Pariser Polizei räumt traditionsreichen Boule-Club für Luxushotel-Erweiterung

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Die Bereitschaftspolizei ist in Paris angerückt, um einen traditionsreichen Boule-Club in der Nähe des Montmartre nach monatelanger Besetzung durch seine Mitglieder zu räumen. Vor den Augen etlicher Touristen trugen die Beamten am Montagnachmittag rund 80 protestierende Mitglieder des Boule-Vereins «Club Lepic Abbesses Pétanque» von dem Gelände, die sich dort als Zeichen des Widerstands auf den Boden gelegt hatten.

Die Stadt will das Gelände, auf dem der nach eigenen Angaben mitgliederstärkste Boule-Club der Hauptstadt seit 1971 aktiv ist, einem angrenzenden Luxus-Hotel für den Betrieb einer Gartengastronomie überlassen. Noch am Abend rissen die Ordnungskräfte das Vereinsheim auf dem Gelände ab, das nach Angaben des Clubs seit über 30 Jahren unter Denkmalschutz steht.

Boule-Spieler nutzten Platz seit über 50 Jahren

Gegen das drohende Aus seines «Boulodrome» war der Club seit gut zwei Jahren Sturm gelaufen. Über 13.000 Menschen unterschrieben eine Petition gegen den Rauswurf von dem Gelände. Der Club verbinde die ernsthafte Ausübung des Boule-Spiels mit Geselligkeit, hieß es in der Petition. Seit über 50 Jahren trage der Club zum Austausch zwischen Einwohnern aller Generationen bei. Zu seinen Mitgliedern gehörten Handwerker, Künstler und Rentner ebenso wie Kinder, Firmenchefs und Arbeitslose.

Der Boule-Club, der jahrzehntelang zum Flair des touristisch geprägten Viertels beitrug, hatte sich bei der Stadt lange Zeit vergeblich um eine Nutzungsvereinbarung für das Gelände bemüht. Ihre Räumungsaktion begründete die Stadt nun damit, die Boule-Spieler seien «Besetzer ohne Recht und Titel», wie die Zeitung «Le Parisien» berichtete.

«Schockierend ist, dass die Ordnungskräfte für einen privaten Betreiber arbeiten und einen denkmalgeschützten Ort zerstören», sagte der Präsident des Boule-Clubs, Nicolas Jammes, dem «Parisien». Der Direktor des Luxushotels habe das Gelände bereits am Mittag betreten und ein Banner aufstellen können, mit dem er für die künftige Gartengastronomie werbe. «Wir werden hier keinen Schlusspunkt setzen», sagten die Anwälte des Clubs, Clémentine Veltz und Margot Lecourt, während des Polizeieinsatzes. «Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden Rechtsmittel nutzen.»

Höchstes Gericht gab Stadt Recht

Dabei hatte das Boule-Gelände bereits vier Mal das Verwaltungsgericht beschäftigt, ehe der Staatsrat als höchstes Verwaltungsgericht des Landes im April zugunsten der Stadt und damit gegen die Boule-Spieler entschied. 15 Tage erhielt der Club, um das Gelände zu räumen, unter Androhung einer Strafe von 500 Euro pro Verzugstag. 

Seit dem höchstrichterlichen Entscheid hatten sich Club-Mitglieder abgelöst, um Tag und Nacht auf dem Gelände Wache zu schieben, für den Fall einer Räumung. Am Montag standen den Hobbysportlern dann Beamte der CRS gegenüber, die Bereitschaftspolizei, die sonst bei Ausschreitungen und Krawallen anrückt. Gewalt oder Verletzte gab es bei der Räumung des Boule-Geländes aber nicht. 

Politiker und Promis protestieren

Über die Polizeiaktion empörte sich der französische Linken-Abgeordnete Aymeric Caron. «Dieser Tag ist ein Drama für die Anwohnerinnen und Anwohner am Montmartre, die diesen Ort seit einem halben Jahrhundert jede Woche besuchen und heute wie Rowdys behandelt werden.» Und auch Schauspieler Fabrice Luchini regte sich auf, dass die Stadt Paris, dazu noch unter einem sozialistisch geführten Rathaus, den Luxustourismus dem beliebten Boule-Spiel vorziehe.

Ihre Boule-Kugeln müssen die Vereinsmitglieder trotz des Rauswurfes aber nicht einmotten. Dank der Solidarität eines Boule-Clubs in einem angrenzenden Stadtbezirk können die Hobbysportler vorerst das dortige «Boulodrome» nutzen und auch ihre Kurse für Schüler in dem typisch französischen Volkssport fortsetzen.


 

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