Bundespresseball im Adlon: Steinmeiers sentimentaler Eröffnungswalzer

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Wenn der berufliche Abschied langsam naht, wird sogar ein Staatsoberhaupt leicht melancholisch. So erging es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim 73. Bundespresseball im Hotel Adlon am Brandenburger Tor in Berlin. «Für uns wird es in dieser Funktion das letzte Mal sein, wir werden zum letzten Mal den Ball eröffnen», sagte Steinmeier am Freitagabend an der Seite seiner Frau Elke Büdenbender auf dem roten Teppich. «Man wird auch ein wenig sentimental, wenn ich zurückdenke an den ersten Bundespresseball, an dem wir dabei waren, 1998 noch in Bonn damals, mit den "Bläck Fööss", die für eine wunderbare Stimmung gesorgt haben. Und die erwarte ich heute auch wieder.»

Angesichts des Ballmottos «Für die Demokratie. Pressefreiheit stärken» wurde aber auch Steinmeier politisch. An der Demokratie müsse man arbeiten und nicht nur darüber schimpfen. «Ich bin besorgt über manche Haltung, die wir in den sozialen Medien finden, dieser Ton der Unversöhnlichkeit, der dort manchmal herrscht.» Mit Blick auf junge Menschen ergänzte seine Frau: «Seid interessiert, bringt euch ein, es liegt auch an euch, wie wir diese Demokratie weiter gestalten.»

Kanzler Merz fehlte

Mehr als 2.000 Gäste aus Medien, Politik und Wirtschaft kamen zum traditionellen Bundespresseball mit seinen Tanzflächen, Bars und Buffets zusammen. Eingeladen hatte die Bundespressekonferenz, der Verein der Hauptstadtjournalisten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), früher immer gerne dabei, hatte abgesagt. Er nahm am Freitag an einer Konferenz in Paris über eine mögliche Militärmission nach dem Iran-Krieg teil. 

Für die Bundesregierung war etwa Umweltminister Carsten Schneider (SPD) dabei. Für CDU und CSU erschienen der Fraktionsvorsitzende Jens Spahn mit Ehemann Daniel Funke sowie Landesgruppenchef Alexander Hoffmann.

Die Grünen zeigten sich mit ihrem designierten Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg, Cem Özdemir und den beiden Vorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak - der von seiner Frau als der deutlich bessere Tänzer gelobt wurde. In der Beziehung führt hingegen «ganz klar meine Frau».

Grünen-Frauen: sich nicht unterkriegen lassen 

Die Ex-Vorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, wurde begleitet von der Grünen-Sozialministerin in Schleswig-Holstein, Aminata Touré. Gemeinsam betonten sie, wie wichtig es sei, dass Frauen zusammenhalten und sich nichts gefallen lassen sollten. Unter den Ministerpräsidenten war Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und seine Partnerin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (beide CDU). Außerdem feierten zahlreiche Chefredakteure, Moderatoren, Verlagsmanager und Lobbyisten.

Ex-Fußballer Arne Friedrich lernte Freundin über Instagram kennen 

Ex-Fußballprofi Arne Friedrich, der am Tisch des Bundespräsidenten saß, erschien mit seiner Freundin, einer Profitänzerin. Beide plauderten auf dem roten Teppich locker über Pannen vor dem Ball und ihre Beziehung. Ein Blutfleck auf dem Smokinghemd von Friedrich wurde mit Hilfe von kaltem Wasser und Seife beseitigt. «Ich habe ChatGPT gefragt. Und man sieht nichts, oder?», berichtete Friedrich. Seine Freundin habe er vor einem Jahr über Instagram angeschrieben, erzählte der Ex-Fußballer. «Hey, wie geht's Dir?», lautete die offenbar erfolgreiche Kontaktaufnahme.

Die Rede zur offiziellen Eröffnung im Ballsaal sollte die Schauspielerin Uschi Glas halten; kürzlich hatte sie ein Buch mit dem Titel «Du bist unwiderstehlich, Wahrheit» veröffentlicht. Wegen einer Erkrankung musste sie absagen.

Der Vorsitzende der Bundespressekonferenz, Mathis Feldhoff, betonte zum Beginn des Dinners im großen Festsaal: «Die Demokratien in der Welt, sie stehen unter Druck.» Umso wichtiger seien Zeichen zum Kampf für die Demokratie. «Dieser Abend ist ein Signal, ein Signal für die Pressefreiheit, ein Signal zum Aufstehen für die Demokratie und ein Signal für unsere Freiheit, selbst zu bestimmen, wie wir leben wollen.» 

Korrespondentin der «New York Times»: Kampf für Pressefreiheit

Als Festrednerin sprach auch die Korrespondentin der «New York Times» und Vorsitzende des Vereins der Ausländischen Presse in Deutschlan», Melissa Eddy. Sie erinnerte an die Kollegen in ihrem Heimatland USA, deren freie Pressearbeit durch die Regierung unter Präsident Donald Trump immer mehr eingeschränkt werde. «Journalistinnen und Journalisten werden vom Präsident und seinen Anhängern persönlich angegriffen.»

Zugleich gebe es viele Journalisten, die sich nicht einschüchtern ließen, die ihre Rechte verteidigten und für die Wahrheit kämpften. Und sie errängen vor Gericht Siege gegen die Regierung. «Viele Beispiele und Urteile zeigen, dass die Menschen und die Gerichte bereit sind, die Pressefreiheit in den Vereinigten Staaten zu verteidigen.»

Salzhering und Champagner

Die Gäste außerhalb des Dinnersaals zog es zu den Buffets, wo es bodenständig (Bierbrot-Sandwich mit Leberwurst und Gurke, Salzhering mit Zwiebel, Butterfisch-Stulle) oder auch etwas gehobener zuging (Lamm, Garnele, Brennnessel mit Johannisbeere, Austern). Außerdem im Angebot: eine «Pralinenpassage» und Champagner. 

Die Big Band der Bundeswehr im großen Ballsaal spendete ihre Gage, kleinere Bands und DJs verteilten sich über die beiden Geschosse. Nach Mitternacht sollte wie üblich die große Party locken, Pumps und High Heels werden dann zum Teil gegen bequemere Fußbekleidung gewechselt. Die meisten Prominenten sind dann aber schon auf dem Heimweg. (dpa)


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