Versorgungs-Kits und Hotels: So helfen Städte in Europa Obdachlosen

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus haben es Menschen ohne feste Unterkunft besonders schwer, sich zu isolieren. In Deutschland fordern Politiker und Verbände neue Unterkunftsangebote nach dem Auslaufen der Kältehilfe. Eine allgemeine Ausgangssperre, wie sie in mehreren europäischen Staaten bereits verhängt wurde, verschärft die Lage der Obdachlosen dort. Das unternehmen europäische Städte, um zu helfen:

Spanien: Im Madrider Messegelände Ifema wurden 150 Feldbetten für Obdachlose aufgestellt, die keine Covid-19-Symptome haben. Auch ein Hotel und eine Pension in der Hauptstadt hätten ihre Pforten für wohnsitzlose Menschen geöffnet, so das Blatt «ABC». Die Regierung kündigte an, im ganzen Land täglich an bestimmten Punkten Kits mit Hygieneartikeln, Lebensmitteln und Getränken zu verteilen. Dort können sich Obdachlose auch die Temperatur messen lassen und über das Virus informieren. «Obdachlose sind extrem verwundbar und brauchen unseren Schutz», sagte Madrids Vize-Bürgermeisterin Begoña Villacís.

Viele Obdachlose leben in Madrid aber trotz Ausgangssperre weiter auf der Straße - und ziehen sich die Decke fest über den Kopf oder versuchen sich in selbstgebauten Unterkünften aus Plastik und Pappkartons zu schützen. Das Portal «20minutos» zitierte einen Betroffenen: «Es tut weh, ohne ein Dach über dem Kopf alles zu tun, um sich zu isolieren - und dann Leute zu sehen, die ein Haus haben und die Maßnahmen nicht befolgen.» Zudem mache es vielen Obdachlosen zu schaffen, dass auch die öffentlichen Toiletten geschlossen wurden: «So können wir uns nicht zivil verhalten.»

Frankreich: Allein in der französischen Hauptstadt Paris leben nach Angaben der Stadt mehr als 3500 Menschen ohne einen festen Wohnsitz. Landesweit seien Notunterkünfte in Turnhallen geöffnet, sagte der für Wohnungsbau zuständige Minister Julien Denormandie am Freitag dem Radiosender Sud Radio. Diese seien aber für Obdachlose gedacht, die nicht an Covid-19 erkrankt seien. Für Menschen mit einer nicht schwer verlaufenden Infektion müssten auch Hotelzimmer zur Verfügung stehen, damit sie isoliert werden könnten, forderte Denormandie in der Tageszeitung «Le Parisien». Cannes stellt sein riesiges Kongresszentrum zur Verfügung, in dem im Mai das berühmte Filmfestival hätte stattfinden sollen, das wegen der Corona-Pandemie erstmal verschoben wurde. Wie die Verwaltung der Stadt an der Côte d'Azur erklärte, soll das rund 35 000 Quadratmeter große Zentrum ab diesem Wochenende sowohl Obdachlose beherbergen als auch im gegebenenfalls zu einer provisorischen Krankenstation umfunktioniert werden.

Der Staat müsse außerdem Freiwillige und Angestellte gemeinnütziger Einrichtungen für Obdachlose mit Schutzausrüstung gegen das Coronavirus ausstatten, sagte die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, der Zeitung. Auch die Winterunterkünfte der Stadt sollten nun länger geöffnet bleiben. In seinem Becher lande wegen der Ausgangssperre weniger Kleingeld, sagte ein Betroffener am Ufer der Seine. Ein großes Problem sind zudem die geschlossenen öffentlichen Toiletten, wie der Mann sagte.

Italien: In der Stadt Verona hat man sich entschieden, die Obdachlosenunterkünfte länger als üblich zu öffnen. Es gebe dort städtische Unterkünfte mit rund 250 Betten. Diese würden jetzt den ganzen Tag offen sein, statt nur nachts, teilte die Stadt mit.

Besonders die katholische Kirche schlug im März mehrmals Alarm: Menschen ohne eigene Wohnung, ohne Rücklagen und ohne regelmäßiges Einkommen würden während des Gesundheitsnotstandes doppelt leiden. Papst Franziskus nahm sie ausdrücklich in Gebete mit auf. Der Vatikan gab der katholischen Hilfsorganisation Caritas extra Geld, um Obdachlosen zu helfen. Und Priester vor Ort im besonders betroffenen Norden des Landes organisierten Unterstützung.

In den Tourismuszentren Italiens leben in normalen Zeiten viele Menschen vom Betteln und von Straßenmusik. All das fällt als Einkommen weg, seitdem die Touristen nicht mehr kommen.

(dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Unter den jüngeren Rentnerinnen und Rentnern in Deutschland steigt der Anteil der Erwerbstätigen. Besonders Selbstständige sind oft viele Stunden pro Woche aktiv.

In den USA nehmen Fälle der Magen-Darm-Erkrankung Cyclosporiasis kein Ende. Bereits Hunderte Krankenhausaufenthalte hat der Parasit verursacht. Im Verdacht steht ein unscheinbares Lebensmittel.

Die Zahl der Brauereien in Deutschland ist im Jahr 2025 auf 1.415 gesunken - ein Rückgang um 3,6 Prozent. Fast alle Bundesländer sind betroffen, Ausnahmen bilden Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Das OLG Hamburg hat eine Entscheidung zu anonymen Bewertungen rechtskräftig werden lassen. Arbeitgeber können unter bestimmten Voraussetzungen die Löschung einer Bewertung verlangen, wenn ein geschäftlicher Kontakt nicht überprüfbar ist.

Ab dem 27. September 2026 gelten strengere Regeln für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen. Der große Tageskarte-Check zeigt, welche Formulierungen, Werbemittel und Kommunikationskanäle Hotels und Restaurants jetzt überprüfen sollten – von der Website bis zur Speisekarte. Tipps von der Tageskarte-Redaktion.

Ab dem 27. September 2026 gelten strengere Regeln gegen Greenwashing. Die neue EmpCo-Richtlinie verpflichtet Hotels, Restaurants und andere touristische Betriebe dazu, Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen konkret zu belegen – von der Website bis zur Speisekarte.

Wer in einem befristeten Arbeitsverhältnis ist, kann nicht immer einfach kündigen. Es gibt klare Richtlinien, die zu beachten sind.

Das Checken von E-Mails oder die schnelle Teilnahme an einem Online-Meeting sind für viele auch im Urlaub nicht ungewöhnlich. Doch ist das auch gut - für Arbeitgeber und Arbeitnehmer?

Während der Hitzewelle Ende Juni 2026 stieg der Absatz von Wasser, Speiseeis und Erfrischungsgetränken deutlich an. Das Statistische Bundesamt meldet für mehrere Warengruppen die höchsten Verkaufszahlen seit Anfang 2023. Der Absatz von alkoholfreiem Bier lag 38 Prozent über dem Vergleichswert.

Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Juli auf 86,6 Punkte gestiegen. Im Dienstleistungssektor verbesserte sich unter anderem die Stimmung der Reiseveranstalter, während auch Handel, Industrie und Bau positivere Erwartungen meldeten.