Viele Verbote: Deutsche Ausflugsregionen bereiten sich erneut auf Besucheransturm vor

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Es wird für viele Menschen erst einmal das letzte Wochenende für einen Ausflug sein. Die Mittelgebirgs- und alpinen Regionen in Deutschland stellt das vor Herausforderungen. Viele reagieren mit Verboten.

Ende der Weihnachtsferien, Schnee und Lockdown: Beliebte Ausflugsorte bereiten sich erneut auf großen Andrang am Wochenende vor. Die von Montag an geltende Beschränkung des Bewegungsradius für Bewohner von Corona-Hotspots könnte den Ansturm noch verstärken.

«Das ist durchaus zu befürchten», sagte Blaichachs Bürgermeister Christof Endreß, dem die Einschränkungen nicht weit genug gehen. «Das werden die Leute wohl noch ausnutzen wollen», vermutet auch eine Sprecherin des Tourismusamtes im niederbayerischen Grafenau. Aber das ist nicht das einzige Problem.

Unklarheiten wegen 15-Kilometer-Regel

Um dem Ausflugstourismus Einhalt zu gebieten, dürfen sich Menschen aus Regionen mit einer Inzidenz von mehr als 200 ab Montag nicht weiter als 15 Kilometer von ihrem Wohnort entfernen. Doch die Zahl der betroffenen Städte und Kreise schwankt täglich. «Wir müssen eher davon ausgehen, dass diese Zahlen wachsen», hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betont.

Das führt zu Unsicherheiten wie im Fichtelgebirge: Der Landkreis Bayreuth lag Ende der Woche knapp über der 200er-Marke, die Stadt Bayreuth knapp darunter. «Die Zahlen können sich ständig ändern. Da den Überblick zu behalten, ist fast unmöglich», sagte Andreas Munder von der Tourismus- & Marketing GmbH Ochsenkopf.

«Am Ende sitzen die Einheimischen daheim, während Ausflügler aus Regionen mit niedrigeren Werten im Fichtelgebirge unterwegs sind», befürchtet Munder. Denn die 15-Kilometer-Regel betrifft nur Anwohner, Ausflüge in einen Corona-Hotspot sind weiter möglich.

«Mir wären kreisweite Betretungsverbote lieber», sagte die Oberstaufener Tourismuschefin Constanze Höfinghoff. Die Begrenzung auf Hotspots mit einer Inzidenz von mehr als 200 sei «schwierig». Ob die Regelung tatsächlich den Ausflugstourismus einschränke, werde sich erst noch zeigen.

Andrang auf Grünflächen in Städten

Nicht nur die klassischen Ausflugsorte rechnen am Wochenende mit vielen Besuchern. Bei schönem Winterwetter wird es in städtischen Parkanlagen und rund um die Schlittenhügel schnell eng. Am Dreikönigstag schickte die Polizei in München 150 Menschen wieder nach Hause, die sich an einem Rodelberg drängten. In Augsburg mussten die Beamten Rodler mit Durchsagen zu Abstand und zum Tragen einer Maske auffordern. Beide Städte kündigten auch für das kommende Wochenende regelmäßige Kontrollen an.

In Nürnberg, Bamberg und Bayreuth reichte der Schnee noch nicht, um die Schlittenhügel unsicher zu machen. Trotzdem drängen dort die Menschen ins Freie. Bei den Tiergehegen am Röhrensee in Bayreuth seien seit der Pandemie beispielsweise bis zu dreimal so viele Spaziergänger unterwegs wie sonst. Am letzten Ferienwochenende werde es wohl noch einmal besonders zugehen, vermutet eine Sprecherin der Stadt.

Unterschiedliche Regelungen bei der Infrastruktur

Mit dem erwarteten Andrang gehen die Regionen ganz unterschiedlich um, ein einheitliches Konzept fehlt. Vielerorts sind neben Skiliften und Wirtschaften auch Parkplätze sowie öffentliche Toiletten geschlossen. So sollen Ausflügler von weiter weg ferngehalten werden. Das Konzept sei «aufgegangen», sagte ein Sprecher der Bergbahnen Oberstdorf Kleinwalsertal. «Fakt ist, dass es im Allgäu Gott sei Dank nicht die Staus und Menschenschlangen wie in Winterberg oder Oberbayern gab.»

In anderen Regionen wie in der Fränkischen Schweiz werden dagegen bewusst Parkplätze und Toiletten geöffnet, um Chaos mit wild parkenden Autos und Ärger für Anwohner zu verhindern. Sobald mehr Schnee liege, sollen im Fichtelgebirge sogar die oberen Loipen gespurt werden. «Das Ziel ist, dass sich die Wintersportler so noch mehr verteilen», erklärte Munder. Sperrungen würden nur wenig bewirken. «Die Skipisten sind zwar gerade für Skifahrer gesperrt, da stehen auch überall Schilder. Aber dafür wird dort jetzt gerodelt.»

Hoffnung auf Einnahmen

Auch in Oberbayern sind die Pisten teils beschneit - noch immer in der Hoffnung, irgendwann den Liftbetrieb starten zu können. Um überhaupt Einkünfte zu erzielen, haben die Bahnen ihre Parkplatzgebühren angehoben. 15 Euro kostete es auf manchen Parkplätzen in Garmisch-Partenkirchen, fünf Euro am Brauneck und zehn Euro am Spitzingsee, dafür sind die Toiletten geöffnet.

Ein langfristiges Geschäftsmodell sei das allerdings nicht. «Damit könnten wir unsere Personal nicht halten», sagte Antonia Asenstorfer, Sprecherin der Brauneck- und Wallbergbahnen sowie der Alpenbahnen Spitzingsee. Ab Montag müssten die meisten Mitarbeiter in Kurzarbeit - zunächst bis Ende Januar.

Polizei rüstet sich für Ansturm auf Schneegebiete in NRW

Trotz vieler gesperrter Pisten bereiten sich Polizei und Ordnungsämter im Sauerland und in der Eifel auf einen erneuten Touristenansturm am Samstag und Sonntag vor. Auch in etwas niedriger gelegenen verschneiten Regionen rechnet die Polizei mit vielen Tagesausflüglern. So stellt sich etwa die Polizei im Märkischen Kreis auf einen größeren Einsatz zwischen Meinerzhagen und Herscheid ein. An einer Landstraße hatten am vergangenen Wochenende am Straßenrand widerrechtlich geparkte Autos für Verkehrschaos gesorgt. «Da spüren wir möglicherweise auch Verdrängungseffekte, weil die Leute im angrenzenden Hochsauerlandkreis nicht mehr unterkommen», sagte ein Polizeisprecher im Märkischen Kreis.

Für eine wachsende Zahl von Skigebieten im gesamten Hochsauerland, in Olpe sowie im Eifelort Hellenthal und im nordhessischen Willingen haben die Kommunen ein Betretungsverbot ausgesprochen oder bereiten es vor. Ordnungsämter und Polizei kündigten an, Präsenz zu zeigen und gegen Verstöße gegen die Corona- oder Verkehrsregeln konsequent vorzugehen. Sofern es nötig werde, könnten auch Zufahrtsstraßen wieder abgeriegelt werden, hieß es etwa mit Blick auf Winterberg. «Wir stellen uns wieder mit starken Kräften auf», sagte die Sprecherin der Kreispolizei Hochsauerland. Abermals seien Kollegen der Bereitschaftspolizei und Reiterstaffel zur Unterstützung im Einsatz. Auch im Kreis Euskirchen bereitet sich die Polizei darauf vor, die Kräfte des Ordnungsamtes zu unterstützen, wenn nötig.

Winterwetter zieht Ausflügler in Harz und Deister - volle Parkplätze

Weißes Winterwetter hat zahlreiche Ausflügler, Wanderer und Wintersportler auch am Donnerstag in den verschneiten Deister und Harz gezogen. Polizei und Ordnungskräfte kontrollierten Parkplätze und Zufahrten, wie die Stadt Barsinghausen und der Kreis Goslar mitteilten. Parkplätze in den Ausflugsgebieten waren demnach erneut ausgelastet. Größere Verkehrsbehinderungen blieben, anders als in den vergangenen Tagen, zunächst aber aus.

Im Deister zeigten Ordnungsamt und Polizei Präsenz. Wer nicht auf ausgewiesenen Parkplätzen parke, sondern etwa an Straßenrändern, werde abgeschleppt, teilten Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt Barsinghausen vor Ort mit. Die rund 120 Parkplätze am Nienstedter Pass, einem beliebten Ausflugsziel des Höhenzuges, waren bereits am Morgen voll. Verboten sind Spaziergänge im Schnee nicht, allerdings müssen die Corona-Regeln eingehalten werden. «Unsere Erfahrung ist, dass sich die Menschen weitgehend an die Corona-Regeln halten», sagte Barsinghausens Stadtsprecher Benjamin Schrader.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) schneite es besonders im Osten Niedersachsens. Von der Heide bis zu den Mittelgebirge hin, wo ohnehin schon Schnee lag, habe sich eine leichte Schneedecke gebildet, sagte DWD-Meteorologe Tobias Schaaf. Bis Freitagmittag sollen dort weitere Flocken fallen - im Flachland können bis zu fünf Zentimeter Schnee fallen, im Harz seien auch bis zu 15 Zentimeter möglich, hieß es. Zur Nordsee hin regnet es dagegen eher.

Auch am Wochenende soll der Schnee erhalten bleiben - dann werde es aber wohl nur noch ab und zu schneien, sagte Schaaf. Nachdem bereits am vergangenen Wochenende zahlreiche Ausflügler in den Harz strömten, wollen Kommunen, Polizei und Harzer Tourismusverband einen erneuten Ansturm vermeiden. Der Landkreis Goslar hat den Verleih von Wintersportgeräten an Wochenenden verboten. Zudem soll deutlich mehr Polizei und Ordnungskräfte im Einsatz sein. «Unser oberster Appell ist weiter: Bleiben Sie zu Hause», sagte Kreissprecher Maximilian Strache.

Dennoch stellt sich der Harz erneut auf viele Tagestouristen ein. «Es werden am Wochenende vermutlich wieder viele Menschen in den Harz kommen», sagte die Sprecherin des Harzer Tourismusverbandes, Christin Wohlgemuth, am Donnerstag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Wie es aussieht wird der Schnee bleiben, vielleicht kommt sogar noch neuer dazu, und die meisten neuen Corona-Verordnungen gelten auch erst ab Montag.»

Landkreis Goslar verbietet Ski- und Rodelverleih an Wochenenden

Der Landkreis Goslar hat den Verleih von Wintersportgeräten wie Skiern und Schlitten an Wochenenden und Feiertagen verboten. Die Kontrolleure würden die Einhaltung der Regeln besonders im Gebiet von Torfhaus sowie an den Rodelhängen rund um Braunlage überwachen, teilte die Verwaltung am Mittwoch mit. Zudem stellt die neue Allgemeinverfügung des Landkreises strengere Regeln für die Verkaufsstellen auf, die Speisen und Getränke anbieten. Sollte an Snack-Ständen gegen die Abstands- und Hygieneregeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie verstoßen werden, würden sie für den Rest des Tages geschlossen, hieß es.

Landrat Thomas Brych (SPD) rief erneut dazu auf, keine Tagesausflüge in den Harz zu machen. «Bilder wie vom vergangenen Wochenende will ich vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemielage nicht noch einmal sehen», sagte der Verwaltungschef. Die Lage sei weiterhin ausgesprochen ernst.

Am Wochenende hatten sich im Harz kilometerlange Staus gebildet, nachdem sich viele Ausflügler entgegen aller Mahnungen auf den Weg zu dem Mittelgebirge gemacht hatten. Am Dienstag hatten daraufhin Kommunen, Polizei, der Harzer Tourismusverband und die Kreisverwaltung Goslar bereits beschlossen, deutlich mehr Polizei und Ordnungskräfte in die Ausflugsgebiete zu schicken.

Am Mittwoch sorgte dichter Schneefall an beliebten Ausflugszielen zu Verkehrsbehinderungen. Im verschneiten Deister bei Hannover seien die Parkplätze schon am Morgen voll gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Die Straßen mussten geräumt werden. Rund um den Höhenzug sei die Polizei verstärkt im Einsatz, um falsch parkende Autos auf Waldwegen und entlang der Landstraßen aufzuschreiben und abschleppen zu lassen.

Auch die Corona-Abstandsregeln kontrollierten die Beamten. «Wir sind froh, wenn die Leute zu Hause bleiben, um das Infektionsgeschehen einzudämmen», sagte der Sprecher. Verboten seien Spaziergänge im Schnee nicht. «Wenn die Menschen einen Parkplatz finden, dürfen sie auch im Wald spazieren. Die Regeln müssen nur eingehalten werden.»

Im Harz war die Lage am Mittwoch entspannter als noch am Wochenende. «Die Parkplätze sind frequentiert, aber nicht ausgelastet», sagte ein Sprecher der Polizei Goslar. Man hoffe, dass das so bleibe. Dichter Schneefall habe am Morgen auf der Bundesstraße 4 Richtung Torfhaus Verkehrsbehinderungen verursacht. Sollte es wieder zu einer Besucherflut kommen, werde die Polizei Straßen sperren, hieß es.

Straßen rund um den Feldberg im Taunus werden gesperrt

Um ein Verkehrschaos wegen zahlreicher Taunus-Ausflügler zu vermeiden, sollen am kommenden Wochenende in der Region rund um den Großen Feldberg mehrere Landesstraßen gesperrt werden. Das kündigte der Hochtaunuskreis am Donnerstag in Bad Homburg an. Anwohner würden gebeten, ihren Personalausweis mitzuführen. Betroffen sind Landesstraßen durch den Glashüttener Ortsteil Oberems sowie die Zufahrt nach Königstein-Falkenstein.

Wegen Schneebruch und umgestürzter Bäume sei ein Besuch der Feldbergregion gegenwärtig nicht sinnvoll, erklärte der Erste Kreisbeigeordnete, Thomas Schorr. Auf den wenigen begehbaren Wegen und Hängen könnten die Corona-Regeln aufgrund des hohen Besucherinteresses nur schwerlich eingehalten werden. Die Zufahrtsstraßen zum Gipfel sind schon seit längerem gesperrt. (dpa)


 

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