Tui-Betriebsrat verteidigt Staatshilfen

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Für Tui-Betriebsratschef Frank Jakobi sind die umstrittenen Staatshilfen für den größten Reiseanbieter berechtigt. Innerhalb des Konzerns müssten sich aber die Piloten fragen, ob sie nicht auch selbst einen größeren Beitrag zur Rettung leisten könnten.

«Man kann sich sicher die Frage stellen, ob Tui als Unternehmen systemrelevant für die Bundesrepublik ist», sagte Jakobi der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. «In direkter Form wohl nicht. Aber im Tourismus als Wirtschaftszweig ist Tui systemrelevant.»

Die Milliardenkredite und Bürgschaften, die vor allem über die Förderbank KfW laufen, seien daher insgesamt in Ordnung, findet der oberste Belegschaftsvertreter der Tui-Gruppe. Denn man müsse auch mögliche Anschlusseffekte beachten. «Wenn es uns nicht mehr gibt, dann hat auch das kleine Reisebüro an der Ecke fast kein Produkt mehr und bekommt Sortimentsprobleme», erklärte Jakobi. «Viele, viele Arbeitsplätze und Existenzen sind indirekt von Tui abhängig.»

Er habe sich dazu mit Finanzminister Olaf Scholz (SPD) ausgetauscht. «Wir freuen uns natürlich, dass wir die staatlichen Hilfen bekommen.» Jakobi betonte, dass dies aber «keine Geschenke» seien, sondern eben Kredite mit teils hohen Zinsen: «Wir werden alle Hilfen zurückzahlen, am Ende wird der deutsche Steuerzahler an Tui viel Geld verdienen.» Zudem zahlten die Beschäftigten mit erhaltenen Jobs ja weiter ein. «Die Alternative wäre gewesen: Zehntausende Kolleginnen und Kollegen werden arbeitslos, zahlen keine Steuern mehr und erhalten staatliche Unterstützung wie Arbeitslosengeld», sagte der Betriebsratschef. «Das zweite Szenario scheint mir kein intelligentes Konzept zu sein.»

Insgesamt schätzt Jakobi die Chancen im neuen Jahr als durchaus gut ein. «Ich glaube, für ein profitables Oster-Programm wird es 2021 noch zu früh sein. Aber wir werden schon eine gute Buchungslage für den Sommer bekommen, alle Indikatoren deuten darauf hin. 2022 sind wir wieder da, wo wir 2019 vor dieser Krise waren - davon bin ich fest überzeugt.» Auch Branchenbeobachter nehmen an, dass es bald aufwärtsgehen könnte - falls sich Corona-Impfungen breit durchsetzen.

Tui müsse auch selbst nach weiteren, möglichst sozialverträglichen Sparmöglichkeiten suchen. «Insgesamt ist das alles natürlich nicht leicht für uns», sagte Jakobi mit Blick etwa auf die eigene Airline Tuifly. «Der Druck auf die Kolleginnen und Kollegen und die Stimmung sind je nach Bereich aber auch sehr unterschiedlich. Es gibt Bereiche, die stärker vom Sparkurs betroffen sind als andere.» Rund 8000 Jobs will der Konzern insgesamt streichen, vor allem im Ausland.

Jakobi ermahnte die Piloten, sich solidarischer zu zeigen. «So gut wie alle Beschäftigten machen Kurzarbeit - aber eine Gruppe leistet im Augenblick keinen Beitrag», kritisierte er. Viele Mitarbeiter, die gut verdienen und oberhalb der Schwellen für das Kurzarbeitergeld liegen, hätten sich ebenfalls bereiterklärt, freiwillig auf bis zu ein Fünftel ihres Gehalts zu verzichten. «Die Piloten aber haben gesagt: "Das kommt für uns nicht in Frage, wir beteiligen uns nicht an Kurzarbeit und verzichten mit Blick auf Kurzarbeit auf nichts"», so der Betriebsratschef. Diese Haltung sei anders als beispielsweise in den Reisebüros, Callcentern oder Veranstaltungs- und Verwaltungsbereichen, wo man im Interesse des Ganzen zurückstecke.

«In allen Bereichen der Tui außerhalb des Cockpits haben die Betriebsräte ihre Verantwortung wahrgenommen und die Verhandlungen zur Kurzarbeit geführt», berichtete Jakobi. Bei den Piloten habe die eigene Personalvertretung das jedoch auf die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit übertragen. «Viele nennen das unverantwortlich und feige.» Das Verhalten der Piloten werde von den anderen als unsolidarisch angesehen. «Die Stimmung in Richtung Piloten ist im Konzern auf einem Tiefpunkt», so Jakobi. «Diese Berufsgruppe isoliert sich gerade.» (dpa)


 

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