Mutmaßlicher Entführer: Feierte Rückkehr der Block-Kinder

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Zum ersten Mal ist im Block-Prozess vor dem Landgericht Hamburg ein Zeuge per Video befragt worden. Der 42-Jährige, der bei der gewaltsamen Rückholung der Kinder in der Silvesternacht 2023/24 einer der Fahrer gewesen sein soll, sitzt am 60. Verhandlungstag im weißen T-Shirt im Büro seines Rechtsanwalts in Israel. Das Bild der beiden wird an die Wand geworfen, ein paar Meter über den Köpfen der Angeklagten.

Der Mann schildert seine Gefühle nach der Aktion, die von den Prozessbeteiligten so unterschiedlich gesehen wird. Für die Anklage ist es eine Entführung. Mehrere Beschuldigte aus Israel geben dagegen an, sie seien von einer legalen Rettungsaktion ausgegangen - so auch der 42-Jährige in seiner Zeugenaussage.

«Das Gefühl war sehr gut»

«Man hat uns gesagt, es geht darum, die Kinder zu retten», sagt er laut Übersetzung. Seinen Worten zufolge hat ihnen das so der Chef der israelischen Sicherheitsfirma Cyber Cupola, David Barkay, erklärt, der die Rückholung organisiert haben soll. Er habe dem Mann alles geglaubt.

Barkay habe ihnen vermittelt, die Rückholung der Kinder vom «grausamen Vater» in Dänemark wieder zur Mutter, Christina Block, nach Hamburg sei nach deutschem Recht legal. Das hätten angeblich mehrere Rechtsanwälte bestätigt. Dazu sei ihnen auch ein Dokument gezeigt worden, sagt der Zeuge. Das Team habe aber geahnt, dass es eine «gewisse graue Zone» gebe, weil die Entscheidung wohl nicht in Dänemark gelte.

«Wir waren sehr bewegt»

Der damals zehn Jahre alte Junge und seine 13-jährige Schwester seien in Süddeutschland der Mutter übergeben worden, berichtet der Mann, der in Israel nach eigenen Angaben Projektmanager ist. «Christina hat sich bedankt bei uns.» Sie habe ihnen erzählt, dass sie ihre Kinder lange nicht gesehen habe. Ihre Worte hätten die Teammitglieder sehr berührt: «Wir waren sehr bewegt.» Er sei dann zurück in seine Heimat geflogen. Im Flugzeug habe er eine Flasche Wein bestellt, um zu feiern, dass die Kinder gerettet seien. «Das Gefühl war sehr gut.»

Christina Block bestreitet Anklagevorwürfe

Die Hamburger Unternehmerin Christina Block ist angeklagt, nach einem langen Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann eine israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder zu entführen. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, beteuert ihre Unschuld. Sie habe vorher nichts von den Tatplänen gewusst und sei Neujahr von der Nachricht überrascht worden, dass ihre Kinder in Deutschland seien.

Der Zeuge berichtet - wie die anderen Israelis - allerdings von einem kurzen Treffen Ende Dezember mit Christina Block in einem Hotel. Sie habe den maskierten Männern mit Tränen in den Augen viel Glück gewünscht. Allerdings nennt der Zeuge als Datum den 30. Dezember - andere Teammitglieder sprechen vom 28. Dezember. Block bestreitet, dass es ein solches Treffen gab.

Ihr Lebensgefährte Gerhard Delling (67) ist wegen Beihilfe angeklagt. Der frühere Sportmoderator hat erklärt, er habe nichts Unrechtes getan. Es gibt noch fünf weitere Angeklagte.

Die Kinder waren beim Beobachten des Silvesterfeuerwerks in einen Wagen gezerrt und nach Deutschland gebracht worden. Die Kinder hätten in dem Wagen gesessen, den er gesteuert habe, berichtet der 42-jährige Israeli. Es gab laut Anklage Gegenwehr des Vaters und der Kinder - darauf geht der Zeuge in seiner Aussage nicht ein.

Kinder sollten durch Wald laufen

Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt hakt nach. Er habe aus seiner Position nicht sehen können, was mit dem Vater geschehen sei, meint der Mann. Im Auto sei er so auf das Fahren konzentriert gewesen, dass er Reaktionen des Zehnjährigen und der 13-Jährigen nicht wahrgenommen habe. Er sei - vermutlich von Barkay - gebeten worden, das Handy eines der Kinder aus dem Autofenster zu werfen, erinnert sich der Zeuge.

Er sei allerdings stutzig geworden, dass die Wagen an einem Wald stoppen sollten, um zu Fuß zu gehen. «Die Kinder in einen Wald zu bringen, war mir ganz schön komisch.» Der Junge und das Mädchen sollten auf der deutschen Seite der Grenze in ein Wohnmobil steigen, das sie nach Süddeutschland brachte.

Zeuge sollte 10.000 Euro bekommen

Der Zeuge berichtet, Barkay habe ihm für seine Teilnahme an der Rückholaktion mindestens 10.000 Euro versprochen - er habe aber am Ende nur 6.000 Euro bekommen. Der Mann und weitere Beschuldigte aus Israel hatten sich mitten im laufenden Prozess gemeldet. Sie müssen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen. Für alle Beschuldigten in dem Fall gilt die Unschuldsvermutung.

Erst viel später habe er erfahren, dass alles anders gewesen sei, als es ihnen erklärt worden sei, sagt der Zeuge. Anlass war die Verhaftung eines Teammitglieds Ende September 2024 auf Zypern. Der 36-jährige Israeli ist der einzige Angeklagte, der in Untersuchungshaft sitzt.

Jahrelanger Sorgerechtsstreit und viele Vorwürfe

Christina Block und ihr Ex-Mann Stephan Hensel haben vier gemeinsame Kinder. Die älteste Tochter war nach einem Streit im Sommer 2021 mit Zustimmung der Mutter zu ihrem Vater nach Dänemark gezogen. Wenige Wochen später brachte Hensel die beiden jüngsten Kinder nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch zurück nach Hamburg.

Er erhob Gewaltvorwürfe, die Block als unwahr bezeichnet. Hensel habe die Kinder manipuliert, meint die 53-Jährige, die keinen Kontakt zu ihrem Sohn und ihren beiden Töchtern in Dänemark hat. Die zweitälteste Tochter blieb bei Block in Hamburg.

Die Vernehmung des mutmaßlichen Fahrers soll am Dienstag fortgesetzt werden. (dpa)


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