Wie Boomer-Reisen das Klima belasten

| Tourismus Tourismus

Eine neue Studie der Hochschule München (HM) hat die potenziellen Auswirkungen der Reisegewohnheiten älterer Menschen auf die CO₂-Emissionen Deutschlands untersucht. Die Forscher warnen, dass das Reiseverhalten einer wohlhabenden Minderheit der sogenannten Babyboomer die Klimaneutralität des Landes gefährden könnte. Die Analyse konzentriert sich auf Emissionen aus dem Transportsektor, dem größten Emittenten im Tourismus.

Prof. Dr. Andreas Humpe von der Fakultät für Tourismus der HM hat zusammen mit einem internationalen Forscherteam analysiert, inwieweit die demografische Alterung Deutschlands die Klimaziele des Landes beeinflusst. Im Fokus stand dabei, wie sich die Reisegewohnheiten der Boomer-Generation auf die CO₂-Bilanz auswirken.

Methodik: Fokus auf Reiseverhalten und Emissionen

Grundlage der Untersuchung bildeten Daten der repräsentativen Reiseanalyse (RA) mit jährlich 7.259 Teilnehmenden sowie eine ergänzende Online-Umfrage des Unternehmens Norstat unter 1.101 Deutschen ab 55 Jahren. Das Forschungsteam analysierte sowohl geplante als auch tatsächlich durchgeführte Reisen, wobei die Wahl der Verkehrsmittel, Distanzen und Reiseziele bewertet wurden. Die Forschenden legten einen besonderen Schwerpunkt auf die Emissionen, die durch den Transport entstehen.

Wohlhabende Minderheit als Hauptverursacher der Emissionen

Die Studie zeichnet ein differenziertes Bild des Reiseverhaltens älterer Menschen. Während ein großer Teil der Senioren aus finanziellen Gründen wenig bis gar nicht reist, verursacht eine finanziell gut gestellte Minderheit einen signifikanten Anteil der Emissionen. Die Daten belegen: Rund sechs Prozent der über 65-Jährigen verursachen etwa die Hälfte aller Reiseemissionen in dieser Altersgruppe. Diese Minderheit, die über hohe Renten und Vermögen verfügt, plant deutlich mehr und vor allem weiter entfernte Reisen als frühere Rentnergenerationen.

Zwei Szenarien für die zukünftige Entwicklung

Die Wissenschaftler stellen zwei mögliche Entwicklungen für die tourismusbedingten Emissionen in den kommenden Jahren gegenüber. Im ersten Szenario, der sogenannten Fortsetzung des Status quo, würden die Emissionen im Tourismus insgesamt leicht sinken. Argumentiert wird dies damit, dass Menschen im Ruhestand zwar häufiger, aber kürzer und mit weniger CO₂-intensiven Verkehrsmitteln reisen als Berufstätige. Da bis 2036 voraussichtlich 19,5 Millionen Deutsche aus dem Erwerbsleben ausscheiden und nur 12,5 Millionen nachrücken, würde der Anteil der weniger emissionsstarken Ruheständler wachsen.

Dieses Szenario könnte jedoch im zweiten Szenario, das die Forschenden „Affluent Boomer“ nennen, kippen. Die Babyboomer gelten als eine Generation mit hohem Wohlstand, hohen Ersparnissen, guter Gesundheit und hoher Lebenserwartung, wodurch sie sich von heutigen Rentnern unterscheiden. Sollte diese Gruppe häufiger und vor allem weiter reisen – etwa zu Fernzielen wie der Karibik, Australien oder Kanada – könnten die Emissionen im Tourismussektor trotz der Bevölkerungsalterung steigen. Dies würde laut Studie den Tourismus zu einem wachsenden Problem für die Klimabilanz Deutschlands machen. Die tatsächliche Entwicklung hängt dem Forschungsteam zufolge maßgeblich von der zukünftigen Verteilung des Wohlstands und Vermögens dieser Generation ab.

Forderung nach proaktivem Handeln der Politik

Das Forschungsteam fordert die Regierung auf, proaktiv zu handeln, um einem möglichen Anstieg der Reiseemissionen durch wohlhabende Babyboomer entgegenzuwirken. Die Empfehlungen der Forschenden beinhalten: Die tatsächlichen Klimaschäden im Tourismussektor, insbesondere im Flugverkehr, müssen stärker eingepreist werden. Zudem sollen Abgaben auf sehr CO₂-intensive Reiseformen wie Fernflüge oder Kreuzfahrten geprüft werden. Diese Maßnahmen seien nötig, um die steigenden Emissionen wirksam zu begrenzen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die dänische Hauptstadt will nachhaltigen Tourismus fördern. Dafür wurde das Programm CopenPay entwickelt, das es nach zwei Sommerdurchläufen künftig ganzjährig gibt. Wie kann man profitieren?

Kaum öffnet Terminal 3 am Frankfurter Flughafen, schließt Terminal 2. Der Bereich wird grundlegend erneuert und bleibt für einige Jahre außer Betrieb. Für Passagiere soll sich dann viel ändern.

Der Merian Verlag hat in München erstmals seine neuen Branchenpreise an sieben ausgewählte Destinationen, Hotels und Akteure der internationalen Tourismuswirtschaft verliehen. Unter den Preisträgern befinden sich unter anderem die Stadt Göteborg, das Brenners Park-Hotel und die MSC Group.

Eine Umfrage zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Generationen bei der Bewertung der Flugetikette. Während jüngere Passagiere bei Körperhygiene und Smartphone-Nutzung an Bord weitaus toleranter sind, weisen ältere Reisende eine wesentlich geringere Akzeptanz für dieses Verhalten auf.

Eine Auswertung der Gästebefragung T-MONA zeigt, wer im Sommer nach Österreich reist, wie hoch die Ausgaben ausfallen und welche Faktoren bei der Wahl von Reiseziel und Unterkunft eine Rolle spielen.

Schöne Marineschiffe, tolle Flugzeuge, imposanter Zug? Schnell ein Foto gemacht - und dann klicken die Handschellen? Warum Touristen Verbotsschilder im Urlaub unbedingt erst nehmen sollten.

Neue Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen deutliche Unterschiede bei den Kosten für Restaurant- und Hoteldienstleistungen in Europa. Besonders in mehreren südeuropäischen Ländern liegt das Preisniveau deutlich unter dem deutschen Vergleichswert.

Brandgeruch im Tower, Nachtflugverbot ausgesetzt: Am Flughafen München brauchen Reisende zum Ende der Pfingstferien Geduld.

Die Kreuzfahrt ist ein Massengeschäft geworden, auch dank der Rostocker Reederei Aida Cruises. Die Passagierzahlen steigen und steigen. Gleichzeitig setzen neue Auflagen die Branche unter Druck.

UN Tourism registrierte im ersten Quartal 2026 weltweit 307 Millionen internationale Touristenankünfte. Gleichzeitig erwartet die Organisation aufgrund des Nahostkonflikts und steigender Reisekosten eine Abschwächung des Wachstums im weiteren Jahresverlauf.