Gerstners Gedanken: The World is fucked, so are you?

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Die Berliner Agenturbetreiberin Eva-Miriam Gerstner teilt ihre Gedanken mit euch: über die Hospitality- und Dienstleistungsbranche, über Trends, Innovationen und generell über die Lage der Welt – und wie man in diesem „neuen Normal“ am besten klar kommt. Sie spricht immer Klartext und dieses Mal ganz besonders – aus gegebenen Gründen.

Fangen wir damit an: „The world is fucked.“ Es tut mir leid, aber die ganze Misere lässt sich einfach besser auf englisch ausdrücken. 

Auf zwei Jahre Überlebenskampf in der Pandemie folgt jetzt der Krieg vor der eigenen Haustüre. Politik: schwierig. Leben: schwieriger. Allgemeiner Status: Es ist kompliziert.  Mit im (wirtschaftlichen) Schlepptau von all dem: steigende (Rohstoff-) Preise, laute (und richtige) Forderungen nach Erhöhung des Mindestlohns in Teilen der Dienstleistungsbranche, eklatanter Mitarbeiter*innen- und Fachkräftemangel und die all die anderen Herausforderungen/Innovationen des 21.Jahrhunderts.

Die Welt da draußen dreht sich immer schneller und wird immer lauter; die Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten, Equality-Themen wie Diversity und Fem-Powerment werden immer präsenter, die Forderungen nach neuen Arbeitszeiten und neuen Arbeitsweisen sind nicht mehr zu überhören. Die jüngeren Generationen erwarten mehr und Anderes. 

Gleichzeitig soll und muss das gesamte (Arbeits-) Leben immer grüner werden, vielfältigste neue Trends und Themen der Generation YZ sind gekommen, um zu bleiben, verschwinden aber auch manchmal direkt wieder. Social Media und die generelle Online-Performance wird immer wichtiger und nicht zu vergessen: der permanente Stress mit der Work-Life-Balance. 

Here we go: Fügt man zu den harten Fakten da draußen in der Welt noch die Softfacts zwischenmenschlicher Beziehungen hinzu, ist das Chaos perfekt. 

Positive Kommunikation untereinander wird gewünscht und überhaupt sehr viel Kommunikation. Klare Kommunikation. Wenig Hierarchiegefüge. Viel Mitbestimmung. Agilität und Flexibilität. Mitdenken ist gewünscht. Eigenständiges Arbeiten, immer am Ball, immer informiert, immer kundenorientiert. Oder marktorientiert. Am besten beides. 

Auch im privaten Umfeld haben sich die Lager verändert. Seit dem Frühling 2020 ist vieles anders. Das Leben ist sehr anders geworden. Menschen haben sich verändert. Meinungen und Mindsets ebenso. Neue private und berufliche Trends und Themen sind aus diesen unerwarteten Bedingungen entstanden. Gleichzeitig haben wir gelernt, das, was wir haben und hatten, wieder mehr wertzuschätzen. Die Beschränkungen haben neue Freiheiten hervorgebracht, waren an bestimmten Stellen Brandbeschleuniger längst überfälliger Themen. Jetzt leben wir damit.

Dieser ganze neue Kosmos im inneren und äußeren Leben ist laut. Sehr laut. Und sehr präsent. Für ganz viele Menschen bedeutet das Stress. Permanenten Stress, weil man sich schwer tut, die unabänderbaren Dinge zu akzeptieren, den Change zu verdauen und zu leben – und gleichzeitig auch irgendwie das gesamte Leben unter Kontrolle zu kriegen.

Manche ziehen sich zurück, manche werden laut, aggressiv, struggeln mit „Burnout“-Problemen, viele sind kraft-, motivations- und orientierungslos. Und irgendwie desillusioniert.

Alles ist gerade irgendwie neu. Und Neues muss immer angenommen, ausprobiert, angepasst und gelebt werden. Geben wir es ruhig zu: Der Ausbruch aus Gewohntem, der Exit aus der bekannten und gelernten Komfortzone, er ist nicht angenehm. Für niemanden. Veränderung ist immer anstrengend, tut oft weh und erfordert Mut und Durchhaltevermögen.

Aber: Es lässt sich nicht ändern. Das Leben ist jetzt so geworden, wie es nun mal ist. Das „neue Normal“, wie es viele schon während der Pandemie betitelt haben, ist angekommen, um zu bleiben. 

Wir müssen da durch. Unser altes Leben, das alte Businessmodell, anpassen. Weil, das Leben geht ja immer weiter, egal ob wir mitlaufen, passiv abwarten oder uns vehement dagegen stemmen.

Ergo: Insgesamt ist die Stimmung in weiten Teilen angsterfüllt, mies, gestresst und unfreundlich. Jeder ist „on the run“, versucht mitzuhalten. Die Kontrolle zu behalten. Festzuhalten, was da ist. Die, die nicht „positiv“ sind, müssen positiv sein und für die anderen mit durchhalten. Puh, welch Wortspiel.

Halten wir fest: The World ist fucked – doch sind wir es auch? 

Ich glaube nicht. Krise als Chance – was für ein blöder Wandkalenderspruch, der aber doch eine große Wahrheit in sich trägt. Jetzt, genau jetzt, haben wir die Chance, Veränderungen anzustoßen und zu implementieren. Menschen zu motivieren, zum Umdenken anstoßen und ready für das 21. Jahrtausend zu werden.  

Es gibt Lösungsansätze raus aus dem ätzenden Hamsterrad. Die voranschreitenden und angekommenen Veränderungen können wir nicht anhalten oder wegreden. Aber wir können uns, unsere Denk- und Arbeitsweisen, daran anpassen. Meine  3 Tipps, um sich und das eigene Umfeld in diesen herausfordernden Umbruchsphasen nicht zu verlieren:

1. Die eigene innere Stärke stabilisieren

Das mag ein ganz neuer und auch vermutlich auch eher „weiblicher“ Ansatz sein: Stress im Außen erfordert Ruhe im Inneren – und das gilt auch für „high level“ Manager*innen. Die Schärfung des eigenen Bewusstseins, das Vertrauen in die eigene Stärke und das Hören auf die innere Stimme hilft nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern hilft auch, die Managementkapazitäten in die richtige Richtung zu leiten. Den körperlich kräftezehrenden Stressphasen müssen Ruhephasen (aktive und passive)  folgen, das können wir uns von Profisportler*innen abschauen. „Awareness“ ist das Schlagwort der Stunde!

2. Priorisierung und Aufbau von Strukturprozessen

Was ist wirklich gerade sehr wichtig – und was kann warten? Was brennt, und was braucht mehr Aufmerksamkeit und Einarbeitungszeit? Eine klar definierte Priorisierungsliste mit Zeitangaben zur Dauer der Fertigstellung und entsprechenden Timelines hilft dabei, klar strukturiert durch den Arbeitsalltag zu kommen.

Sobald die Projekte entsprechenden Zeitschienen zugeordnet sind, brauchen diese Projekte Strukturen. Was sind Teilprojekte und wie erreicht man diese? Welche Prozesse müssen zur Erledigung aufgebaut werden? 

Der so entstandene Change-Plan ist super übersichtlich – und machbar! Zwar nicht jetzt gleich und sofort, aber Schritt für Schritt.

3. Zuteilung der Aufgaben

Man kann nicht alles alleine stemmen. Daher: Verteilt im Team die Aufgaben, fragt euer Netzwerk um Unterstützung oder holt euch externe Hilfe. Die oben eingeteilten Projekte und Teilprojekte, sowie die dazugehörigen Unteraufgaben, erhalten jeweils eine*n Verantwortliche*n, der/die sich im Lead darum kümmert.

Digitale Projektorgansiationsprogramme helfen, den Überblick zu wahren. Egal, wie klein oder groß das Unternehmen oder das Projekt ist. Zusätzliche regelmäßige Meetings, Rücksprachetermine und Abstimmungen miteinander erleichtern für alle den Überblick und die Statusabfrage. 

Im ersten Moment mag sich das seltsam anfühlen, alles aufzuschreiben, auch die eigene, innere Organisation. Jeden Projektteil darzustellen und klar zuzuordnen. Das alles bringt aber nicht nur eine definierte Struktur in den Change-Prozess, es schafft auch Klarheit im Kopf, in den eigenen Gedanken. Und mit diesem klaren Kopf und einem klaren Fokus auf das Ziel ist man so gar nicht mehr „fucked“, sondern mittendrin in der aktiven Veränderung.

Fragen, Anmerkungen oder sonst einen Kommentar? Schreibt unserer Autorin einfach eine Nachricht.  Mehr über Eva-Miriam und ihre Arbeit findet ihr hier www.ccm3-consulting.com – oder folgt ihr auf LinkedIn oder Instagram. Wer Interesse an einer Zusammenarbeit hat: Das erste Orientierungsgespräch ist immer kostenfrei.

Dieser Text erschien zurerst auf Nomyblog. Tageskarte sagt DANKE!

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