Warum Unternehmer Millionen Euro in Urlaubsangebote investieren

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Wer in den Urlaub fährt, möchte häufig auch etwas unternehmen. Gerade in Regionen wie dem Harz, wo man sich nicht stundenlang in den Strandkorb legen kann, spielen daher Freizeit-Attraktionen eine wichtige Rolle. Einige der bekanntesten Attraktionen stehen in Bad Harzburg. Dort gibt es etwa einen Baumwipfelpfad und die Baumschwebebahn. Eva Ronkainen-Kolb und ihr Mann Holger Kolb betreiben die Anlagen und haben dafür eine Menge Geld in die Hand genommen. Bloß: Warum?

«Das hat sich ein Stück weit so ergeben», sagt Kolb, der zuvor Klassenfahrten in der Region organisierte. «Hier in Bad Harzburg lag praktisch alles brach - Politik und Tourismus wollten das ändern und haben mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, hier aktiv zu werden.» So entstand der Baumwipfelpfad, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert. Weitere Attraktionen folgten.

Betreiberin: «Marmeladen-Glas-Momente schaffen»

Rein um den Profit sei es dabei nie gegangen. «Ich möchte gerne Marmeladen-Glas-Momente schaffen», sagt etwa Ronkainen-Kolb. Sprich: Urlauber sollen eine schöne Zeit haben, die ihnen in Erinnerung bleibt. «Wir wollen unseren Besuchern die Natur näher bringen und vermitteln, dass sie lebens- und schützenswert ist», ergänzt Kolb. 

Dass das Unternehmer-Ehepaar also ausgerechnet im vermeintlich kleinen Bad Harzburg aktiv geworden sei und nicht etwa in bekannteren Harz-Orten wie Braunlage oder Wernigerode, sei somit eher Zufall gewesen, sagt Kolb. Auch wenn der Ort durch seine Bahn- und Autobahnanbindung sowie viele kostenlose Parkplätze Standortvorteile habe.

Besucherzahlen überstiegen Erwartungen

Für Bad Harzburg wiederum haben sich die beiden Unternehmer als Glücksgriff erwiesen, wie Zahlen zeigen. «Wir hatten mit 80.000 Besuchern für den Wipfelpfad geplant - wir sind nun bei jährlich rund 200.000 und hatten gerade unser stärkstes erstes Halbjahr», erzählt Kolb. Davon profitiere etwa auch die Seilbahn in der Stadt, die auf den namensgebenden Burgberg führe, durch Verkäufe von Kombi-Tickets. Aus sieben Mitarbeitern sind inzwischen bis zu 80 in der Saison geworden. Der Pfad sei zum Anker für den örtlichen Tourismus geworden. 

Auch die Baumschwebebahn zählte seit ihrer Eröffnung vor fünf Jahren bereits 350.000 Besucherinnen und Besucher. «Wenn wir manchmal am Zielpunkt Mäuschen spielen, dann ist es eine Freude zu sehen, wie viele glückliche Menschen am Ende ankommen», sagt Ronkainen-Kolb. 

Mit der Wipfel-Erlebniswelt, einem Abenteuerspielplatz in luftiger Höhe, ist bereits die nächste Attraktion geplant. Sie soll 2027 eröffnen. Bis dahin wird das Unternehmer-Ehepaar zwölf Millionen Euro investiert haben. Hinzu kommen sechs Millionen Euro der Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsbetriebe der Stadt Bad Harzburg.

Wie viele Investitionen braucht es?

Doch führen derartige Investitionen nicht irgendwann zu Problemen, etwa mit der Umwelt? Zumindest Investitionen in «tagestouristische "Rummelangebote"» seien wenig sinnvoll, meint etwa der Harzer Natur- und Umweltschützer Friedhart Knolle. Attraktionen, die nicht in die Landschaft passten, wie Aussichtstürme oder den Baumwipfelpfad, brauche es nicht, heißt es auch in einem gemeinsamen Papier der Harzer Umweltverbände. So kämen lediglich mehr Menschen mit dem Auto, die vor allem Abgase und volle Mülleimer hinterließen. Viel Umsatz würden sie ohne Übernachtung aber nicht bringen.

Längerfristige Urlauber kämen wegen der einzigartigen Harzer Natur oder den Fachwerkstädten. «Die Gäste suchen im Harz das, was sie in ihren Herkunftsorten zumeist nicht mehr haben», sagt Knolle. Daher sollten nachhaltige Angebote wie Mountainbike oder Nodic-Walking ausgebaut werden. Zudem müsse das Urlaubsticket Hatix gestärkt werden. Damit können Hotelgäste viele Busse und Züge nutzen - ohne oder nur mit geringen Zusatzkosten.

Ausbau der Tourismusangebote hat Grenzen

Auch Kolb sieht Grenzen bei Investitionen. Mit Blick auf sein Angebot sagt er etwa, dass neue Attraktionen vor allem dabei helfen sollten, die Besucherzahlen zu halten - und nicht noch mehr Besucher anlocken sollten. Klar sei zudem, dass gerade im Harz Urlauber häufig mehrere Orte besuchten. Das Ziel sei daher nicht, sie nur in Bad Harzburg zu halten, sondern generell in die Region zu locken. Neue Attraktionen seien zudem wichtig, um den Harz vor dem Hintergrund der immer kürzeren Winter ganzjährig attraktiv zu machen.

Neben Bad Harzburg wurde in den vergangenen Jahren auch an einigen anderen Orten investiert. So sind etwa in Torfhaus ein Aussichtsturm und auf dem Bocksberg in Hahnenklee eine neue Sommerrodelbahn entstanden. Irgendwann kämen Orte aber auch an ihre Grenzen, etwa mit Blick auf die Besucherkapazitäten in der Gastronomie oder bei Parkplätzen, berichtet die Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes, Carola Schmidt. Das müsse bei neuen Investitionen im Blick behalten werden. 

Betreiberin: «Große Investitionen können Natur auch helfen»

Gleichzeitig, sagt Ronkainen-Kolb, würden starke Leuchtturmprojekte auch der Natur helfen. «Dadurch, dass wir hier einen zentralen Ort mit mehreren Attraktionen haben, sind andere Flächen in der Natur weniger überlaufen.» Zudem erhielten die Landesforsten, die sich um einen großen Teil des Waldes im Harz kümmerten, einen Teil der Einnahmen.

Auch der Tourismusverband hält derartige Leuchtturmprojekte für wichtig. Sie förderten das Image und machten die Region weit über ihre Grenzen hinaus sichtbar, sagt Schmidt. Große Investitionen in Attraktionen lockten neue Besucher an und animierten andere zum Wiederkehren.


 

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