In Glas uriniert, von Kreuzfahrtschiff geflogen: Reederei muss zahlen

| War noch was…? War noch was…?

Auch im Urlaub ist ein Mindestmaß an Anstand angebracht. Doch darf ein Reisender ohne Vorwarnung eines Kreuzfahrtschiffes verwiesen werden, weil er in Glas uriniert haben soll? 

Nein, entschied das Landgericht Düsseldorf in einem Fall und sprach einem Mann nicht nur die anteilige Erstattung des Reisepreises, sondern auch eine Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreuden zu (Az.: 22 O 131/24).

Was war passiert? Der Mann hatte mit zwei Mitreisenden an einer Bar auf dem Schiff gesessen. Andere Gäste beobachteten nach Schilderung der Crew, wie er dabei in ein Glas uriniert und es auf den Tisch gestellt habe. Später habe ein Crewmitglied das Glas vom Tisch entfernt und den Uringeruch bestätigt. Der Mann bestritt, in das Glas uriniert zu haben.

Drei Tage nach dem Vorfall an der Bar wurde den drei Männern nach einem Landausflug der Zutritt zum Schiff verweigert. Der Kapitän habe ihnen einen Bordverweis ausgesprochen. Sie sollten abreisen und die Flüge dafür selbst buchen. Der Mann klagte im Nachgang gegen die Reederei wegen dieser fristlosen Kündigung des Reisevertrags – mit Erfolg.

Reederei muss rund 9.000 Euro zahlen

Das Gericht sprach ihm nicht nur eine Erstattung des restlichen Reisepreises für die nicht genutzten Tage in Höhe von gut 4.300 Euro sowie der Kosten für die Rückflüge und die Taxifahrt zum Flughafen in Höhe von knapp 1.600 Euro zu. Sondern es entschied, dass dem Mann, der die Reise für sich und die beiden anderen Männer gebucht hatte, auch eine Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit in Höhe von knapp 3.100 Euro zusteht.

Die Frage, ob der Mann tatsächlich ins Glas uriniert hatte oder nicht, spielte dabei gar nicht die zentrale Rolle: Selbst wenn dies der Wahrheit entspricht, stelle dieser Vorfall keine derart schwerwiegende Pflichtverletzung des Reisevertrags dar, dass eine fristlose Kündigung ohne vorherige Abmahnung gerechtfertigt gewesen wäre, heißt es in dem Urteil.

Störend ja, aber nicht gewalttätig oder ausfallend

Weiter führt das Gericht aus: Das Urinieren in ein Glas in einem öffentlichen Bereich des Schiffes könne als störend und unangemessen angesehen werden. Es handle sich dabei aber nicht um gewalttätiges, diskriminierendes, grobes oder verbal ausfallendes Verhalten, das gemäß den Reisebedingungen der Reederei zu einem Bordverweis führen könne. Jedenfalls hätte es vorher zumindest einer Abmahnung, also einer Vorwarnung, bedurft.

Dazu kamen noch andere Argumente: Etwa, dass der Bordverweis erst drei Tage nach dem Vorfall ausgesprochen wurde, obwohl zwischenzeitlich bereits ein anderer Hafen angelaufen worden war. Oder, dass die beiden anderen Männer ebenfalls abreisen sollten, obwohl sie den Zeugenaussagen zufolge nur dabeisaßen und über die Situation «schmunzelten». Über die Entscheidung hat die Fachzeitschrift «ReiseRecht aktuell» (Ausgabe 2/2025) berichtet. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Tiefer als 29,4 Grad sank die Temperatur im ostsächsischen Kubschütz in der Nacht nicht - nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes der höchste Nachtwert seit Beginn der Aufzeichnungen.

Nach dem Tod einer Hamburger Familie in einem Istanbuler Hotel hat das Gericht geurteilt. Die Angehörigen sehen einige der Haftstrafen als gerechtes Urteil an - dennoch kündigt der Anwalt Berufung an.

Für die Gespräche zwischen den USA und dem Iran musste das Bürgenstock Resort den Hotelbetrieb innerhalb von weniger als 48 Stunden vollständig umstellen. Nach Berichten verschiedener Schweizer Medien wurden dabei mehr als 2.000 Gäste in andere Hotels umquartiert.

Im Rahmen der Eingliederungshilfe können behinderte Menschen manche Urlaubskosten geltend machen. Aber mehr als drei Wochen Fernreise für rund 55.000 Euro? Dem erteilte das zuständige Amt eine Absage.

Gesperrte Straßen, Lärm, ausbleibende Kundschaft: Hamburgs Händler und Gastronomen fühlen sich von den Bauplänen der Stadt oft überrumpelt. Eine Kommunikationsstrategie soll helfen.

Das 25hours Hotel Langstrasse startet die achte Runde seines Artist in Residence Programms mit zwei internationalen Künstlerinnen. Besucher können die Entstehung der Werke bei offenen Atelierterminen im Sommer verfolgen.

B&B Hotels hat in der Mewa Arena in Mainz den ersten Dreamers Cup veranstaltet. Das kombinierte Fußballturnier und Sommerfest erbrachte Spenden in Höhe von insgesamt über 66.000 Euro für soziale Einrichtungen.

Mit detailreicher Küchenaction überzeugte die Disney+-Serie «The Bear» Fans und Kritiker zugleich. Nun kehren Jeremy Allen White & Co. ein letztes Mal an den Herd zurück. Was Fans davor wissen müssen.

Unbekannte Täter sind in ein Hotel in Baden-Baden eingebrochen und haben einen Tresor mit Bargeld und Tickets entwendet. Zum Abtransport nutzten sie einen Sackkarren. Die Polizei ermittelt und sucht Zeugen.

Mitten in der Nacht rollen Diebe einen ganzen Hotel-Tresor auf einem Sackkarren aus dem Gebäude. Wie konnten sie unbemerkt bleiben - und was war im Tresor?