Wie sicher sind die Weihnachtsmärkte?

| War noch was…? War noch was…?

Während in Magdeburg der Prozess um den Anschlag auf den dortigen Weihnachtsmarkt läuft, werden vielerorts in Deutschland Marktbuden aufgebaut und Tannenbäume aufgestellt - oder sie stehen schon. Fast jede Stadt hat einen oder mehrere Weihnachtsmärkte, der Schaustellerbund spricht von bundesweit mehr als 3.250. Die Sicherheitsvorkehrungen haben die Veranstalter hochgefahren - für eine möglichst sichere Adventszeit. 

Spätestens seit dem islamistischen Terroranschlag 2016 in Berlin mit vielen Toten steht das Thema Sicherheit im Vordergrund. Im vergangenen Jahr verstärkte es sich weiter wegen des Anschlags eines Mannes mit einem Auto auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg und sechs Toten und Hunderten Verletzten. Erneut fragen sich viele Menschen: Wie sicher ist ein Besuch überhaupt? Wie gut sind die Märkte geschützt? 

Besucheransturm über mehrere Wochen

Allein Berlin kommt auf über 80 Weihnachtsmärkte, berühmt ist auch die Vielfalt der Märkte in Köln. In Nürnberg lockt der traditionelle Christkindlesmarkt, in Dresden der Striezelmarkt und in Esslingen bei Stuttgart der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt. Beliebt sind auch die Märkte in Erfurt, Saarbrücken, in Goslar, Lübeck oder in München. Einige sind über Wochen geöffnet, andere - zumeist in Dörfern - nur einen Tag. Sie ziehen bundesweit jedes Jahr rund 170 Millionen Besucherinnen und Besucher an.

Wie schätzen die Behörden die Sicherheitslage ein?

Die Polizeibehörden und Innenminister der Bundesländer und des Bundes verweisen seit Jahren mit immer wieder ähnlichen Worten auf die grundsätzlich bestehende Gefahr von Anschlägen. 

So sagte vor einigen Tagen auch wieder Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Radiosender Bayern 2, es gebe keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne und auch keine Drohungen. «Aber es gibt natürlich immer eine abstrakte Gefahr, ein gewisses Grundrisiko.»

Ganz ähnlich formuliert es in Rheinland-Pfalz Innenminister Michael Ebling (SPD). «Wir gehen in diesem Jahr wieder von einer abstrakt hohen Sicherheitslage und auch einer abstrakt hohen Gefährdung aus.» Es gebe aber keine konkreten Hinweise. 

Gewerkschaft der Polizei sieht angespannte Sicherheitslage

Die Gewerkschaft der Polizei spricht von einer angespannten Sicherheitslage in Deutschland. Generell gebe es eine größere Unsicherheit in der Bevölkerung. Zugleich würden der Wunsch nach Veranstaltungen geäußert - und nach mehr Polizei. Zur Adventszeit hieß es: «Je größer der Weihnachtsmarkt, desto höher der Schutzbedarf und die Verantwortung der Veranstalter.»

Besucher sollten die Polizei anrufen oder ansprechen, wenn Ungewöhnliches beobachtet werde. «Die Polizei selbst muss eine höhere und schnellere Verfügbarkeit von Einsatzkräften ermöglichen und sichtbar und ansprechbar auf Märkten anwesend sein.» Wenn alle Akteure intensiv zusammenarbeiten, ließen sich solche Veranstaltungen gut und ausreichend schützen. 

Wer ist zuständig für den Schutz? 

Dem Deutschen Schaustellerbund zufolge verfügt jeder Markt über ein mit den Behörden abgestimmtes Sicherheitskonzept. Das heißt, die Ordnungsbehörden der Stadt, Polizei, Rettungsdienste, Schausteller und Veranstalter prüfen jährlich die Lage und passen sie an. Absoluten Schutz gibt es nach Einschätzung von Experten jedoch nicht. 

Wie werden die Märkte geschützt?

Mit umfangreichen Maßnahmen versuchen Städte und Betreiber, ihre Weihnachtsmärkte so gut es geht zu schützen. Von koordinierten Sicherheitskonzepten ist in fast allen größeren Städten die Rede. Oft benutzt werden verschiedene Formen von Absperrungen an den Zufahrtsstraßen, damit Autos oder Lkw nicht auf das Gelände fahren können. 

Schwere Sperrelemente aus Beton oder Metall sind verbreitet. Dazu gehören auch einfache Betonblöcke. Daneben gibt es Poller, die aufgestellt oder im Boden eingelassen sind. Manche davon sind versenkbar. Bestimmte Metallelemente können hochgeklappt und bei Bedarf auch wieder abgesenkt werden. Daneben gibt es Polizeistreifen und Wachdienste. Seit 2024 gilt auf Weihnachtsmärkten in ganz Deutschland ein striktes Messerverbot.

In München wird der Markt videoüberwacht, ein Sicherheitsdienst ist im Einsatz. Die Polizei macht «in begründeten Fällen selektive Taschenkontrollen» In Nürnberg wurden die Ereignisse in Magdeburg 2024 berücksichtigt. Details zum Sicherheitskonzept wolle man aber nicht bekanntgeben.

In Hamburg wurden die Auflagen für einige Märkte verschärft. Zum Teil werden mehr Sperren in Form von schweren, mit Wasser gefüllten Containern aufgestellt. In Berlin sind Polizei und Innensenatorin wegen des Terroranschlags vor neun Jahren weiter besonders aufmerksam. Zum Teil werden angrenzende Straßen gesperrt, um Zufahrten mit Autos unmöglich zu machen. 

Wer bezahlt die Sicherheitsmaßnahmen?

Die Kosten müssen im Normalfall die Veranstalter und die Kommunen tragen. Nicht alle Städte geben die Zahlen bekannt. Teuer ist es aber überall, das gilt für große wie kleine Städte, ist zu hören. So hieß es etwa in Frankfurt am Main, dass die Ausgaben im sechsstelligen Bereich liegen. Zwei Sicherheitsunternehmen seien engagiert worden. Die Polizei sei stark vertreten.

Der Senat in Bremen hat drei Millionen Euro zusätzlich für Poller und Fahrzeugsperren sowie eine Videoüberwachung bereitgestellt. Magdeburg in Sachsen-Anhalt gab 250.000 Euro für neue mobile Sperren aus. In Halle (Saale) waren es sogar rund 600.000 Euro.

Städte verlangen finanzielle Unterstützung

Der Deutsche Städtetag fordert angesichts der hohen Sicherheitskosten mehr Unterstützung von Bund und Ländern. «Der Aufwand für die Sicherheit auf Weihnachtsmärkten und auch für andere Innenstadtveranstaltungen ist tatsächlich in den vergangenen Jahren enorm gestiegen.»

Veranstalter und Städte stünden vor enormen finanziellen Herausforderungen. «Viele der Maßnahmen, die hohe Kosten verursachen, sollen potenzielle Terroranschläge verhindern.» Terrorabwehr sei eigentlich keine kommunale Aufgabe. «Bund und Länder müssen in Zukunft die Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen übernehmen, die Terroranschläge verhindern sollen.» 

Wurden Märkte wegen hoher Kosten abgesagt?

Solche Fälle gab es, zum Beispiel im nordrhein-westfälischen Overath. Der Schaustellerbund recherchierte nach eigenen Angaben bundesweit und teilte mit, entgegen kursierender Beiträge in sozialen Netzwerken gebe es keine massenhaften Absagen. Es liegen demnach lediglich vereinzelte Absagen kleinerer Märkte vor. «Eine flächendeckende Gefährdung der Weihnachtsmarktkultur durch steigende Sicherheitskosten oder Terror-Warnungen ist nicht zu beobachten.»

Treibt die Menschen die Sicherheit auf Märkten um?

Sorgen vor Anschlägen auf Weihnachtsmärkten beschäftigen rund zwei Drittel (62 Prozent) der Menschen in Deutschland. Das ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Yougov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Auf die Frage: «In der Vergangenheit gab es Anschläge in Berlin und Magdeburg - macht Ihnen das Sorgen in Bezug auf einen Weihnachtsmarktbesuch?» antworten 22 Prozent mit «ja, sehr» und weitere 40 Prozent mit «ja, etwas». (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Christian Rach übernimmt im Frühjahr 2027 erneut die Rolle des Restauranttesters bei RTL. Die Bekanntgabe markiert die Rückkehr zu jener Produktion, mit welcher er bereits in den frühen 2000er Jahren erfolgreich war.

Was passiert, wenn man die bayerische Spezialität nachmittags genießt? Eine Ernährungsexpertin bringt Klarheit in den Mythos und erklärt auch, wie lange die Weißwurst frisch im Kühlschrank bleibt.

Die Gerichte auf Mallorca sind völlig überlastet. Das bekommen auch die acht Hobbykegler aus dem Münsterland zu spüren, die auf der Urlaubsinsel bereits seit 2022 der Brandstiftung beschuldigt werden.

Die Wiesn steht in den Startlöchern. Welche Temperaturen der Deutsche Wetterdienst zum Beginn des 191. Oktoberfests derzeit vorhersagt, verrät ein Meteorologe.

500 Euro sollte ein Tavernenbesitzer auf der griechischen Insel Syros zahlen, weil den Beamten der Fisch in seinem Kühlschrank zu frisch erschien, als dass die dazugehörige Rechnung stimmen könnte. Der Wirt ging dagegen vor.

An einer Bar in der Offenbacher Innenstadt hat es am frühen Morgen eine Explosion gegeben. Dabei gingen Schaufensterscheiben der Bar und eines gegenüberliegenden Cafés zu Bruch. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

Händler sollen alte Rennpferde mit gefälschten Papieren als Schlachtpferde verkauft haben. In den Niederlanden soll das Pferdefleisch dann zu Snacks wie Fleischbällchen und Kroketten verarbeitet und über den Großhandel vertrieben worden sein.

Wenn ein Passagier an Bord randaliert oder schon vor dem Abheben auffällig ist, gibt es verschiedene Ansätze für die Crew. In seltenen Fällen werden aggressive Passagiere am Sitz fixiert - so ist es kürzlich auf einem American-Airlines-Flug passiert.

Man kennt das in München: Ein paar Tage nach dem Start des Oktoberfests füllen sich Arztpraxen mit hustenden und schniefenden Menschen. Ein kleiner Piks kann das Erkältungsrisiko lindern.e

In einem Gastronomiebetrieb in der Konstanzer Bahnhofstraße ist es zu einem Brand in der Lüftungsanlage und einem Anbau im Küchenbereich gekommen. Alle Personen konnten den Gastronomiebetrieb und die angrenzenden Gebäude unverletzt verlassen.