Weiterhin Probleme im Luftverkehr in Europa

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Am größten Flughafen der Bundesrepublik in Frankfurt haben die aktuellen Abfertigungsprobleme mittlerweile auch Folgen für den Luftfrachtverkehr. Eine Maßnahme, um das Gesamtsystem zu stabilisieren, sei, dass neben Passagier- auch einzelne Frachtairlines Flüge etwa aus Spitzenzeiten in verkehrsärmere Zeiten verlegen oder streichen, sagte eine Sprecherin des Flughafens der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Mit Blick auf den Personalmangel werde bei den Abfertigungen von Passagier- als auch von Frachtmaschinen geschaut, wo der Bedarf am größten sei.

Der Betrieb der Frachtairline Lufthansa Cargo sei durch den Personalmangel in Frankfurt «empfindlich» gestört, sagte eine Sprecherin der Gesellschaft der dpa. Am Freitag habe es demnach vier Flugstreichungen bei Frachtverbindungen sowie einige Verspätungen gegeben. Um Last aus dem System zu nehmen, sei nun außerdem bis zum 10. Juli ein Embargo auf verschiedene Tierarten gesetzt.

Kurzfristige Abhilfe für den Personalmangel an deutschen Flughäfen hatte die Bundesregierung vergangene Woche in Aussicht gestellt: Sie will für Tausende ausländische Aushilfskräfte die Einreise ermöglichen.

Im Ferientrubel nimmt auch die Streikwelle im Flugverkehr im beliebten Urlaubsland Spanien weiter zu. Das Kabinenpersonal der Billigairline Ryanair will im Juli an weiteren zwölf Tagen für bessere Arbeitsbedingungen streiken, wie die zuständigen spanischen Gewerkschaften USO und Sitcpla am Samstag mitteilten. Von den Ryanair-Streiks sind zahlreiche Flughäfen betroffen. Das Kabinenpersonal war in Spanien bereits Ende Juni sowie auch zwischen Donnerstag und Samstag in den Streik getreten. Die Fluggesellschaft «hält sich nicht an Gerichtsurteile und Gesetze», hieß es von der USO. Arbeitsministerin Yolanda Díaz müsse eingreifen.

Auch das Kabinenpersonal von Konkurrent Easyjet legt in Spanien die Arbeit zwischen Ende Juni und Ende Juli an insgesamt neun Tagen nieder. Im Fall der britischen Airline fordert das Kabinenpersonal deutlich höhere Gehälter sowie auch eine Begrenzung der Flugzeiten, wie es sie in anderen Ländern gebe.

Am Pariser Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle führten Warnstreiks am Wochenende erneut zu Annullierungen. Am Samstag wurden zwischen 7 Uhr und 14 Uhr 20 Prozent der geplanten Starts und Landungen gestrichen, wie der Flughafen mitteilte. Schon am Freitag waren 17 Prozent der Starts und Landungen ausgefallen. Die Streikenden fordern wegen der zunehmenden Inflation mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen.

Bei der skandinavischen Fluggesellschaft SAS hingegen ist erneut ein geplanter Pilotenstreik aufgeschoben worden. Für die Schlichtungsversuche sei eine neue Frist bis Montag um 12 Uhr gesetzt worden, teilte die Airline mit. Es gehe vorwärts, aber man sei noch sehr weit auseinander, sagte SAS-Verhandlungsführerin Marianne Hernæs dem dänischen Sender DR zufolge. Der ursprünglich für Mittwoch angekündigte Streik von 900 Piloten war zunächst auf die Nacht zum Samstag verschoben worden. Die SAS-Führung und die schwedischen, norwegischen und dänischen Piloten verhandeln seit Wochen über einen Tarifvertrag.

Um das Chaos im britischen Luftverkehr zu bewältigen, lockert die britische Regierung die Vorschriften für die Start- und Landerechte an den Flughäfen. Die Airlines können nun Verbindungen streichen und auf die sogenannten Slots verzichten, ohne fürchten zu müssen, diese teuren Startrechte zu verlieren. Damit soll ein «realistischerer» Flugplan ermöglicht werden. Die Airlines müssen ihre Streichungen bis zum kommenden Freitag mitteilen.

Für den Personalmangel an den britischen Flughäfen machte Ryanair-Chef Michael O'Leary «die Katastrophe» des Brexits verantwortlich. Seit dem britischen EU-Austritt sei es für Fluglinien schwierig geworden, EU-Arbeitskräfte einzustellen, sagte O'Leary der Zeitung «Financial Times».

Mit Blick auf etliche Flugausfälle und -verspätungen zieht das Verbraucherschutzministerium die Überprüfung der Vorkassepraxis in Betracht. Das Ressort von Bundesministerin Steffi Lemke (Grüne) appellierte einer Sprecherin zufolge an die Flugunternehmen, ihrer «gesetzlichen Pflicht zur Rückerstattung innerhalb von sieben Tagen proaktiv» nachzukommen, wie die «Welt am Sonntag» berichtete. «Sonst wird man die Vorkassepraxis in ihrer jetzigen Form überprüfen müssen.» Bei der Vorkassepraxis hätten Fluggäste ein hohes Risiko. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Matthias von Randow, wies darauf hin, jeder Reisende habe auch heute schon die Wahl, ob er frühzeitig buchen will und damit Frühbucherrabatte nutzen oder sehr kurzfristig vor Reiseantritt buchen und bezahlen möchte.

Doch es gibt auch Chaos-Profiteure: Durch die Streichung innerdeutscher Flüge steigt das Fahrgastaufkommen bei der Deutschen Bahn. «Immer mehr Menschen nutzen in der aktuellen Lage innerdeutsch die Bahn statt den Flieger», sagte ein Sprecher dem «Spiegel». Sprinter-Züge entlang der innerdeutschen Flugstrecken sind dem Bericht zufolge zu 40 Prozent stärker ausgebucht, viele Tickets kaufen die Airlines dabei als Ersatz für gestrichene Flüge. (dpa)


 

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