Staatshilfen auf der Kippe: Lufthansa vor entscheidender Woche

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Kann sich die Lufthansa mit milliardenschweren Staatshilfen aus der Corona-Krise befreien? Oder muss das schon beschlossene Rettungspaket erneut verhandelt werden? Für die Lufthansa geht es diese Woche um alles - Insolvenz in Eigenverwaltung nicht ausgeschlossen. Dass die Lufthansa nach dem Verfall der Aktie von diesem Montag an nicht mehr im Dax, der ersten deutschen Börsenliga gehandelt wird, ist da noch ihre geringste Sorge.

Mit der Corona-Pandemie ist der Luftverkehr weltweit eingebrochen, nur ein kleiner Teil der Lufthansa-Flotte hebt derzeit zu Reisezielen ab. Schnell schwinden daher die Barreserven der größten deutschen Airline. Um den Konzern mit seinen 138 000 Beschäftigten zu retten, hat der Bund ein neun Milliarden Euro schweres Rettungspaket beschlossen. Dem müssen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung an diesem Donnerstag (25. Juni) noch zustimmen. Aber der Großaktionär Heinz Hermann Thiele könnte sich querstellen.

Zumal nur wenige Anteilseigner ihr Stimmrecht wahrnehmen wollen: «Seit heute Nacht wissen wir, dass unsere Aktionäre weniger als 38 Prozent des Kapitals für diese Hauptversammlung angemeldet haben», hieß es in einem Brief von Lufthansa-Chef Carsten Spohr an die Mitarbeiter vom Sonntag, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Frist zur Registrierung ist abgelaufen. «Damit steht fest, dass bei der Abstimmung eine Zweidrittelmehrheit erreicht werden muss, die nach jüngsten Äußerungen von wichtigen Aktionären insbesondere zu den Konditionen der Kapitalerhöhung nicht sicher erscheint», so Spohr.

«Für den Fall, dass die Hauptversammlung keine Zustimmung für die Stabilisierungsmaßnahmen des Bundes erteilt, haben wir umfangreiche Vorbereitungen getroffen, unter anderem, um ein Grounding zu verhindern», schrieb er weiter im Mitarbeiterbrief. «Auch würden wir die verbleibende Zeit bis zur Anmeldung einer Insolvenz nutzen, um mit der Bundesregierung Optionen zu besprechen.» Die Lufthansa stehe «auch an diesem Wochenende und in den nächsten Tagen» im engen Austausch mit der Bundesregierung und den größten Aktionären.

Das schon beschlossene Rettungspaket für Lufthansa sieht vor, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds im Zuge einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnet, um eine Beteiligung von 20 Prozent am Grundkapital der Airline aufzubauen. Zudem sind stille Einlagen von bis zu 5,7 Milliarden sowie ein Kredit von bis zu 3 Milliarden Euro geplant. Im Gegenzug muss Lufthansa 24 Start- und Landerechte an ihren wichtigen Flughäfen in Frankfurt und München abgeben.

Die entscheidende Rolle bei der Hauptversammlung liegt bei Großaktionär Thiele (79). Er hat seinen Lufthansa-Anteil auf mehr als 15 Prozent aufgestockt. Die Airline fürchtet, dass er das Rettungspaket blockieren könnte und hatte vor einer Insolvenzlösung gewarnt.

Thiele hat das Paket kritisiert, vor allem den geplanten Einstieg des Bundes. «Ich bin der festen Überzeugung, dass der Staat nicht der beste Unternehmer ist», so der Unternehmer in einem Interview. Sein Stimmverhalten auf der Hauptversammlung ließ Thiele offen. «Ich werde aber sicherlich hier nicht blockieren oder ausbremsen», sagte der Unternehmer, der Hauptaktionär beim Bremsen-Spezialisten Knorr-Bremse ist. Er hoffe vielmehr, dass noch zuvor etwas bewirkt werden könne.

Gelegenheit dazu könnte es bei neuen Gesprächen mit dem Bund geben. Thiele wolle am Montagmorgen mit Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Lufthansa-Chef Spohr zusammenkommen, berichtete die «Bild am Sonntag».

Die Gewerkschaften sind alarmiert. Die Aktionäre hätten eine Verantwortung, betonte die Flugbegleitergewerkschaft Ufo. Diese würden «über die Zukunft des Konzerns und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitentscheiden». Auch die Pilotengewerkschaft VC forderte die Aktionäre auf, für die Staatshilfe zu stimmen. «Ein Schutzschirmverfahren wäre hingegen unkalkulierbar», warnte sie.

Die Staatshilfen sind aber nicht das einzige Thema, das die Lufthansa umtreibt. Vorstandschef Spohr will den Anteilseignern zudem ein Sparkonzept präsentieren. Es droht ein großer Stellenabbau. Den rechnerischen Überhang in der Corona-Krise beziffert der Konzern auf 22 000 Vollzeitstellen, die Hälfte entfalle auf Deutschland. Wie tief die Einschnitte ausfallen, wird mit den Gewerkschaften verhandelt. Auch damit stehen der Lufthansa ereignisreiche Tage bevor. (dpa)


 

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