Eine Sonderauswertung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum DGB-Ausbildungsreport 2026 stellt die Arbeitsbedingungen von Auszubildenden im Hotel- und Gastgewerbe sowie im Lebensmittelhandwerkkritisch dar. Die Gewerkschaft verweist insbesondere auf psychische Belastungen, Überstunden und eine vergleichsweise niedrige Ausbildungszufriedenheit.
Nach der von der NGG vorgelegten Auswertung berichten 64,7 Prozent der Auszubildenden im Hotel- und Gastgewerbe von psychischen Belastungen. Im Lebensmittelhandwerk sind es 62,3 Prozent. Zum Vergleich: Über alle Ausbildungsberufe hinweg liegt der entsprechende Anteil laut der Auswertung bei 50,6 Prozent.
Unterschiede bei Arbeitszeiten
Auch bei den Arbeitszeiten sieht die Gewerkschaft Unterschiede. 49,0 Prozent der Auszubildenden im Hotel- und Gastgewerbe leisten demnach regelmäßig Überstunden, 24,6 Prozent arbeiten regelmäßig mehr als 40 Stunden pro Woche. Die Ausbildungszufriedenheit wird mit 55,9 Prozent angegeben, während der Durchschnitt aller Auszubildenden bei 65,7 Prozent liegt.
Die NGG hebt außerdem hervor, dass fast jeder Zweite häufig oder immer krank beziehungsweise trotz gesundheitlicher Beschwerden zur Arbeit komme. Angaben dazu, wie sich die Werte beispielsweise nach Betriebsgröße, Ausbildungsbetrieb oder konkreten Tätigkeiten unterscheiden, enthält die vorliegende Sonderauswertung nicht.
Für das Lebensmittelhandwerk nennt die Gewerkschaft 31,9 Prozent regelmäßig geleistete Überstunden. 24,5 Prozent der Auszubildenden fühlten sich demnach überfordert, 26,5 Prozent hätten bereits häufiger über einen Ausbildungsabbruch nachgedacht. Zugleich werde die Ausbildungsqualität schlechter bewertet als im Durchschnitt.
"Personalmangel und Arbeitsverdichtung für viele Alltag"
Die Bewertung der Zahlen ordnet die NGG erwartungsgemäß aus gewerkschaftlicher Sicht ein. Die stellvertretende NGG-Vorsitzende Claudia Tiedge macht insbesondere Personalmangel und Arbeitsverdichtung für die Belastungen verantwortlich. Sie fordert Veränderungen bei Arbeitszeiten, Ausbildungsqualität und Gesundheitsschutz.
Als Gegenbeispiel führt die NGG tarifliche Verbesserungen bei den Ausbildungsvergütungen im Lebensmittelhandwerk an. Tiedge erklärt, dort, wo Arbeit tariflich geregelt sei, zeigten sich positive Auswirkungen. Aus Sicht der Gewerkschaft seien faire Arbeitszeiten, Ausbildungsqualität und Gesundheitsschutz mitentscheidend dafür, ob junge Menschen in den Berufen blieben.
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