Lieferando: NGG startet in Hamburg bundesweite Streikwelle

| Gastronomie Gastronomie

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gibt in Hamburg den Startschuss für eine bundesweite Streikwelle bei Lieferando. In der Hansestadt ruft die NGG die Beschäftigten des größten deutschen Lieferdienstes an diesem Freitag und Samstag zu einem 36-stündigen Warnstreik auf. In den kommenden Wochen und Monaten sollen weitere Warnstreiks quer durch die Republik folgen. Hintergrund ist die anhaltende Weigerung des Lieferando Mutterkonzerns Just Eat Takeaway mit der NGG in Verhandlungen über einen Tarifvertrag für die rund 6.000 Beschäftigten einzutreten.

„Seit über zwei Jahren stellt sich Lieferando taub. Gerade nach der hohen Inflation der letzten Jahre ist ein Tarifvertrag mehr als überfällig“, sagt NGG-Referatsleiter Mark Baumeister. Die NGG fordert Lieferando zudem auf, den Aufbau der „Schattenflotte“ sofort auszusetzen und schon vorhandene Strukturen rückzubauen. Seit Monaten berichten Beschäftigte davon, dass Lieferando verstärkt auf Dienstleister wie „Fleetlery“ setzt, um im Vorgriff auf die Umsetzung der EU-Plattformrichtlinie das Kuriergeschäft in fremde Hände zu geben. Allein in Berlin sind in den letzten Monaten rund 500 Arbeitsplätze bei Lieferando abgebaut worden. Zudem würden die gekündigten Beschäftigten laut NGG oftmals zeitnah durch die Subunternehmen kontaktiert. Ihnen werde dann ein neuer Vertrag angeboten, jedoch zu deutlich schlechteren Konditionen. Auch über mutmaßliche Mindestlohnverstöße wurde in diesem Zuge schon berichtet.

Beschäftigte befürchten spürbare monetäre Verluste

Vielen Beschäftigten droht in naher Zukunft der Verlust von bis zu mehreren hundert Euro pro Monat, die sie bisher über sogenannte „Order-Boni“ erwirtschaftet haben. Bereits im Juli 2023 hat ein Rechtsgutachten des wissenschaftlichen Dienstes des deutschen Bundestages festgestellt, dass Kraftfahrende – also Rider, die in Autos statt auf Fahrrädern unterwegs sind - nicht durch Zahlung von Leistungsboni entlohnt werden dürfen, um nicht zu gefährlichem Fahrverhalten zu motivieren. Um die Situation für die Beschäftigten abzusichern, hatte die NGG Lieferando angeboten, eine rechtskonforme tarifliche Regelung zu vereinbaren. Darauf hat das Unternehmen bisher nicht reagiert. Hierzu Baumeister: „Die Zeit drängt. Zum 1. August 2025 entfällt der Leistungsboni für Kraftfahrende bei Lieferando. Das sind ca. 50 Prozent aller Kuriere. Von unseren Mitgliedern wissen wir, dass sie die Boni dringend benötigen, um von ihrem Job überhaupt leben zu können.“

Die NGG fordert Lieferando auf, jede Fremdvergabe an Dienstleistungsunternehmen sofort zu stoppen und nimmt die Regierung in die Pflicht: Die EU-Plattformrichtlinie muss endlich in verbindliches nationales Recht umgesetzt werden, damit solche Praktiken zu Lasten der Beschäftigten künftig unzulässig sind.

Die Streikwelle beginnt in Hamburg

„Der 36-Stunden-Warnstreik in Hamburg ist der bisher längste Streik bei Lieferando. Aktuell brennt bei Lieferando die Luft“, berichtet NGG-Gewerkschaftssekretär Vincent Orth aus der Region Hamburg-Elmshorn. „Mit unseren Forderungen rennen wir bei den überwiegend migrantischen Beschäftigen offene Türen ein: Ein Tarifvertrag mit mindestens 15 Euro Grundlohn, tariflichen Zuschlägen, um den wegfallenden Order-Bonus zu kompensieren und keine weiteren Auslagerungen.“

Hamburg als zweitgrößte Stadt Deutschlands ist für Lieferando strategisch besonders wichtig. Streiks in anderen Städten werden in diesem Sommer folgen. Orth: „Hamburg ist nur der Anfang. In den großen Städten - den ‚key-cities‘ - macht Lieferando am meisten Profit. Für uns ist klar, wir machen aus ihren ‚key-cities‘ unsere Streik-Städte.“


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Nach fünf Jahren Planung und Sanierung ist der Berggasthof Streichen im Chiemgau wieder geöffnet. Das Haus bietet 90 Plätze im Gasthof, 140 Sitzplätze im Biergarten und elf Gästezimmer; neuer gastronomischer Partner ist Augustiner-Bräu.

Nach wochenlangem Hickhack ist nun auch die Vergabe für ein letztes Wiesnzelt geklärt: Der Gastronom Klaus Bartl bekommt doch noch sein Wiesnzelt – und muss jetzt im Rekordtempo aufbauen. Der Grundsatzstreit um die Zeltvergabe ist dennoch nicht beigelegt.

Das Berliner Hotel Luc ersetzt sein bisheriges Gastronomiekonzept Heritage durch das neue Angebot You. Das Restaurant und Bar-Konzept soll künftig flexibler auf urbane Gästeanforderungen reagieren.

YouLend und Just Eat Takeaway.com haben eine Zwischenbilanz ihrer Kooperation vorgelegt. Seit dem Start der Partnerschaft im Jahr 2022 wurden demnach europaweit Finanzierungen in einer Gesamthöhe von mehr als 150 Millionen Euro an Gastronomiebetriebe vermittelt.

Die Mehrheit der Deutschen befürwortet Adults-only-Gastronomie – und würde lieber ihren Vierbeiner mitnehmen als den Nachwuchs des Tischnachbarn zu tolerieren. Die Zustimmung zu Angeboten nur für Erwachsene unterscheidet sich der Umfrage zufolge deutlich nach Altersgruppen.

Klagen, Rücktritte, geplatzte Träume: Ein Münchner Wirt sorgt für Wirbel auf dem Oktoberfest. Was steckt hinter dem überraschenden Rückzug – und wer könnte profitieren?

Der Dehoga Bayern hat die Sieger des Wettbewerbs zum Lieblingsbiergarten 2026 bekannt gegeben. Mehr als 16.300 Gäste stimmten über insgesamt 72 teilnehmende Betriebe in drei Größenkategorien ab.

Mitchells & Butlers hat in der Augsburger Innenstadt eine neue Filiale ihrer Marke Alex eröffnet. In die Zusammenlegung und den aufwändigen Umbau der zwei ehemaligen Gewerbeflächen investierte das Unternehmen rund 1,7 Millionen Euro.

Wenige Wochen vor dem Oktoberfest muss die Stadt München kurzfristig einen neuen Betreiber für die Fläche der Münchner Stubn finden. Nach dem Rückzug von Alexander Egger läuft die Suche unter engem Zeitplan – ein möglicher Nachrücker steht bereits im Fokus.

Ministerpräsident Boris Rhein und DEHOGA Hessen haben in Bensheim die besten Dorfgasthäuser Hessens 2026 ausgezeichnet. Beide hoben die Bedeutung der Betriebe als Treffpunkte, Arbeitgeber und Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens in ländlichen Regionen hervor.