Debatte um Vergabeverfahren für Oktoberfest-Festzelte in München

| Gastronomie Gastronomie

Die Vergabe der Standplätze auf dem Oktoberfest sorgt bereits Monate vor dem Anstich für juristische und organisatorische Diskussionen. Auslöser ist die Bewerbung der Münchner Gastronomen Kathrin Wickenhäuser-Egger und Alexander Egger um prominente Standplätze auf der Wiesn. Das Ehepaar, das seit Jahren die Münchner Stubn als kleines Festzelt betreibt, strebt eine Vergrößerung an und hat Bewerbungen für Flächen eingereicht, die traditionell fest in der Hand der großen Brauereien liegen. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung steht dabei die Frage im Raum, ob die bisherige Vergabepraxis im Falle einer Ablehnung vor dem Europäischen Gerichtshof überprüft werden könnte.

Gastronomen fordern etablierte Brauerei-Plätze

Die Wirtsfamilie zeigt Interesse am Volkssänger-Zelt auf der Oidn Wiesn sowie an den Standplätzen der Pschorr-Bräurosl und des Paulaner Festzelts. Letzteres benötigt aktuell ohnehin eine Neubesetzung, da die bisherige Wirtin ihren Rückzug angekündigt hat. Diese Flächen gehören zur Paulaner Brauerei Gruppe. Nach der aktuellen Praxis der Stadt München steht den Brauereien bei sieben der insgesamt 17 großen Festhallen ein Vorschlagsrecht für die Festwirte zu. Die Stadt prüft lediglich die Eignung und der Wirtschaftsausschuss beschließt die Zulassung, sofern keine Einwände bestehen. Ungewöhnlich ist im vorliegenden Fall, dass sich die Gastronomen mit einem eigenen Konzept direkt auf diese spezifischen Standplätze beworben haben, anstatt nur eine allgemeine Teilnahme am Oktoberfest zu beantragen.

Rechtsstreit um EU-weite Ausschreibung medial thematisiert

Ein zentraler Streitpunkt ist die Frage, ob die Standplätze für das weltweit größte Volksfest im Amtsblatt der Europäischen Union ausgeschrieben werden müssten. Da die Brauereien ihre Wirte für die ihnen zugewiesenen Plätze selbst wählen, findet eine solche öffentliche Ausschreibung bisher nicht statt. Der Anwalt der Wirtsfamilie, Maximilian Schmid, bezeichnete die Einreichung der Unterlagen als einen völlig normalen Vorgang. Die Familie habe das offizielle Formular der Stadt ausgefüllt und warte nun die Entscheidung ab.

Während die Süddeutsche Zeitung über einen möglichen Gang vor den Europäischen Gerichtshof berichtete, wies der Jurist entsprechende Klageabsichten gegenüber anderen Medien zurück. Er betonte, dass man sich über rechtliche Schritte bei einer Absage bisher keine Gedanken gemacht habe. Auch die Wirtin Kathrin Wickenhäuser-Egger erklärte, man habe sich für verschiedene Optionen beworben und werde sehen, was man am Ende erhalte. Die Stadt München interpretiert den Hinweis auf das EU-Amtsblatt jedoch als grundsätzliche Infragestellung der bisherigen Modalitäten. Sollte die Stadt der Bewerbung auf die spezifischen Plätze stattgeben, könnte dies die Vergabepraxis laut Brancheninsidern grundlegend verändern.

Stadt pocht auf bayerische Tradition

Die betroffene Paulaner Gruppe sowie der Verein Münchener Brauereien verweisen darauf, dass das Verfahren in der Zuständigkeit der Stadt liege. Man richte sich nach den etablierten städtischen Vorgaben. Zudem wird betont, dass die Identität der Wiesn eng mit den Münchner Brauereien verknüpft sei.

Das städtische Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW) gibt mit Verweis auf das laufende Verfahren keine detaillierte Auskunft zu den Bewerbungen. Die Behörde unterstreicht jedoch die bisherige Rechtsbeständigkeit. In der Vergangenheit seien die Bewertungsverfahren mehrfach gerichtlich geprüft und bestätigt worden. Die Stadt vertritt die Ansicht, dass das Oktoberfest als bayerisches Traditionsfest von lokaler Lebensart und regionalen Produkten lebe. Eine europaweite Ausschreibung stehe diesem Charakter entgegen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Valentinstag entwickelt sich zunehmend zu einem der wichtigsten Umsatzbringer für die deutsche Gastronomie. Eine aktuelle Studie zeigt für 2026 eine steigende Reservierungsbereitschaft, neue Zielgruppen und klare Erwartungen an Service und Etikette.

Mit „Wir kochen Heimat“ möchte das Nobelhart & Schmutzig Team einen Beitrag zur kulturellen Auseinandersetzung mit dem Heimatbegriff leisten, der im öffentlichen Diskurs häufig (negativ) politisch aufgeladen ist.

Eine aktuelle SumUp-Auswertung zum Jahresstart 2026 belegt eine steigende Besuchsfrequenz in der Gastronomie bei gleichzeitig sinkenden Durchschnittsausgaben. Während digitale Trinkgelder und Kartenzahlungen an Bedeutung gewinnen, zeigen sich die Gäste preisbewusst.

Das Gourmetrestaurant Juwel in Kirschau präsentiert zum 1. April ein überarbeitetes kulinarisches Konzept. Unter der Leitung von Hotelchefin Petra Schumann und Küchenchef Robert Hauptvogel setzt der Betrieb künftig verstärkt auf Nachhaltigkeit, regionale Produkte und eine reduzierte Präsentation.

Alkoholfrei ist kein kurzfristiger Trend mehr, sondern ein stabiler Umsatzbringer für die Gastronomie. Eine neue Umfrage zeigt, warum Gäste auf Alkohol verzichten und weshalb Gastronomen bei der Preisgestaltung und Qualität ihrer alkoholfreien Cocktails umdenken müssen, um nicht als Anbieter überteuerter Limonaden wahrgenommen zu werden.

Beim Sommelier-Cup 2026 des Deutschen Weininstituts in Mainz sicherte sich Anna-Katharina Lemke den Sieg. 23 Fachkräfte stellten in anspruchsvollen Blindverkostungen und theoretischen Prüfungen ihr Fachwissen über deutsche Weine unter Beweis.

Eine neue Studie untersucht das Phänomen der Zechprellerei im Vereinigten Königreich. Die Ergebnisse geben Aufschluss über die demografische Verteilung, die häufigsten Beweggründe der Gäste sowie die anhaltende Problematik von No-Shows.

Die bekannte Food-Creatorin Saliha „Sally“ Özcan eröffnet im März 2026 ihr erstes Café im Europa-Park. Im isländischen Themenbereich erwartet die Besucher ein Angebot aus süßen und herzhaften Spezialitäten sowie rund 90 Sitzplätze im Innen- und Außenbereich.

In der Küche muss es absolut hygienisch zugehen, sonst wird das Gesundheitsamt aufmerksam. Die Oberflächenreinigung der Küche und des Gastraums reicht aber nicht, um Ihren Gästen ein wirklich sympathisches Erlebnis zu bieten. Es gibt noch mehr Punkte und Ecken in jeder Gastronomie, die auf Ordnung und Hygiene angewiesen sind.

Das historische Traditionsgasthaus Schaumburger Hof in Bonn-Plittersdorf ist zahlungsunfähig. Nach über 270 Jahren Geschichte wurde der Betrieb im Januar 2026 eingestellt. Während die Löhne der Mitarbeiter vorerst gesichert sind, bleibt die Zukunft des geschichtsträchtigen Standortes am Rhein ungewiss.