„Staatliches Attentat auf die Gastronomie“ – Mook attackiert Bundesregierung

| War noch was…? War noch was…?

Das Mook Magazin hat die geplante Verteuerung von Minijobs durch die Bundesregierung scharf kritisiert. In einem öffentlich verbreiteten Facebook-Beitrag bezeichnet das Magazin die Vorhaben als „staatliches Attentat auf die ohnehin schon schwer gebeutelte Speisegastronomie“. Der DEHOGA Baden-Württemberg hat die möglichen finanziellen Auswirkungen der verschiedenen Maßnahmen bereits berechnet. Demnach könnten die Arbeitgeberabgaben bei vollständiger Umsetzung aller Vorhaben von 31,17 auf 42,27 Prozent steigen.

Mook wirft der Bundesregierung vor, mit ihrer Arbeitsmarktpolitik insbesondere die Individualgastronomie zusätzlich zu belasten. Während die Politik ankündige, Arbeit attraktiver zu machen und die Lohnnebenkosten zu begrenzen, seien gleichzeitig höhere Abgaben für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse vorgesehen. Das Magazin spricht von einem „Minijob-GAU“ und einer „institutionalisierten politischen Paradoxokratie“.

Mook sieht vor allem die Individualgastronomie durch höhere Kosten bedroht

Besonders betroffen sieht das Magazin die handwerklich arbeitende Individualgastronomie. Restaurants benötigten zusätzliche Mitarbeiter häufig nur für einzelne Schichten, etwa an Wochenenden, bei Veranstaltungen oder während saisonaler Nachfragespitzen. Daraus ließen sich nach Darstellung des Magazins keine wirtschaftlich sinnvollen zusätzlichen Vollzeitstellen schaffen.

Mook bezeichnet Minijobs als eines der verbliebenen unternehmerischen Flexibilitätsinstrumente. Die geplanten Änderungen würden diese Beschäftigungsform für Betriebe verteuern. Das Magazin warnt angesichts der wirtschaftlichen Situation der Branche vor einem „regelrechten Pleite-Tsunami“.

Unternehmensschließungen und Umsatzrückgänge belasten das Gastgewerbe

Die wirtschaftliche Entwicklung der Branche dokumentieren verschiedene Untersuchungen. Nach einer Analyse des ZEW Mannheim und Creditreform wurden 2025 rund 15.000 Gaststätten und Beherbergungsunternehmen geschlossen. Das waren 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Bereits 2024 waren die Schließungszahlen um elf Prozent gestiegen.

Die Untersuchung unterscheidet ausdrücklich zwischen Unternehmensschließungen und Insolvenzen. Nicht jede Schließung ist auf wirtschaftliche Schwierigkeiten zurückzuführen. Zu den möglichen Gründen gehören auch das Alter des Inhabers oder eine fehlende Unternehmensnachfolge.

Auch die Umsatzentwicklung war rückläufig. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 20. August 2026 lag der reale Umsatz der Gastronomie im ersten Halbjahr 2026 um 5,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Nominal, also ohne Berücksichtigung der Preisentwicklung, stieg der Umsatz dagegen um 2,2 Prozent. Für das gesamte Gastgewerbe meldete die Behörde einen realen Umsatzrückgang von 5,2 Prozent.

DEHOGA berechnet zusätzliche Arbeitgeberkosten von mehr als 13.000 Euro

Die vom Mook Magazin kritisierten Änderungen werden in verschiedenen Gesetzgebungsverfahren behandelt. Der DEHOGA Baden-Württemberg hat ihre mögliche Gesamtwirkung in seinem Faktenpapier „Minijobs erhalten!“ vom 19. Oktober 2026 zusammengefasst.

Zum 1. Januar 2027 wird der pauschale Arbeitgeberbeitrag zur Krankenversicherung von bisher 13 Prozent auf den allgemeinen Beitragssatz zuzüglich des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes umgestellt. Diese Änderung ist bereits gesetzlich beschlossen. Der Verband verwendet für seine Berechnung einen Beitragssatz von 17,5 Prozent.

Weitere Kabinettsentwürfe sehen eine Erhöhung der Pauschsteuer von zwei auf fünf Prozent sowie einen zusätzlichen Arbeitgeberbeitrag zur Pflegeversicherung von 3,6 Prozent ab 2028 vor. Beide Maßnahmen sind noch nicht endgültig beschlossen.

Bei vollständiger Umsetzung aller Vorhaben würde die gesamte Arbeitgeberabgabenquote nach Berechnungen des Verbandes von 31,17 auf 42,27 Prozent steigen. Dies entspräche einer Erhöhung um 11,1 Prozentpunkte beziehungsweise relativ um 35,6 Prozent. Der DEHOGA weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich um eine Szenariorechnung und nicht um einen feststehenden Rechtsstand handelt.

Für einen Betrieb mit zehn Aushilfen an der jeweiligen Verdienstgrenze errechnet der Verband rund 13.150 Euro zusätzliche Jahreskosten. Gut 8.400 Euro davon entfielen auf höhere Abgabensätze. Die Mehrkosten ergeben sich aus höheren Abgabensätzen sowie der in der Szenariorechnung berücksichtigten Entwicklung der Lohnkosten.

DEHOGA fordert eine gemeinsame Folgenabschätzung aller geplanten Minijob-Änderungen

Der Verband kritisiert, dass die verschiedenen Maßnahmen getrennt voneinander behandelt werden. Eine gemeinsame Folgenabschätzung der kumulierten Belastungen liege nicht vor.

Nach einer vom DEHOGA angeführten Erhebung der Minijob-Zentrale von Ende 2025 verfügen rund 3,56 Millionen geringfügig Beschäftigte bereits über einen Hauptjob. Weitere 1,81 Millionen befinden sich im Rentenalter oder kurz davor. Rund 1,19 Millionen sind jünger als 25 Jahre. Das Potenzial für einen Wechsel in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung beziffert der Verband auf rund 370.000 Personen beziehungsweise 5,3 Prozent.

Der DEHOGA fordert, auf zusätzliche Pflegeversicherungsbeiträge für Minijobs zu verzichten, die Pauschsteuer bei zwei Prozent zu belassen und die beschlossene Krankenversicherungserhöhung erneut zu bewerten. Außerdem spricht sich der Verband gegen die Abschaffung des bisherigen Sonderstatus geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse aus, die von der Alterssicherungskommission empfohlen wurde. Ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren sei bislang nicht eröffnet worden.

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Barolo aus dem Piemont gehört zu den berühmtesten Weinen der Welt. Über Nacht bringt ein Diebeskommando Flaschen im Wert von mehreren Hunderttausend Euro in seinen Besitz. Die Suche läuft.

Von Künstlicher Intelligenz und Nachhaltigkeit bis hin zu Luxus-Hotellerie und Kreuzfahrt: Mit fünf neuen Hochschulzertifikaten erweitert die IST-Hochschule ihr Weiterbildungsangebot.

Der frühere Anwalt von Christina Block, Otmar Kury, tritt als Zeuge im Prozess auf. Wegen seiner Schweigepflicht darf er nur wenig sagen. Eine Botschaft aber ist ihm wichtig.

Die Arbeiterkammer Wien warnt vor einer aktuellen Betrugsmasche im Zusammenhang mit Buchungen über Booking.com. Kunden erhalten gefälschte E-Mails von vermeintlichen Unterkünften mit der Aufforderung, Buchungs- oder Kreditkartendaten zu bestätigen.

Zwei mit einer Schusswaffe ausgestattete Männer haben versucht, ein Hotel in Berlin-Siemensstadt auszurauben. Ein Rezeptionist wurde bei dem Überfall verletzt.

 

Das inzwischen abgerissene Hotel Rittersturz in Koblenz ist vom rheinland-pfälzischen Landtag als «Ort der rheinland-pfälzischen Demokratiegeschichte» ausgezeichnet worden. An das ehemalige Tagungshotel erinnert heute ein Denkmal.

Christian Rach übernimmt im Frühjahr 2027 erneut die Rolle des Restauranttesters bei RTL. Die Bekanntgabe markiert die Rückkehr zu jener Produktion, mit welcher er bereits in den frühen 2000er Jahren erfolgreich war.

Was passiert, wenn man die bayerische Spezialität nachmittags genießt? Eine Ernährungsexpertin bringt Klarheit in den Mythos und erklärt auch, wie lange die Weißwurst frisch im Kühlschrank bleibt.

Die Gerichte auf Mallorca sind völlig überlastet. Das bekommen auch die acht Hobbykegler aus dem Münsterland zu spüren, die auf der Urlaubsinsel bereits seit 2022 der Brandstiftung beschuldigt werden.

Die Wiesn steht in den Startlöchern. Welche Temperaturen der Deutsche Wetterdienst zum Beginn des 191. Oktoberfests derzeit vorhersagt, verrät ein Meteorologe.