Mutmaßlicher Block-Kidnapper fühlt sich schlecht beraten

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Der mutmaßliche Entführer der Block-Kinder hat vor dem Landgericht Hamburg angekündigt, angeblich falschen Darstellungen zum Tatablauf entgegentreten zu wollen. Dies sei der Grund, warum er sich zu einer Aussage in Deutschland entschlossen habe, sagte der Geschäftsführer einer israelischen Sicherheitsfirma auf die Frage der Strafkammer, wie es zu seiner Zeugenaussage gekommen sei. «Ich habe verstanden, dass es Zeit für mich ist, die Wahrheit zu sagen.»

Mutmaßlicher Entführer: Habe Fehler gemacht

Auch nach der Entführung habe er noch geglaubt, nicht Unrechtes getan zu haben. Ihm sei in Hamburg auch vom angeklagten Familienanwalt der Blocks immer wieder versichert worden, eine Rückholung der Kinder sei legal. «Die ganze Zeit standen wir unter der Annahme, dass wir das Richtige und Gutes tun.»

Seine Reaktion, als er von Ermittlungen wegen Kindesentführung erfuhr: «Ich habe gedacht, es ist ein Missverständnis und dass es wieder in Ordnung kommen würde», sagte der Zeuge laut Übersetzung einer Dolmetscherin. 

Er sei überstürzt nach Israel abgereist und habe viele seiner privaten Sachen zurückgelassen. «Ich war sicher, ich werde zurückkommen.» Zu dem Zeitpunkt habe er seine geschäftlichen Aktivitäten in Hamburg eigentlich ausbauen wollen. Er sei «zutiefst schockiert, wie es sich dann gedreht hat».

Zeuge: Schlechte Ratschläge erhalten

Erst später sei ihm klar geworden, dass er hinsichtlich der Legalität der Rückholung der Kinder «schlechte Ratschläge erhalten» habe. «Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe, und ich weiß, wenn Fehler gemacht werden, ist das der Preis, den ich zahlen muss», sagte der Zeuge. Gegenleistungen für seine Aussage seien ihm nicht in Aussicht gestellt worden. «Mir wurde nichts versprochen.»

Dem 68-Jährigen wird vorgeworfen, die Entführung der damals 10 und 13 Jahre alten Block-Kinder aus Dänemark in der Silvesternacht 2023/24 organisiert und durchgeführt zu haben. Nach Aussage eines anderen Zeugen soll der Mann Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein.

Mitte 2024 habe er in Israel von Ermittlungen wegen Kindesentführung in Deutschland erfahren, sagte der Zeuge. Bis dahin sei er davon ausgegangen, dass die Rückholung der Kinder vom Vater aus Dänemark mit deutschem Recht vereinbar sei. Dies sei ihm damals in Hamburg auch immer wieder versichert worden.

Zeuge: Verschiedene Versionen der Tat in Zeitungen gelesen

Er habe gehofft, dass die Unternehmerin Christina Block und der Familienanwalt den Ermittlern die Wahrheit sagen würden. Aber dann habe er verschiedene Versionen über die Tat in der Zeitung gelesen.

Ein früherer Verteidiger Blocks hatte zunächst erklärt, dass die Mutter seiner Mandantin vor ihrem Tod im Sommer 2023 die Entführung der Kinder beauftragt haben könnte. Als Hinweis nannte er eine Barabhebung der Großmutter über 120.000 Euro, für die es keine Erklärung gebe.

Ex-Mann brachte die Kinder 2021 nicht zurück nach Hamburg

Der neue Verteidiger Blocks hatte die Entführung später als Alleingang der israelischen Sicherheitsfirma bezeichnet. Block selbst sagte im Prozess aus, die Firma habe sich nur um die Cybersicherheit in einem Hotel der Unternehmensgruppe kümmern sollen. 

Christina Blocks Ex-Mann Stephan Hensel hatte die Kinder nach einem Wochenendbesuch in Dänemark im August 2021 nicht zurückgebracht. Es folgte ein jahrelanger, erbitterter Sorgerechtsstreit. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, ist angeklagt, schließlich die Entführung ihrer Kinder nach Deutschland in Auftrag gegeben zu haben. Sie bestreitet die Vorwürfe.

Zeuge bekam sicheres Geleit

Der Zeuge ist in dem Fall auch Beschuldigter und wurde bis zum vergangenen Herbst mit Haftbefehl gesucht. Für seine freiwillige Aussage bekam er von den Ermittlungsbehörden sicheres Geleit. Der Mann gehört aber nicht zu den insgesamt sieben Angeklagten im aktuellen Prozess.

Als er von einem israelischen Anwalt erfahren habe, dass möglicherweise ein Haftbefehl gegen ihn vorliege, habe er sich entschlossen, nach Deutschland zu fahren. «Das Beste ist, herzukommen mit allen Beweisen», sagte er. Deshalb habe er auch Büroschlüssel und alle Dokumente mitgebracht. «Als ich zur Polizei kam, habe ich die ganze Geschichte erzählt.» 

Es war bereits das sechste Mal, dass der 68-Jährige in dem Prozess als Zeuge aussagte. Zum Auftakt des 35. Verhandlungstages wurde er zunächst von der Vorsitzenden Richterin anhand von Fotos zum Geschehen in der Silvesternacht 2023/24 befragt. 

Mutmaßlicher Entführer-Chef: Habe das Wohnmobil gefahren

Unter anderem ging es dabei um das Wohnmobil, mit dem die Entführer damals die beiden jüngsten Block-Kinder aus Dänemark auf einen Bauernhof in Süddeutschland gebracht hatten. Dort sah Christina Block ihre Kinder zum ersten Mal nach Jahren wieder.

Der Zeuge bestätigte, das Wohnmobil zu kennen. «Ich habe das Fahrzeug gefahren», sagte er. Auch den Bauernhof auf den Bildern erkenne er wieder - ebenso ein Zimmer, in dem sein Team nach der Rückholung der Kinder zusammengesessen habe. Dort habe sich Christina Block bedankt.

Der Prozess wird diesen Freitag fortgesetzt. (dpa)


 

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