Urlaub in der Kriegszone: Reisende sitzen in Nahost fest

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Die Flugzeuge starten nicht, die Kreuzfahrtschiffe fahren nicht ab, dafür gibt es immer wieder Raketenalarm: Tausende Urlauber aus der ganzen Welt sitzen im Kriegsgebiet in Nahost fest. «Wir alle müssen uns darauf einstellen, dass dieser Konflikt länger dauert. Es ist nicht vorhersehbar, dass wir in den nächsten Tagen mit einer Beendigung der Kampfhandlungen rechnen können», sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am Sonntagabend in der ARD-Sendung «Caren Miosga». Nach Einschätzungen von US-Präsident Donald Trump könnte der Krieg mit dem Iran noch vier Wochen dauern.

Israel und die USA hatten am Samstagfrüh Luft- und Raketenangriffe gegen Ziele im Iran begonnen, bei denen auch Religionsführer und Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde. Teheran reagierte mit Angriffen auf Israel sowie auf Ziele in der Golfregion, in der es US-Militärstützpunkte gibt.

Vereinigte Arabische Emirate übernehmen Hotelkosten

Daraufhin wurde etwa an den Flughäfen von Dubai der Flugverkehr bis auf weiteres ausgesetzt. Airports und nationale Fluggesellschaften in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben der Generalbehörde für Zivilluftfahrt zufolge bereits rund 20.200 Passagiere betreut, deren Flüge verschoben werden mussten. 

Es wurden vorübergehende Unterkünfte, Mahlzeiten und Erfrischungen bereitgestellt. Außerdem wollen die Vereinigten Arabischen Emirate «alle Unterbringungs- und Verpflegungskosten für betroffene und gestrandete Passagiere» übernehmen, teilte die Behörde mit. 

In Saudi-Arabien verkündete das Außenministerium, dass König Salman auf Vorschlag von Kronprinz Mohammed bin Salman die Unterbringung aller im Land gestrandeten Golfstaaten-Bürger an Flughäfen genehmigt habe, bis deren sichere Rückkehr in ihre Heimat möglich sei.

Krisenhotline und Unsicherheit

Auch Reiseanbieter kümmern sich eigenen Angaben zufolge um ihre Gäste, vor allem vor Ort durch Reiseleiter. Dertour etwa hat zudem eine Krisenhotline eingerichtet - für festsitzende Reisende in Nahost wie auch für von Flugabsagen Betroffene weltweit. «Unser Krisenmanagement steht dazu im engen Austausch mit den zuständigen Behörden im In- und Ausland und mit den Fluggesellschaften sowie den Koordinierungseinheiten vor Ort», heißt es auf der Website. 

Vorerst aber bleibt viel Unsicherheit - nicht nur bei der Frage, wann die Reise weitergehen kann. Eine Reisende aus Hamburg, die auf der Rückkehr von Malaysia mit der Airline Emirates in Dubai gestrandet ist, berichtete am Sonntag, dass sie von ihrem Hotel aus Rauchsäulen über der Stadt sieht. Mehrere Menschen hätten ihr erzählt, es habe am Flughafen Trümmer gegeben.

Reisende sollen dringlichst im Hotel bleiben

Der Deutsche Reiseverband (DRV) rät, «Veranstaltergäste sollten den Anweisungen der örtlichen Behörden folgen sowie dringlichst in ihrem gebuchten Hotel bleiben und sich nicht eigenständig zum Flughafen oder in das Nachbarland begeben.»

Auch auf Kreuzfahrtschiffen sitzen Touristen in den Häfen der Region fest - etwa auf «Mein Schiff 4» und «Mein Schiff 5» vom deutschen Anbieter Tui Cruises mit einer möglichen Kapazität für insgesamt gut 5.000 Reisende. «Aufgrund der weiterhin dynamischen Lage in der Region sowie eingeschränkter Flugverbindungen sind wir derzeit auf die Informationen der Airlines angewiesen, um zu klären, ob und wann Rückflüge stattfinden können», heißt es auf der Website. «Sobald uns hierzu verlässliche Angaben vorliegen, stimmen wir die nächsten Schritte eng mit unseren Partnern ab.»

30.000 Reisende von deutschen Veranstaltern betroffen

Laut DRV sind aktuell rund 30.000 Reisende von deutschen Veranstaltern von der Situation betroffen. Sie halten sich derzeit in der Region auf oder ihre Flüge aus anderen Regionen der Welt sollten über die Drehkreuze in der Region gehen. Wie viele Deutsche konkret aktuell in der Golfregion sind, ist unklar. 

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Sonntag, in der Krisenvorsorgeliste hat sich bislang eine niedrige fünfstellige Zahl betroffener Deutscher in der Golfregion registriert - also mehr als 10.000 Menschen. Das können Urlauber sein oder im Ausland lebende Deutsche, die Registrierung ist freiwillig.

Derzeit keine Evakuierung möglich

Eine militärische Evakuierung der Betroffenen schloss Außenminister Wadephul (CDU) aktuell aus: «Das werden wir nicht machen können, denn die Lufträume sind insgesamt geschlossen», sagte er am Sonntag der «Bild». 
Stattdessen setze die Bundesregierung auf Informationsangebote und konsularische Unterstützung. «Alle Botschaften, alle Auslandsvertretungen sind geöffnet. Wir arbeiten intensiv daran, mit Informationen da zu sein.» In der ARD-Sendung «Caren Miosga» sagte Wadephul außerdem, es müsse Vorsorge getroffen werden, «dass auf anderem Wege eine Ausreise aus diesen Ländern ermöglicht wird».

Zudem sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts, das Ministerium «beobachtet die Lage in der Region sehr aufmerksam. Das Auswärtige Amt steht dazu auch in engem und ständigem Kontakt mit den Botschaften in der Region.» Und sie ergänzte: «Reisende in der Region sind aufgerufen, kommerzielle Ausreisemöglichkeiten zu prüfen und sich dazu unmittelbar bei Reiseveranstaltern bzw. Fluggesellschaften zu informieren.»

Außerdem sollen sich deutsche Staatsangehörige in der Region auf der Krisenvorsorgeliste «Elefand» registrieren. Mit den dort hinterlegten Daten kann eine Botschaft im Ernstfall Kontakt aufnehmen und gegebenenfalls Unterstützung anbieten. «Dies betrifft auch Reisende, die von den Sperrungen des Luftraums betroffen sind», so die Sprecherin des Auswärtigen Amts. «Alle sind aufgerufen, den Anweisungen der lokalen Behörden in Bezug auf die jeweils erforderlichen Maßnahmen zum Selbstschutz Folge zu leisten.»

Kleinere vierstellige Zahl an EU-Bürgern ist noch im Iran

Im Iran halten sich schätzungsweise noch ein paar Tausend Menschen auf, die die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates besitzen, wie eine ranghohe EU-Beamtin in Brüssel mitteilte. Viele von ihnen hätten allerdings auch die iranische Staatsangehörigkeit und wollten nicht zwingend das Land verlassen, ergänzte sie. Genaue Angaben zur Zahl der Menschen, die evakuiert werden wollen, machte sie nicht.

Deutlich mehr Menschen mit Staatsangehörigkeit eines EU-Staates sitzen den Angaben zufolge unfreiwillig in Ländern rund um den Iran fest, weil ihre Flüge wegen Luftraumsperrungen gestrichen wurden. Um ihnen bestmöglich zu helfen, wurde ein EU-Netzwerk für konsularische Zusammenarbeit aktiviert, das die Koordinierung von Evakuierungsbemühungen erleichtern soll. (dpa)


 

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