Verteidiger im Block-Prozess: Rückholung nicht beauftragt

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Im Prozess um die Entführung der Block-Kinder haben die Verteidiger Stellung zur Zeugenaussage einer mutmaßlichen Kidnapperin genommen. Vieles passe nicht zusammen, sagte der Anwalt der Angeklagten Christina Block, Ingo Bott, am 55. Verhandlungstag in einer Erklärung vor dem Landgericht Hamburg. «Frau Block wusste nichts von dem, was geschehen wird.»

Es gibt in dem Prozess insgesamt sieben Angeklagte. Christina Block (53), der langjährige Anwalt der Familie Block, Andreas Costard (64), und ein 36-jähriger Israeli sind die Hauptangeklagten. Block und Costard wird vorgeworfen, einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung der Kinder vom Wohnort des Vaters in Dänemark erteilt zu haben. Vier weitere Personen, darunter Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling (67), stehen wegen Beihilfe vor Gericht. Bis auf den Israeli bestreiten alle Angeklagten, etwas Unrechtes getan zu haben.

Der Rückholaktion vorausgegangen war ein erbitterter Sorgerechtsstreit. Blocks Ex-Mann Stephan Hensel hatte die beiden jüngsten Kinder nach einem Wochenendbesuch im August 2021 in Dänemark nicht zurück nach Hamburg gebracht. Der Vater erhebt Gewaltvorwürfe gegen die Mutter und erklärt, die Kinder wollten keinen Kontakt mehr zu ihr. Block bestreitet die Anschuldigungen und wirft ihrem Ex-Partner wiederum vor, ihren Sohn und ihre Tochter manipuliert zu haben.

Aussage von «Olga» dauerte vier Prozesstage 

Die mutmaßliche Entführerin, die sich in Hamburg den Alias-Namen «Olga» gab, war laut Anklage «die rechte Hand» des Chefs der Sicherheitsfirma. Ihre Aussage hatte im Mai vier Verhandlungstage in Anspruch genommen. Sie und weitere Beschuldigte aus Israel hatten sich erst während des laufenden Verfahrens gemeldet und für ihre Zeugenaussagen sicheres Geleit bekommen. Sie müssen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einem Verfahren rechnen.

Auch Costards Verteidiger Marko Voß sah Widersprüche in der Aussage der Zeugin. Sie sei sichtlich darum bemüht gewesen, ihren eigenen Beitrag kleinzureden, sagte der Anwalt. Fest stehe: «Dr. Costard hat die hier angeklagte Tat nicht beauftragt.» Er habe weder Zeitpunkt noch Ort gekannt. Sein Mandant habe auch nie behauptet, eine Rückholung der Kinder nach Deutschland unter Anwendung von Gewalt sei legal. «Es war ein Exzess der israelischen Beschuldigten», betonte Voß.

«Olga» und Christina Block wurden Freundinnen

Die mutmaßliche Entführerin «Olga» hatte sich vor der Tat mit der Unternehmerin Christina Block angefreundet, die die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, ist. Die 51-Jährige sei nach seiner Überzeugung nicht in alle Pläne ihres Chefs David Barkay eingeweiht gewesen, sagte Bott.

Der Anwalt bestritt erneut, dass es ein Treffen zwischen seiner Mandantin und maskierten Entführern in einem Hamburger Hotel kurz vor der Tat gab. Der Bericht der Zeugin dazu sei nur wieder eine neue Variante der widersprüchlichen Aussagen der Israelis zu diesem vermeintlichen Termin. «Es passt nicht nur zeitlich nichts zusammen.»

Es sei zudem widersinnig, dass ein kommunikativer Mensch wie Frau Block keine Fragen zu dem Vorhaben gestellt haben soll. «Es gab keinen Frau Block bekannten Tatplan.»

Der Verteidiger eines angeklagten Israelis, Sascha Böttner, betonte dagegen erneut, das Treffen im Hotel zwischen Block und dem Team Ende Dezember 2023 habe stattgefunden. Die Zeugin habe vom äußeren Erscheinungsbild «harmlos und empathisch» gewirkt. «Sie vermittelte das Gefühl, dass es ihr um die Kinder ging.» Aber die Zeugin und Barkay hätten seinem Mandanten wichtige Informationen vorenthalten.

Der Angeklagte sei von Israel nach Deutschland und Dänemark gereist, weil sie ihm vermittelt hätten, Kinder müssten aus den Händen eines angeblich bösen Vaters gerettet werden. Hensel sei als «Psychopath» beschrieben worden, sagte Böttner. Sein Mandant hätte beispielsweise niemals bei der Aktion mitgemacht, wenn er gewusst hätte, dass es Vorwürfe des Vaters gab, die Mutter hätte ihren beiden jüngsten Kindern Gewalt angetan.

«Was meinen Sie, wie weh das tut?»

Blocks Verteidiger Bott ging an diesem Prozesstag zudem auf die Zeugenaussage eines Kinderpsychologen ein, der früher für Christina Block gearbeitet hatte. Die Schilderungen des 54-Jährigen seien «ein Fenster in die Seele von Frau Block» gewesen. Der Experte habe aufgezeigt, wie der Vater die Kinder der Mutter entfremdet habe und welche Gefahr das für ihre seelische Entwicklung bedeute. Frau Block habe nach Jahren ohne Kontakt zu ihren Kindern resigniert und niedergeschlagen gewirkt.

Bott monierte, die Nebenklage habe anschließend süffisant behauptet, der Vater habe die Mutter nie von den Kindern fernhalten wollen. «Was meinen Sie, wie weh das tut?» Dafür kassierte Bott eine Ermahnung der Vorsitzenden Richterin: «Sie schweifen ab.» Es gehe gerade nur um eine Erklärung zur Zeugenaussage des Psychologen.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Dann soll der Chef der mutmaßlichen Entführer, Barkay, seine Aussage fortsetzen. Er gilt als eine Schlüsselfigur in dem Fall. (dpa)


 

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