Wer macht eigentlich noch FKK?

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Nackt sein macht glücklich - das sollen Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern der Londoner Goldsmiths University, die im «Journal of Happiness» veröffentlicht wurden, belegen. Die Studie mit dem Titel «The Naked Truth» (Die nackte Wahrheit) besagt im Wesentlichen: Wer FKK macht, habe ein besseres Körpergefühl und mehr Selbstbewusstsein. Dennoch scheint diese besondere Form der Freizeitgestaltung - trotz heftiger Hitzewellen - immer mehr aus der Öffentlichkeit zu verschwinden.

«FKK ist überhaupt kein Trend mehr. Die Geschichte der Freikörperkultur ist in eine neue Etappe eingetreten», sagt der Leipziger Sexualforscher Kurt Starke. Die Kennzeichen dieser Etappe: «Unwesentlichkeit» und ein neues «Nacktheitstabu». «FKK ist irgendwie altmodisch und zugleich deliberalisiert. Eine der größten und beliebtesten FKK-Paradiese im Osten war Prerow/Darß», sagt Starke. «Heute ist FKK dort reduziert auf einen kurzen Abschnitt und kombiniert mit dem Hundestrand.»

Sogar der Deutsche Verband für Freikörperkultur (DFK), der in diesem Jahr 70 wird und nach Verbandsangaben mehr als 30 000 Naturisten vertritt, stellt fest: «Naturismus hat aber sicherlich nicht mehr den gleichen Stellenwert wie vor einigen Jahrzehnten, was mit der gesellschaftlichen Entwicklung als Solche zusammenhängen könnte.»

Die «Berliner Morgenpost» meldete schon im Januar: «Nacktbaden ist in Berlin auf dem Rückzug», nachdem ein Spa in Spandau das Nacktbaden verboten hatte. «Viele unserer Mitglieder sagen: "In der Sauna ist Nacktheit für mich ok." Doch außerhalb wird sie als zu direkt und nah empfunden», begründete das die stellvertretende Geschäftsführerin bei «Meridian Spa & Fitness», damals im Gespräch mit der Zeitung. Und die niederländische Zeitung «De Volkskrant» beklagte kürzlich, es gebe am Strand kaum noch Frauen ohne Bikinioberteil.

Sexualforscher Starke führt all das auf mehrere Gründe zurück, unter anderem auf einen anderen Umgang mit dem Körper, der heute vielfach instrumentalisiert werde. «Es ist ein kostbares Instrument, das man nicht einfach so zur Schau stellt oder preisfrei preisgibt», sagt der Sexualwissenschaftler. Außerdem nennt er den «Terror der herrschenden Schönheitsideale - insbesondere auch für ältere Körper».

«Jedenfalls gibt es genügend Gründe, sich lieber nicht vollnackt zu zeigen», fasst Starke zusammen. «Das hängt auch mit der Haarfurcht ab Kinn abwärts zusammen: Da wird jedes Haar bekämpft, auch die Schamhaare.»

Dabei hat FKK in Deutschland eine lange Tradition, wie Starke im Kapitel «Nacktheitstau» seines jüngsten Buches schreibt. Die Anfänge liegen in Deutschland um 1900. «Die Nacktkultur wurde von verschiedenen Schichten getragen und hatte demzufolge unterschiedliche Hintergründe und Formen.» Vor allem nach dem Ersten Weltkrieg breitete sich die Freikörperkultur stark aus. Von 1945 an wurden dann für die FKK-Anhänger eigene Badestrände am Meer und an Seen und vor allem Zeltplätze abgetrennt oder eingerichtet.

In den 1970er Jahren wurde das Nacktbaden dann zu einem kleinen Trend, «oben ohne» auch bei Frauen war keine Besonderheit mehr. «So richtig durchgesetzt hat sich FKK in Deutschland aber nicht - außer im Osten.» Und inzwischen sei der Peak überschritten.

Der neue DFK-Vorsitzende Wilfried Blaschke hat allerdings Hoffnung. Zwar werde die FKK-Bewegung auf dem Land «alt und immer älter». Aber: «Wir haben ein Gefälle zwischen Stadt und Land - und in der Stadt ist es deutlich wieder am steigen. Die Stadt ist liberaler geworden, das Land ist da, wo es immer war», sagt Blaschke. «Die Leute, die sich dazu wieder hingezogen fühlen, sind junge Familien. Den Kindern ist doch wurscht, ob sie eine Badehose anhaben oder nicht.»

Auch wenn Nacktheit in der Öffentlichkeit dank jederzeit verfügbarer Smartphones schwieriger geworden sei - in FKK-Clubs schätzen die Mitglieder den Schutz, die Privatsphäre und eine ganz besondere Atmosphäre. «Beim FKK geht's ruhiger und respektvoller zu», sagt Blaschke. Vielleicht liege darum der Frauenanteil in den Clubs auch «bei weit über 50 Prozent». «Die Frauen leben das nahezu ausgiebiger als die Männer, die genießen es.»

In München wurde die Frage, ob Frauen oben ohne an der Isar liegen dürfen, unlängst sogar zum Politikum. Nachdem es Kritik an einem Wachdienst gegeben hatte, der sonnende Frauen aufforderte, ihre nackten Brüste zu bedecken, sah sich der Stadtrat genötigt, Fakten zu schaffen. Ende Juni entschied er einstimmig, dass Frauen sich «oben ohne» sonnen und ohne Bikinioberteil baden gehen dürfen. Badehose reicht. Aber die muss aus Sicht des Stadtrates auch sein - denn: Wenn sich alle «nackert» überall hinlegen könnten - «dann fühlen sich alle möglichen Leute belästigt», prophezeite der Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle (SPD). Und Ursula Sabathil von den Freien Wählern sagte: «Es ist ja nicht immer nur eine Frage von Prüderie, es ist sehr, sehr häufig - in vielen Fällen - eine Frage der Ästhetik.» Von Britta Schultejans, dpa


 

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