Corona-Lockerungen - Saarland tanzt und genießt ohne Maske und Abstand

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Im Saarland gelten nach eineinhalb Jahren Corona-Pandemie wieder fast alle Freiheiten. Eine Woche, nachdem die Regierung die Corona-Bestimmungen deutlich gelockert und das «Saarland-Modell Plus» eingeführt hat, herrscht in der Gastronomie- und Veranstaltungsbranche Aufbruchstimmung. Vor allem in den Clubs, die eineinhalb Jahre komplett geschlossen waren, nutzen Betreiber und Besucher die neuen Möglichkeiten. Bei ihnen herrschen nur noch die 3G-Bestimmungen für Genesene, Geimpfte und Getestete - Einschränkungen bei Personen pro Quadratmeter, Abständen und die Maskenpflicht wurden aufgehoben.

«Es läuft», sagte Julian Blomann vom PopRat nach einer Blitzumfrage unter den Mitgliedern. «Der allgemeine Tenor ist: Das Angebot wird sehr gut angenommen und die Stimmung ist hervorragend!» Auch in seiner Agentur Erlebnisraum spürt Blomann, dass die Ticketverkäufe «deutlich anziehen». Zwar sei man beim Kartenvorverkauf etwa für Dinner-Events oder Varietés noch nicht auf dem Niveau von 2019, «aber wir spüren schon, dass mehr geht».

Für den PopRat, den Interessenverband der saarländischen Kultur- und Eventbranche, ist die neue saarländische Regelung ein «mutiger, aber auch wichtiger und überfälliger Schritt zurück zur Normalität» gewesen. Und nach 18 Monaten der Pandemie, in denen die rund 20 saarländischen Clubs komplett geschlossen gewesen seien, wieder ein Lichtblick.

Auch beim Hotel- und Gaststättenverband ist man erleichtert über die «mutige und konsequente Entscheidung» der Landesregierung, das Saarland-Modell in dieser Form fortzusetzen. Allerdings wird dieses Angebot hier noch nicht bis ins Letzte ausgenutzt. «Meine Erfahrung im Moment ist, dass sich die Branche herantastet», sagte Dehoga-Geschäftsführer Frank C. Hohrath. Derzeit herrsche noch eine Phase, in der man auslote, «wie weit die Gäste mitgehen».

So hätten bei weitem nicht alle Gastronomen ihre Lokale wieder so bestuhlt wie vor Corona. Zum einen, weil das Personal fehle, um alle Tische zu bedienen, zum anderen, weil man das Feedback der Gäste abwarte. «Die sind natürlich froh, wieder ein Stück Normalität bekommen zu haben», räumte Hohrath ein. Es sei jedoch auch möglich, dass einige nach den Monaten der Einschränkungen nun ein ungutes Gefühl bei zu viel Nähe zu anderen Gästen hätten.

Die Clubs indes nutzten die neuen grenzenlosen Chancen. «Niemand hat die Kapazität beschränkt», meinte Julian Blomann. Für die Besucher haben die Betreiber viel Lob: «Es wird alles ausgenutzt von den Leuten, aber alles sehr diszipliniert», bilanzierte Heiko Renno von der «Garage» in Saarbrücken. Unter den Gästen herrsche ein hoher Impfanteil. «Nur maximal fünf bis zehn Prozent waren nicht geimpft», schätzte Blomann. Diese erhalten nur Zutritt, wenn sie nachweisen können, dass sie genesen oder negativ getestet sind.

Die Maskenpflicht ist dann für alle Besucher aufgehoben. Für die Mitarbeiter gibt es jedoch eine Einschränkung: Sie dürfen die Masken nur abnehmen, wenn alle im Team eines der 3G aufweisen. Danach fragen oder sie gar zum Impfen zwingen, dürfen die Arbeitgeber sie nicht. «Das heißt, wenn ich mehrere Mitarbeiter habe und nur einer von ihnen dazu keine Auskunft gibt, müssen alle im Service die Maske tragen», erläutert Hohrath.

Skeptisch betrachtet er bei der aktuellen Regelung vor allem die erforderliche Kontaktnachverfolgung, die nach wie vor gelte. «Wenn man sieht, wie wenig die Abfrage bisher genutzt wurde, kann man die Sinnhaftigkeit durchaus in Frage stellen», kommentierte er. Bevor man jedoch weitere Forderungen stelle, wolle man nun erst einmal die nächste Entwicklung abwarten. «Wir befinden uns noch in einer kleinen Experimentierphase, und wir sind froh und dankbar, dass wir sie überhaupt haben.» An die Branche appellierte der Dehoga-Geschäftsführer, sich an alle Vorgaben zu halten: «Wir können die Freiheiten nur genießen und alle können sich nur sicher fühlen, wenn man tatsächlich auch kontrolliert!»

Die neuen Corona-Regelungen gelten jeweils für zwei Wochen und sollen regelmäßig überprüft werden. «Die jeweiligen Bestimmungen orientieren sich immer an der aktuellen Situation, so dass wir den oftmals schwierigen Spagat zwischen so viel Beschränkung wie nötig und so viel Freiheit wie möglich bewältigen können», sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur zog er nach einer Woche eine positive Zwischenbilanz: «Die bisherigen Rückmeldungen und die Entwicklung der Infektionslage bestärken uns darin, diesen Weg bei aller nach wie vor gebotenen Vorsicht auch weiterzugehen.» (dpa)


 

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