Gastro-Trendreport 2026/27 - So verändert sich die Branche

| Gastronomie Gastronomie

Der Branchenexperte Pierre Nierhaus hat mit der sechsten Ausgabe seines Fachberichts GASTRO TRENDREPORT 2026/27 eine umfassende Analyse für das Gastgewerbe der Jahre 2026 und 2027 vorgelegt. Der Bericht ordnet die Branche als zentralen Bestandteil der gesellschaftlichen und kulturellen Infrastruktur ein und liefert Orientierung für Unternehmen in einer sich wandelnden Marktumgebung.

Gastronomie als Motor für gesellschaftliche Nähe

Nach Einschätzung von Pierre Nierhaus fungiert die Branche als wesentlicher Faktor für den Zusammenhalt einer Gesellschaft, die zunehmend von Distanz geprägt ist. Er beschreibt diesen Aspekt mit der Feststellung: „Food & Beverage ist der Klebstoff der Gesellschaft“. Demnach beeinflussen gastronomische Angebote die Attraktivität von Stadtvierteln, stärken den Tourismus und wirken sich auf die moderne Arbeitswelt sowie die Lebensqualität im Alltag aus.

Technischer Fortschritt und das Comeback der Gastfreundschaft

Ein zentraler Schwerpunkt der Analyse liegt auf der Verbindung von Technologie und menschlicher Interaktion. Während der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Robotik und Automatisierung die wirtschaftliche Effizienz und Planungssicherheit erhöht, wachse parallel das Bedürfnis nach persönlicher Betreuung und einer authentischen Atmosphäre. Dieser Trend wird als Rückkehr der Gastgeberkultur beschrieben, bei der Charakter und eine klare Haltung zum maßgeblichen Unterscheidungsmerkmal werden. Die Fachjournalistin Gretel Weiß fasste diese Verflechtung bereits früher mit den Worten zusammen: „Gastronomie ist keine Insel“.

Veränderungen in der Esskultur und funktionale Ernährung

Der Bericht identifiziert eine zunehmende Demokratisierung von ehemals exklusiven Produkten wie Trüffeln oder Hummer, die nun verstärkt in alltäglichen Formaten und Markenzeichen-Gerichten zu finden sind. In der Warenkunde etabliert sich die Pistazie als prägende Zutat in der Küche und Backkunst. Ein weiterer Trend ist die Langlebigkeits-Küche, bei der funktionale Ernährung mit Fokus auf fermentierten Stoffen und Pflanzenkraft an Bedeutung gewinnt. Auch der Bereich der Getränke verändert sich hin zu einem bewussten Konsum, bei dem alkoholfreie oder funktionale Alternativen sowie hochwertige Teekulturen situativ gewählt werden.

Wandel in den verschiedenen Marktsegmenten

In der Systemgastronomie wird eine Entwicklung hin zu mehr Emotionalität und Individualität erwartet. Pierre Nierhaus prägt hierfür die Formel „70 Prozent Standard, 30 Prozent Seele“, um das Gleichgewicht zwischen Struktur und Persönlichkeit zu beschreiben. Bäckereien entwickeln sich verstärkt zu sozialen Treffpunkten mit offenen Backstuben, während in der modernen Arbeitswelt das klassische Kantinenmodell durch soziale Speisezimmer ersetzt wird. Auch im Einzelhandel und im Hotelwesen rückt die Gastronomie als wichtigster Faktor für die Aufenthaltsdauer und die Entscheidung der Gäste in den Vordergrund.

Strategische Positionierung als Erfolgsfaktor

Für die kommenden Jahre mahnt der Bericht eine klare strategische Ausrichtung der Betriebe an. Die Zukunft gehört laut Nierhaus jenen Akteuren, die das Gastgewerbe nicht nur als Bewirtung, sondern als Ort für Begegnungen und Identität begreifen. In seinem Fazit betont er: „Wichtiger denn je ist im Jahr 2026 eine klare Positionierung. Gleichzeitig braucht es Zuversicht und Mut. Wer Gastronomie richtig versteht, gestaltet Zukunft“.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Wer in die Tiefen der Kochkunst eindringen möchte, wird in Dresden unterirdisch fündig. Zwei Stockwerke geht es im Keller der Sächsischen Landesbibliothek - Universitäts- und Staatsbibliothek (SLUB) - abwärts, bevor sich eine kulinarische Welt der besonderen Art öffnet.

Eine Umfrage unter 142 Food-Truck-Betreibern zeigt: Die Mehrheit erzielt weniger als 40.000 Euro Jahresgewinn. Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg scheint weniger die Arbeitszeit als vielmehr das gewählte Geschäftsmodell zu sein.

Das Berliner Kuchel Eck am Ludwigkirchplatz hat wieder geöffnet. Seit Anfang Mai wird die traditionsreiche Eckkneipe von Gastronom Josef Laggner betrieben. Der Gastro-Unternehmer setzt auf die Fortführung der klassischen Eckkneipentradition.

Die Frankfurter Hospitality-Gruppe Cuisyn setzt auf die Übernahme und Weiterentwicklung bestehender Gastronomiebetriebe. Als aktuelles Beispiel nennt das Unternehmen die Integration der Wille Gastronomie Gruppe, durch die die Mitarbeiterzahl auf mehr als 500 gestiegen sei.

Die Berliner Bar Mokka Milch öffnet am 12. Juni nach einer knapp zweiwöchigen Pause erneut ihre Türen. Zuvor hatten technische Probleme und Anpassungen interner Abläufe zu einer vorübergehenden Schließung geführt.

Lorenzo Parrotta aus Ludwigshafen darf sich nun Weltmeister nennen. In Neapel holte sich der Deutsch-Italiener den Titel in der Kategorie Pizza Contemporanea (zeitgenössische Pizza). Dabei backt Parrotta Pizza nur im Nebenberuf. Eigentlich ist er Chemiearbeiter.

Das Kopenhagener Spitzenrestaurant Noma öffnet im August wieder dauerhaft seine Türen, wobei der in der Kritik stehende René Redzepi die Rolle des Kreativ-Direktors übernimmt. Die operative Verantwortung wird an ein neues Führungsteam übertragen.

Burgermeister will noch 2026 in Österreich starten. Geplant sind zunächst drei Restaurants in Wien, langfristig soll ein Netz von mindestens 20 Standorten entstehen.

Big Squadra eröffnet am 12. Juni das Restaurant Pamela am Berliner Gendarmenmarkt. Der neue Standort ist das vierte Restaurant der Gruppe in Deutschland und erweitert das bestehende Portfolio in Berlin.

Eine internationale Verbraucherumfrage im Auftrag von Lightspeed zeigt, dass Restaurantgäste persönliche Aufmerksamkeit und Freundlichkeit höher bewerten als Beratungskompetenz. In Deutschland werden Probleme zudem häufig direkt mit dem Servicepersonal besprochen.