Frankfurter Bäckerin trainiert für WM

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Lilly Jahn aus Frankfurt (Oder) verbringt ihre Wochenenden zwischen Knetmaschinen und Backöfen. Die 22‑Jährige - frisch gekrönte Deutsche Meisterin der Bäckerjugend - arbeitet dort an Präzision, Geschwindigkeit und Ideen. Alles Bausteine für ihr nächstes Ziel: die Weltmeisterschaft im März in Taiwan. Sie wird gemeinsam mit dem Zweitplatzierten - Jonah Rosentreter aus Nordrhein-Westfalen - antreten. «Wir treffen uns fast jedes Wochenende und gehen die einzelnen Themen durch», erzählt Jahn. 

Bundestrainer Felix Rommel zeigt sich optimistisch: «Der asiatische Markt ist sehr stark. Aber die beiden sind ein starkes Team und harmonieren sehr. Ich habe große Hoffnung, dass wir da gut abräumen», sagt der Experte von der Deutschen Akademie des Bäckerhandwerks Weinheim. 

Zeit als größter Feind im Wettbewerb

Das Training ist anspruchsvoll: Von klassischen Brotsorten über Brötchen und Plundergebäck bis hin zum Schaustück – alles muss perfekt sein und vor allem pünktlich abgeliefert werden. «Die Zeit ist der größte Feind in solch einem Wettbewerb», sagt Rommel. Deshalb gehe es nicht nur darum, die besten Rezepte zu finden, sondern auch die Zeit effektiv zu planen. Neben zwei Stunden Vorbereitung am ersten Tag haben die jungen Bäcker am Folgetag nur noch sechs Stunden Zeit, um alle ihre Backwaren fertig zu produzieren.

Das Schaustück ist dabei die Königsdisziplin. Es soll nicht nur essbar sein, sondern auch ein vorgegebenes Thema kreativ umsetzen. «Dieses Jahr ist das Thema Sport», erzählt Jahn. Ihre Ideen bleiben vorerst geheim. 

Nur einer darf nach Shanghai

Bei der Deutschen Meisterschaft bewies sie bereits Kreativität: Damals präsentierte Jahn eine Matcha-Torte mit Heidelbeerfüllung und einer Ganache, einem schokoladigen Überzug – inspiriert vom Motto «Die Zukunft der Bäckerei». Statt eines futuristischen Motivs wählte sie einen Baum, der mit seinen Wurzeln die Tradition verkörpert, aus der die Zukunft entspringen kann. 

Die angehende Bäckermeisterin stammt aus einer Bäckerfamilie. Ihr Vater Tino Jahn ist für sie «der Perfektionist in Person» – ein Vorbild, ebenso wie ihr Ausbilder René Jüstel vom IGV Bildungszentrum Nuthetal. Seit 2022 hat die Frankfurterin ihre überbetriebliche Ausbildung im IGV Bildungszentrum absolviert: von den ersten praktischen Übungen in der Backstube über die Gesellenprüfung auf dem Weg zur Meisterin. 

«Sie ist mit Herzblut dabei und Bäckerin mit Leib und Seele», lobt ihr Ausbilder René Jüstel sie. Und sie habe durchaus das Potenzial, auch bei den anstehenden Meisterschaften abzuräumen. Auch ihr Bundestrainer Rommel ist voll des Lobes: Jahn arbeite sehr präzise, kreativ und fokussiert. 

Stationen in Spanien, Frankreich und Italien

Nach dem Abitur entschied sich Jahn bewusst gegen ein Studium und für das Handwerk. «Ich bin noch jung und will einfach alles lernen, was ich kann», sagt sie. Deshalb denkt sie bereits über die Ausbildung zur Konditormeisterin nach. 

Ihre Leidenschaft gilt dem Brot. «Ich mache gern Motivbrote, zum Beispiel habe ich einen Hirschkopf aus Brotteig für einen Jäger gebacken», erzählt sie. Jahn sammelte während der Ausbildung dank eines Erasmusstipendiums auch im Ausland Erfahrungen. In Italien lernte sie Ciabatta, in Frankreich Croissants und Plunderteig, in Spanien traditionelle Gebäcke wie Empanadas. 

Klischee vom «jungen Blondchen»

Als junge Frau in einer männerdominierten Branche muss Jahn sich oft beweisen. «Manchmal gibt es das Klischee vom jungen Blondchen, aber ich zeige schnell, was ich kann», sagt sie. 

Die Weltmeisterschaft in Taiwan ist nur eine von zwei bedeutenden Wettbewerben in diesem Jahr. Im September findet in Shanghai die «WorldSkills» statt - die Weltmeisterschaft der Berufe für junge Fachkräfte. Ob Jahn auch nach China reisen wird, steht bisher nicht fest. Die Nominierungen seien noch nicht festgelegt worden, sagt Rommel. (dpa)


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