Mutmaßlicher Chef der Block-Kinder-Entführer: «Es gab viel Druck auf uns»

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Fast fünf Monate nach Beginn des Block-Prozesses ist überraschend der mutmaßliche Kopf der Entführer als Zeuge beim Landgericht Hamburg erschienen. Nach dem 68-jährigen Israeli hatte die Staatsanwaltschaft seit dem vergangenen Jahr gefahndet. Er soll die Entführung der beiden Kinder - damals zehn und 13 Jahre alt - vom Wohnsitz des Vaters in Dänemark organisiert und durchgeführt haben. Für seine freiwillige Aussage sicherten ihm die Ermittlungsbehörden sicheres Geleit zu.

Das Gericht erhofft sich von ihm Antworten auf die Fragen: Hat Christina Block die Entführung in Auftrag gegeben? Kannte die 52-Jährige die Pläne? Christina Block, Tochter des Gründers der Restaurantkette «Block House», Eugen Block, ist angeklagt, während eines langen Sorgerechtsstreits den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in der Silvesternacht 2023/24 in Auftrag gegeben zu haben.

Insgesamt gibt es sieben Angeklagte, darunter Christina Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling. Der frühere Sportmoderator ist wegen Beihilfe angeklagt. Der 66-Jährige betont, nichts Unrechtes gemacht zu haben.

Auch Block bestreitet den Anklagevorwurf. Nach ihren Angaben ging es bei dem ersten Treffen mit dem Chef der Sicherheitsfirma um das IT-System ihres Hotels «Grand Elysée». Die Cyber-Sicherheit des Hauses sollte getestet und verbessert werden. Bei der Entführung der Kinder habe die Firma auf eigene Faust gehandelt.

Der Zeuge, der nach eigenen Angaben ein Unternehmen für Cyber-Sicherheit leitet, begann chronologisch im Dezember 2022, als er zum ersten Mal in Israel von der Familie Block hörte. Detailliert schilderte er das erste Treffen mit Christina Block in einem italienischen Restaurant in Hamburg im Januar 2023. Dabei habe Block die Situation ihrer Kinder erklärt.

«Es war ein ganz emotionales Meeting», sagte der Zeuge nach den Worten einer Übersetzerin. In Anwesenheit des Anwalts der Block-Familie sei er gebeten worden, einen Plan zu erarbeiten. Er habe Daten sammeln sollen, die im Sorgerechtsstreit helfen könnten, den Jungen und das Mädchen zurückzubringen.

Zeuge soll für Geheimdienst gearbeitet haben

Nach Aussage eines früheren Zeugen soll der 68-jährige Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein. Einer der Verteidiger im Prozess hatte im November eine Zeugenaussage über den Israeli so zusammengefasst: Der Leiter der israelischen Sicherheitsfirma sei eine zentrale Figur in dem Fall. Als Mossad-Agent habe er sämtliche Manipulationstechniken erlernt und Legenden verkaufen können.

Zu seiner Person sagte der Israeli selbst lediglich, dass er nach seinem Militärdienst und einem Studium in Paris seinem Land ein Jahrzehnt lang gedient habe. Dann habe er ein Unternehmen für Medizintechnik aufgebaut. Er sei Vater von vier Kindern und habe vier Enkel. Der Zeuge gilt als Beschuldigter, gehört aber im aktuellen Prozess nicht zu den Angeklagten. 

Chatgruppe «Bring die Kinder zurück»

Der 68-Jährige berichtete weiter, er habe nach dem ersten Treffen ein Konzept entwickelt und an den jetzt ebenfalls vor Gericht stehenden Anwalt der Block-Gruppe übersandt. Darin habe er erwähnt, dass es auch einen Plan geben müsse, wie man die Kinder sicher zurückbringt, sollten sie in Gefahr sein. Er habe jedoch betont, dass keine Gewalt angewendet werden dürfe. 

Im Mailverkehr zwischen seinem Büro und einem Anwalt der Block-Gruppe sei es auch um die Kosten für die Arbeit seiner Firma gegangen. Es seien 250.000 Euro im Gespräch gewesen. Zu den ersten Maßnahmen gehörte den Angaben zufolge die Gründung einer Chatgruppe im Messengerdienst Signal. Diese sei «Bring die Kinder zurück» genannt worden. Die Observation des Hauses von Blocks Ex-Mann Stephan Hensel habe begonnen. Es seien zwei Kameras installiert worden. «Wir hatten die Aufgabe, solche Daten zu sammeln», sagte der Zeuge.

Doch die Erkenntnisse hätten nicht geholfen, die Kinder zurückzubringen. «Es gab viel Druck auf uns», sagte der 68-Jährige. Er habe schon abbrechen wollen, sei aber von Christina Block und ihrem Anwalt gebeten worden, weiterzumachen. Seine Mitarbeiterin, die sich in Hamburg Olga nannte, sei eine enge Vertraute von Block geworden.

Im Sommer 2023 sei es zu einer «tragischen Eskalation» gekommen, sagte der Zeuge weiter. Hensel habe die Kinder nicht zur im Sterben liegenden Großmutter nach Hamburg kommen lassen. Auch zur Beerdigung seien sie nicht gekommen. «Das muss man sich mal vorstellen», betonte der Zeuge. Die Verzweiflung von Christina Block darüber zu sehen, sei sehr berührend gewesen.

Im Herbst 2023 habe es Sorgen gegeben, dass Hensel etwas plane und zur Gefahr für die IT-Sicherheit des Hotels werden könnte. «Wir haben angeboten, die Sicherheit des Hotels zu überprüfen», berichtete der Zeuge. 

Doch gerade als es besonders spannend wurde und er bei seinen Erzählungen im November 2023 - also kurz vor der Entführung - ankam, sollte er auf Bitte der Vorsitzenden Richterin mit Blick auf die Uhr stoppen. Er solle am nächsten Verhandlungstag (Donnerstag) weiter aussagen.

Die Richterin gab einen rechtlichen Hinweis mit Blick auf den mitangeklagten Anwalt der Block-Gruppe: Der 63-Jährige könne auch wegen Untreue verurteilt werden, weil er die Anweisung gegeben haben soll, die Israelis über Wochen und Monate umsonst im Hotel zu beherbergen. Dadurch sei der Elysée Hotel AG ein Schaden von mindestens 200.000 Euro entstanden. Christina Block könne in dieser Sache wegen Beihilfe oder Anstiftung verurteilt werden. Auch die Einziehung von Wertersatz sei bei einer Verurteilung möglich.

Botschaft der Mutter an ihre Kinder

Zu Beginn des Verhandlungstages hatten sich mehrere Verteidiger Erklärungen zu einer Zeugenaussage vom vergangenen Verhandlungstag abgegeben. Blocks Anwalt Ingo Bott erklärte, dass man der neuen Frau von Hensel, Astrid Have, kein Wort glauben könne. Glaubwürdig sei lediglich ihre Äußerung, dass es den Kindern schlecht gehe. Das sei aber eine Folge, dass der Vater und seine neue Frau den Jungen und das Mädchen unrechtmäßig nach einem Besuch 2021 bei sich behalten hätten.

Christina Block richtete zu Beginn des Verhandlungstages einen emotionalen Appell an ihre Kinder. Sie wisse, dass über den Prozess in einem Live-Ticker berichtet werde, den die Kinder lesen würden, sagte Block den Tränen nah. Darum wolle sie ihnen versichern: «Ich stehe euch immer zur Seite.»

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