Fünf Städte, fünf Restaurants, eine Frage: Wie hat sich der Arbeitsalltag verändert?

| Gastronomie Gastronomie

Für die knapp 430.000 Beschäftigten im deutschen Gastronomieservice bedeutete die Corona-Pandemie vorerst das abrupte Ende ihrer Arbeit – für die Betreibenden und deren Teams eine kritische Situation. Mehr als acht Wochen sollten den Servicekräften ihre wichtigsten Partner fehlen: die Gäste. Seit den Wiedereröffnungen sind nun drei Monate vergangen. „Wie haben die Mitarbeitenden an vorderster Front den Neustart erlebt? Wie hat sich ihr Alltag im Restaurant durch Corona verändert?“, fragte Christian Bauer, Geschäftsführer von resmio.

Weniger Kontakt bringt weniger Tipp

„Als Barkeeper habe ich sicherlich noch einen ganz anderen Blick auf das veränderte Verhalten der Menschen als meine Kollegen in den Restaurants. Zum großen Teil freue ich mich natürlich, wieder zu arbeiten und den Austausch mit unseren Besuchern zu haben. Wenn der Alkohol fließt, haben wir aber auch die Erfahrung gemacht, auf Unverständnis zu stoßen, wenn wir auf die Einhaltung der bekannten Regeln hingewiesen und diese durchgesetzt haben. Ich habe auch teilweise das Gefühl, dass der eingeschränkte Kontakt zu den Gästen manchmal als unpersönlichen Service empfunden wird, was sich dann wiederum auf das Trinkgeld auswirkt. Im Großen und Ganzen bin ich, meine Kollegen und auch unsere Gäste allerdings immer noch glücklicher als zu Zeiten des Shutdowns.” Sebastian, Gelbes Haus, Nürnberg

Gäste verstehen die Situation

„Ich bin stolz ein Teil der Peter Pane Familie zu sein, denn wie wir in der Krise zusammengehalten haben und dies natürlich auch weiterhin tun, habe ich bei früheren ArbeitergeberInnen nie erlebt. Dazu gehört auch Bring-Service "Peter bringt’s“, der quasi über Nacht an den Start gegangen ist und seither prima angenommen wird. Natürlich freue ich mich aber auch, dass ich im Restaurant wieder direkt am Gast arbeiten darf. Das hat mir einfach wahnsinnig gefehlt! Es sind auch einige Aufgaben hinzugekommen: so z.B. das kontinuierliche Desinfizieren der Menü-Karten und Tische sowie die Aufnahme der Kontaktdaten unserer Gäste beim Eintreffen im Restaurant. Unsere Gäste haben großes Verständnis für die aktuelle Situation und fühlen sich durch die akribische Einhaltung der vorgegebene Hygienemaßnahmen sehr gut aufgehoben.“ Lena, Peter Pane, Potsdam

Neueröffnung während Krise

„Noch bevor das Virus Gastronomie und Gesellschaft so extrem verändern sollte, plante mein jetziger Arbeitgeber die Eröffnung seines neuen Restaurants. Und auch, wenn sich der Tag der Tage um wenige Wochen nach hinten verschob und wir mit geringer Verzögerung Mitte Juni eröffneten, lief das Geschäft sehr gut an. Die Gäste sind auch in diesen Zeiten froh, kulinarisch Neues zu entdecken und auszuprobieren – dass das auch ein unternehmerisches Wagnis war, ist dabei nicht mal mehr Thema.” Malte, Bocca, Dortmun

Spaß bleibt auf der Strecke

„Es sind die Kleinigkeiten, die vor Corona die Energie ins Restaurant, in den Arbeitsalltag und auch unter die Gäste brachten, die jetzt nur eingeschränkt möglich sind. Oftmals habe ich mich mit an den Tisch gesetzt, wenn eine größere Gruppe wieder getrennt zahlen wollte und ihnen noch einen Schnaps oder Espresso angeboten. Oder ich habe die neueste Pizzakreation der Bäcker im Laden verteilt und die Gäste so dafür begeistern können. Und doch bin ich die gleiche Kellnerin geblieben – sympathisch, offen und zuvorkommend, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Denn das sieht man auch unter der Maske.” Carmen, Naples by Matteo, Fürth 

Noch nichts wie zuvor

„Die Erleichterung war groß als das Team wusste, wann wir wieder eröffnen können und wie die kommenden Wochen aussehen würden. Die vorsichtige Erwartung, dass sich nach Wiedereröffnung alles wieder schnell normalisiert, konnte aber nur teils erfüllt werden. Da wir neben dem Restaurant auch viele Gäste durch unseren Pensionsbetrieb und dem Tourismus am Elberadweg begrüßen können, bleibt die Auslastung insgesamt auf niedrigem Niveau. Und dennoch: Der Austausch mit Gästen und Kollegen, ob mit oder ohne Maske, war auch schon vor Corona das, was ich an meinem Job liebe – nun sind es eben weniger, aber dafür längere Gespräche.“ Sabine, Schmidts, Rogätz


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Es darf gezapft und gefeiert werden auf dem Stuttgarter Frühlingsfest. Was macht die große Sause auf dem Cannstatter Wasen in diesem Jahr besonders? Was kostet das Bier? Und wann lohnt sich ein Besuch?

Drei deutsche Gastronomie-Teams kämpfen Ende April in München um den Einzug in das Weltfinale der Copa Jerez. Der Wettbewerb für Sherry-Pairings findet im Rahmen des Halbfinales von Koch des Jahres statt.

Die Unternehmensberatung McKinsey & Company beschreibt in einer aktuellen Analyse mögliche Entwicklungen für die Gastronomie in den kommenden Jahren. Demnach könnten Automatisierung, Künstliche Intelligenz und neue Betriebsmodelle zentrale Veränderungen vorantreiben.

Hans im Glück hat in Mannheim ihr 100. Restaurant eröffnet. Neben der Expansion in vier europäische Länder setzt das Unternehmen mit einem neuen Standort an einer Schweizer Autobahnraststätte erstmals auf ein geändertes Standortformat.

Die Bar „Harry’s Legacy“ im Sheraton Berlin Grand Hotel Esplanade ist nach Umbau wieder eröffnet. Die Wiedereröffnung steht laut Unternehmen im Zusammenhang mit einer geplanten Modernisierung des Hotels.

Wird die Rechnung etwa im Einzelhandel oder im Restaurant in den Kassensystemen der Unternehmen korrekt erfasst und verbucht? Das prüfen die Finanzämter bei unangemeldeten Kontrollen in Thüringen tausendfach.

Die Compass Group-Tochter Food Affairs entwickelt im neuen Leipziger Quartier Neo eine rund 3.000 Quadratmeter große Markthalle mit internationaler und regionaler Gastronomie. Das Konzept soll als zentraler Treffpunkt in der Innenstadt etabliert werden.

Der Bundesverband der Systemgastronomie hat die Jury für den Branchenpreis 2026 vorgestellt und die Bewerbungsfrist bis zum 4. Mai verlängert. Die unabhängige Runde bewertet Konzepte aus der Branche, die im September in München ausgezeichnet werden.

Das neue Frankfurter Hotel Kennedy 89 hat sein Restaurant Eighty Nine eröffnet, das levantinische Küche mit regionalen Einflüssen kombiniert. Unter der Leitung von Küchenchef Philipp Grosser setzt der Betrieb auf gemeinschaftliche Speisekonzepte und regionale Partnerschaften.

Der aktuelle Fitness-Check für die österreichische Gastronomie weist eine leichte Umsatzstabilisierung aus, die jedoch primär auf Preiserhöhungen basiert. Hohe Mitarbeiterkosten und Frequenzen unter dem Vorkrisenniveau belasten die Branche weiterhin.