

Braunwald beendet den klassischen Skibetrieb ab der Wintersaison 2026/27. Die Sportbahnen begründen den Schritt mit anhaltenden Verlusten und veränderten klimatischen Bedingungen, während ein gemeinsamer Zukunftsprozess die weitere touristische Entwicklung der Destination vorbereiten soll.

PiNCAMP meldet Veränderungen im Buchungsverhalten von Campern in Europa. Nach Daten der Plattform wachsen Buchungen im Frühjahr und Herbst stärker als in den klassischen Sommerferien, während nordeuropäische Reiseziele zulegen.

Pierre & Vacances-Center Parcs hat ein vollständig finanziertes Übernahmeangebot von Mubadala Capital erhalten. Die geplante Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung wesentlicher Aktionäre und weiterer Genehmigungen.

Mehr als eine Milliarde Euro liegen im Reisesicherungsfonds – Tui kritisiert eine fehlende Anlagestrategie und fordert spürbare Entlastung für die Branche, und damit für die Urlauber.

Der Sommer-Reisereport 2026 von Opodo zeigt eine anhaltend starke Nachfrage der deutschen Urlauber nach südeuropäischen Zielen, angeführt von Spanien. Gleichzeitig gewinnen Ziele wie Lanzarote und Podgorica stark an Beliebtheit.

Die Staatsanwaltschaft München hat das Ermittlungsverfahren zur Insolvenz der FTI Group eingestellt, da sich der Verdacht auf Insolvenzverschleppung oder Betrug nicht erhärtet hat.