Jetzt geht’s los: Kick-off-Meetings schlau organisieren

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Der Kick-off ist der Anstoß im American Football, ein langer Schuss in die gegnerische Hälfte des Spielfeldes. Wie gut der Kick gelingt, kann für den weiteren Spielverlauf entscheidend sein. Auch das Kick-off-Meeting im Job, das Auftakttreffen aller Beteiligten für ein neues Projekt, ist mehr als nur ein Startschuss.

«Das Kick-off-Meeting ist ein wichtiges Instrument, um Identifikation mit dem gemeinsamen Projekt herzustellen», sagt Timo Braun, Professor am Institut für Arbeitswissenschaft und Prozessmanagement der Universität Kassel. Schließlich seien an immer mehr Projekten gleich mehrere Organisationen beteiligt - oft mit diversen Dienstleistern und Subunternehmen, die sich vor allem ihrem Unternehmen zugehörig fühlen.

Je mehr virtuell zusammengearbeitet werde, umso wichtiger sei das Auftakttreffen zudem als «sozialer Kitt» des Projekts, so Braun, der zum Thema Projektmanagement forscht. Er plädiert deshalb dafür, sich zumindest für diesen Termin in Präsenz zu treffen: «Das physische Zusammenkommen legt eine Grundlage, die es später sehr viel leichter macht, aufeinander zuzugehen.» Etwas, das vor allem wichtig wird, wenn während des Projekts unvorhergesehene Situationen auftreten oder kaum planbare Aufgaben erledigt werden müssen.

Verantwortlichkeiten klären

Die zentralen Fragen, die im Kick-off-Meeting auf den Tisch gehören, sind nach Ansicht der Unternehmensberaterin Sabine Peipe: «Warum machen wir das und wie machen wir das?»

Klare und sachliche Antworten auf die Frage nach dem «Warum» seien vor allem bei Veränderungsprojekten entscheidend für die Akzeptanz des Vorhabens, so Betriebswirtin Peipe. Also etwa dann, wenn ein Unternehmensbereich umstrukturiert werden soll oder die Digitalisierung von Arbeitsabläufen ansteht. «Die Projektleitung muss den Teilnehmern Orientierung geben. Wohin soll die Reise gehen, welchen Nutzen hat das Projekt?»

Das Projektziel auf einem Flipchart zu notieren - damit ist es allerdings nicht getan, vor allem nicht bei komplexeren Projekten. «Die Akteure starten oft nicht mit dem gleichen Zielverständnis», sagt Timo Braun. Jeder Beteiligte habe eigene Interessen. «Das muss harmonisiert werden.» Und auch wenn dieser Schritt vollzogen ist, gilt: «Die Ziele sollten nicht nur auf dem Papier stehen, es muss sich auch jemand dafür verantwortlich fühlen.»

Absprachen über die Rollen und Verantwortlichkeiten der Beteiligten im Projekt sind deshalb ein wesentlicher Bestandteil des Kick-off-Meetings. Eingeladen werden sollten zudem nach Möglichkeit nicht nur die Projektmitarbeiter, sondern auch die Chefs und Chefinnen der betroffenen Abteilungen. «Denn sie entscheiden über die Ressourcen», sagt die Trainerin für Projektmanagement Sabine Peipe. Also beispielsweise darüber, wie viel Zeit für das Projekt aufgewendet werden darf.

Von der Vorstellungsrunde zur Feinabstimmung

Neben einer Vorstellungsrunde sollte während des Kick-off-Meetings zudem Raum sein für informelle Gespräche, etwa am Bistrotisch: «Schließlich bildet man ein Team mit Menschen, mit denen man womöglich noch nie zusammengearbeitet hat. Da haben die Beteiligten verständlicherweise das Bedürfnis herauszufinden, ob man sich aufeinander verlassen kann», sagt Peipe.

Ist das Projekt erst einmal angelaufen, wird man weniger am Stehtisch miteinander sprechen, sondern wieder auf den üblichen Kommunikationskanälen, per E-Mail oder Messenger, im Online- oder im Präsenz-Meeting. Welche Kanäle wie genutzt werden sollen - auch das müsse deshalb unbedingt Thema des Kick-off-Termins sein, sagt Timo Braun: «Es sollte festgelegt werden, wie häufig man sich trifft, welche regelmäßigen Formate man nutzt und wer an welchen Runden teilnimmt.»

Strategische Treffen erfordern einen anderen Teilnehmerkreis als operative Abstimmungsgespräche. Online- und Daten-Tools können die Zusammenarbeit unterstützen, «aber auch Probleme verursachen, beispielsweise wenn nicht alle Beteiligten den gleichen Wissenstand haben oder Systeme nicht miteinander kompatibel sind», sagt Braun. All das muss angegangen werden.

Gute Projektleiterinnen und Projektleiter hätten in organisatorischen Fragen «vor Augen, wie es funktionieren könnte, geben aber nicht alles vor», empfiehlt der Projektmanagement-Experte. «Im Idealfall kommen Vorschläge aus der Gruppe. Die Bereitschaft, für deren Realisierung Verantwortung zu übernehmen, ist dann viel größer.»

Auch Einwände ernst nehmen

Und nicht immer stößt man mit einem neuen Projekt auf pure Begeisterung. Auf Einwände sachlich zu reagieren, sei dennoch oberstes Gebot, sagt Sabine Peipe. Wenn sie Projektleiter coacht, rät sie ihnen, Hinweise oder Einwände nicht als Querschüsse zu begreifen, sondern sich für den Input zu bedanken. Und nicht vergessen: «Die Teilnehmer sind die Fachleute, als Projektleiter ist man auf ihr Wissen angewiesen.»

Im Übrigen gehe es weniger um Jubel und Beifall, so Peipe. Sondern schlicht darum, «dass das Projekt mit seinen Zielen akzeptiert wird».

Wie gut das Kick-off-Meeting war, ob es die Weichen richtig gestellt hat und der organisatorische Rahmen klug gesetzt wurde, merkt man spätestens bei der ersten Krise. Wenn sich dann erst herausstellt, «dass die Dinge falsch aufgegleist wurden», sagt Timo Braun, «dann lässt sich die Richtung nur schwer wieder ändern». (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Mittagspause in Deutschland schrumpft: Laut einer neuen Compass-Studie nehmen sich immer weniger Beschäftigte Zeit für eine Hauptmahlzeit, während der Stresspegel steigt. Die Ergebnisse verdeutlichen eine wachsende Schere zwischen dem Wunsch nach Erholung und der betrieblichen Realität.

Düsseldorf meldet für 2025 einen neuen Übernachtungsrekord von 5,67 Millionen. Während die Internationalisierung und das Messegeschäft boomen, kämpft die Hotellerie trotz Rekordnachfrage mit sinkenden Raten.

Die Beschäftigung im Gastgewerbe sinkt erstmals seit einem Jahr wieder unter das Vorkrisenniveau. Während die Zahl der offenen Stellen leicht steigt, melden Hotellerie und Gastronomie wachsende Arbeitslosenzahlen.

Wer gerade im Nahen Osten festsitzt, kann höchstens mobil arbeiten. Warum das arbeitsrechtlich womöglich heikel ist und welche Risiken Arbeitgeber und Beschäftigte in solchen Fällen kennen sollten.

Struktureller Wandel bei der dfv Mediengruppe: Die eigenständige redaktionelle Arbeit der Fachmedien tw tagungswirtschaft und m+a report wird zum 31. März 2026 eingestellt. Die Marken werden in die veranstaltungsorientierte dfv Conference Group überführt.

Ferienzeit, alle wollen weg – aber wer darf zuerst? Arbeitgebende müssen bei der Urlaubsplanung soziale Aspekte berücksichtigen. Das kann bedeuten, dass Eltern Vortritt haben, muss es aber nicht.

Rund 8,70 Euro für eine Tasse Cappuccino - dieser Preis an einer Raststätte in Österreich sorgte zuletzt für Aufsehen. Doch anderswo in Europa werden vereinzelt zweistellige Preise für Kaffee verlangt. Wie leistbar ist das Getränk in europäischen Ländern? Ein Überblick

Die erweiterte Verdienstungleichheit in Deutschland stagniert. Laut aktuellem Bericht des Statistischen Bundesamtes liegt der Gender Gap Arbeitsmarkt weiterhin bei 37 Prozent, wobei erhebliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen bleiben.

Das deutsche Gastgewerbe kämpft weiterhin mit den Folgen der Krise. Im Jahr 2025 lagen die realen Umsätze fast 15 Prozent unter dem Niveau von 2019. Steigende Kosten und eine schwache Konsumstimmung belasten die Betriebe trotz nominaler Zuwächse.

Die aktuelle Dehoga-Umfrage zum Jahresauftakt 2026 belegt eine anhaltende Flaute im Gastgewerbe. Hohe Personalkosten und bürokratische Hürden belasten die Betriebe nach dem sechsten Verlustjahr in Folge massiv.