Unternehmen und Fahrgäste planen vor nächstem Bahn-Streik um

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Die Streiks bei der Güterbahn machen den Unternehmen in Deutschland zunehmend zu schaffen. Die erneute Unterbrechung der ohnehin äußerst angespannten Lieferketten gefährde die wirtschaftliche Erholung, warnte der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen vor Beginn des dritten Arbeitskampfes bei der Deutschen Bahn. Die Unternehmen müssen viele Transporte umdisponieren.

«Das zieht einen immensen Personalaufwand und erhebliche zusätzliche Kosten nach sich», hieß es etwa aus der Chemie-Branche. Der Bundesverband der Deutschen Industrie erneuerte seine Kritik am Vorgehen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

Neben dem Streik im Personenverkehr von Donnerstag an hat die GDL zu einem mehr als fünftägigen Streik im Güterverkehr der Bahn aufgerufen. Der Arbeitskampf sollte am Mittwochabend (17.00 Uhr) beginnen und bis Dienstag, 2.00 Uhr, andauern. Er trifft insbesondere die Stahlindustrie, Auto- und Maschinenbauzulieferer, die chemische und die Mineralölindustrie.

Bei den bisherigen Streiks stauten sich nach Bahnangaben in Spitzenzeiten 200 bis 300 Züge und erreichten nur verspätet ihre Ziele. Schwierigkeiten haben besonders Unternehmen, die just-in-time produzieren. Bei ihnen kommen Rohstoffe und Vorprodukte üblicherweise erst an, wenn sie benötigt werden. Das spart Lagerkosten.

«Auch bei Unternehmen, die vorgesorgt haben, sind irgendwann die Lager leer», erklärte Carsten Knauer, der Logistikexperte des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik. «Es kann dadurch schon zu ersten Ausfällen kommen.» Das gelte auch für Unternehmen im benachbarten Ausland, denn der Streik durchtrenne europäische Lieferketten.

Die Bahn fürchtet, Kunden langfristig zu verlieren. «Es ist damit ein Streik gegen das Klima», teilte DB-Cargo-Chefin Sigrid Nikutta am Mittwoch mit. Sie rechne damit, dass Kunden Transporte auf Lastwagen verlagern. DB Cargo habe auch Kooperationspartner mit dem Fahren von Zügen beauftragt, um system- und versorgungsrelevanten Verkehr sicherzustellen. Man setze alles daran, dass alle für die Industrie wichtigen Züge gefahren werden.

«Erneut müssen die Unternehmen mit ihren Kunden und Logistikdienstleistern kurzfristig flexible Lösungen entwickeln», teilte der Verband der Chemischen Industrie mit. Während wegen Engpässen bei Vorprodukten schon jedes fünfte Unternehmen der Chemieindustrie die Produktion gedrosselt habe, verzögere der Streik nun auch die Auslieferung an Kunden der chemisch-pharmazeutischen Industrie.

«Für viele Stoffe ist die Bahn das Transportmittel der Wahl, da für einige Chemikalien der Schienenweg üblicherweise vorgeschrieben ist.» Das gilt etwa für viele Gefahrgüter, die wegen des geringeren Unfallrisikos in Zügen transportiert werden müssen.

Zwar hält die Deutsche Bahn nur noch rund 43 Prozent am Güterverkehr auf der Schiene, das übrige Geschäft übernehmen Konkurrenten. Doch die Bahn dominiert den Einzelwagenverkehr, auf den etwa die Chemie-Industrie in vielen Fällen angewiesen ist. Dabei werden Einzelwaggons in großen Rangierbahnhöfen zu langen Zügen zusammengestellt.

«Massenguttransporte, etwa die Rohstoffversorgung der Stahlindustrie, müssen jetzt so weit wie möglich auf die Binnenschifffahrt verlagert werden», erklärte die BGA. «Zeitkritische Güter werden trotz knapper Laderaumkapazitäten nur mittels Lkw zu transportieren sein», erklärte der Verkehrsexperte des Verbands, Carsten Taucke. Der Aufwand treibe die Transportkosten deutlich in die Höhe.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nannte auch den mittlerweile dritten Streik der GDL in der laufenden Tarifrunde unverhältnismäßig und unverantwortlich. BDI-Präsident Siegfried Russwurm warnte vor Produktionsausfällen. (dpa)


 

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