Kita bis Kantine: Welche Benefits sich für Berufstätige lohnen

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Auf das Gehalt kommt noch etwas obendrauf. Nein, kein Geld, sondern: Benefits. Das sind attraktive Angebote, mit denen Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels gute Mitarbeiter anlocken, motivieren und letztendlich langfristig an sich binden wollen.

Oft wollen die Arbeitgeber schon in Jobinseraten damit punkten. Sie stellen den Bewerbern einen Firmenwagen, Mitarbeiterrabatte oder ein Tablet auch zur privaten Nutzung in Aussicht. Kostenlose Getränke, jeden Tag frisches Obst gratis - die Palette der möglichen Benefits ist groß. Doch aufgepasst: Bewerber und Mitarbeiter sollten sich nicht blenden lassen.

«Wichtig ist, angebotene Benefits auf den persönlichen Nutzen hin zu überprüfen», sagt Silvia Hänig. Die Chefin der Münchner Kommunikationsberatung ikom ist Sprecherin des Bundesverbands der Personalmanager (BPM) in Berlin.

Angebote auf persönlichen Nutzen hin prüfen

Wer etwa in der Produktion eines Unternehmens tätig ist, für den können unternehmensinterne Trainingsprogramme zum Ausgleich oder Betriebssport ganz allgemein reizvoll sein. «Das muss aber nicht unbedingt so sein, denn manch einer will nach Feierabend schlicht seine Ruhe haben», so Hänig. Ähnlich ist es mit einem Betriebskindergarten: «Was bringt einem eine solche Einrichtung, wenn man gar keine Kinder hat?»

Es gibt Arbeitnehmer, die es schätzen, jeden Tag in der Firma in eine Schale mit frischem Obst greifen zu können oder sich kostenlos Kaffee oder Wasser zu nehmen. «Solche Benefits bringen aber wenig, wenn der Arbeitgeber zum Beispiel den Mitarbeitern überhaupt nicht zugewandt ist», sagt Ute Gietzen-Wieland, Business- und Mental-Coach in Bielefeld. Dann, fügt sie hinzu, «reißt es auch der Obstkorb nicht heraus.»

Parkplatz statt Dienstwagen

Auch ein Firmenwagen ist nicht unbedingt von Nutzen, wenn der Arbeitnehmer in einer Großstadt lebt und ohnehin lieber den öffentlichen Personennahverkehr nutzt - weil er dann nicht im Stau stehen muss und die Fahrtzeit mit Lesen oder Arbeiten ausfüllen kann.

Sinnvoll kann es dagegen für einen Arbeitnehmer sein, wenn er mit dem Auto - egal, ob mit einem Firmenwagen oder mit dem Privat-Pkw - zur Arbeit kommt und sein Arbeitgeber ihm kostenlos einen Parkplatz zur Verfügung stellt. Darauf weist Hanne Bergen, Karriere-Coach in Hamburg, hin.

Eine solche Zusatzleistung können beide Seiten, also Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sogar vertraglich vereinbaren. «Klassische Benefits dagegen sind in aller Regel nicht Bestandteil des Vertrags», erklärt Bergen. Der Arbeitgeber gewährt sie, ist dazu aber nicht verpflichtet. Und: Er kann sie, zum Beispiel in wirtschaftlich schlechten Zeiten, jederzeit einstellen.

Für die Unternehmen springt selbst etwas raus

Generell profitieren die Arbeitgeber oft selbst von den Zusatzangeboten. Sie sorgen mittels guter Benefits nicht nur für motivierte Mitarbeiter, sondern sparen zudem Geld. Denn Benefits sind in vielen Fällen mit Abstand günstiger als eine Lohn- oder Gehaltserhöhung, weil es sich dabei um steuerfreie Vorteile handelt.

Nach dem Einkommensteuergesetz sind die monatlichen Sachbezüge von bis zu 44 Euro pro Mitarbeiter abgabenfrei. Steuerlich begünstigt ist die Zuwendung des Arbeitgebers an den Beschäftigten aber nur dann, wenn sie nicht als Bargeld ausgezahlt wird, sondern beispielsweise als Gutschein. So bekommen Mitarbeiter dann etwa in einem bestimmten Geschäft Rabatte.

Ein Benefit, mit dem ein Unternehmen fast alle seine Mitarbeiter überzeugen kann: «Das ist eine sehr gute Kantine», sagt Bergen. Beschäftigte würden es zu schätzen wissen, wenn sie in der Firma täglich frisch gekochtes Essen in hoher Qualität und mit wenig Zusatzstoffen angeboten bekommen. «Das fördert die Leistungsbereitschaft ungemein», so Bergen.

Unterstützung für Familien

Teamevents, gemeinsame Reisen oder Weiterbildungsangebote können je nach persönlichen Vorlieben ebenfalls gute Benefits sein. «Grundsätzlich kommen bei Beschäftigten auch flexible Arbeitszeiten gut an, um Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren», sagt Hänig.

Die Möglichkeit, mal von zu Hause aus zu arbeiten oder den Hund mit ins Büro bringen zu dürfen, spricht viele Arbeitnehmer an. Hänig weiß von Unternehmen, die als Serviceleistung im Rahmen von Familienprogrammen unter anderem ein Notfalltelefon anbieten. Hierbei helfen Ehrenamtliche, wenn für Angehörige eines Beschäftigten Pflege zu organisieren ist oder nach einem freien Kita-Platz Ausschau gehalten werden muss.

Privilegien können Bewerber nicht einfach einfordern

Bewerber können bei Vorstellungsgesprächen ihre persönlichen Wünsche in Sachen Benefits äußern. «Eine Forderungshaltung bringt hier aber nichts, denn Privilegien muss man sich erst einmal verdienen», sagt Coach Ute Gietzen-Wieland.

Das beste Benefit ist eine offene, faire und wertschätzende Unternehmenskultur mit transparenten Entscheidungswegen, sagt Bergen. Ohne ein solches Miteinander bringen der tollste Firmenwagen, die beste Kantine und die attraktivsten Mitarbeiterrabatte nichts.

Von Sabine Meuter, dpa


 

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