Oktoberfest beginnt mit Millionenandrang

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Das Münchner Oktoberfest hat am ersten Wochenende einen Andrang wie in besten Zeiten verzeichnet. An den ersten beiden Festtagen kamen nach einer ersten Schätzung der Festleitung eine Million Besucher - rund 200 000 mehr als im Vorjahr. Festwirte, Marktkaufleute und Schausteller sprachen von einem «optimalen Auftakt».

«Nicht zuletzt danke ich Petrus für das ideale Volksfestwetter. Er muss ein Münchner sein», sagte Festleiter Clemens Baumgärtner (CSU) am Sonntag. Er hatte allerdings schon vor dem Fest klargemacht, dass die Festleitung keine neuen Rekorde anstrebt. Es gehe vielmehr um eine «Qualitätswiesn». Bis zum 6. Oktober werden gut sechs Millionen Gäste erwartet.

Mit zwei Schlägen hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Samstag das erste Fass Bier angezapft und damit das 186. Oktoberfest eröffnet. Während Böllerschüsse den Start des größten Volksfests der Welt verkündeten, stieß er mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf eine friedliche Wiesn an. Mit Blick auf die stundenlangen Gespräche zum Klimakompromiss der Bundesregierung sagte der CSU-Chef: «Bei aller Bedeutung von Koalitionsverhandlungen - Berlin war gestern die Hauptstadt von Deutschland, aber heute ist es München, weil es das bedeutendste Fest der Welt ist.» Star des Tages sei das Bier.
 

Hunderttausende Liter davon rannen allein am ersten Wochenende durch durstige Kehlen. Die Gäste verspeisten Tausende Hendl und elf Ochsen. (2018: 13). Die Maß kostet bis zu 11,80 Euro, das sind 30 Cent mehr als der Höchstpreis des Vorjahres.

Den verstärkten Andrang spürten auch die Helfer der Wiesn-Sanitätswache. Sanitäter und Ärzte versorgten am ersten Tag 558 Patienten, (2018: 469 Patienten). Die Teams rückten 200 Mal aus und transportierten mit ihren Tragen 122 Patienten in die Sanitätswache. Die erste «Bierleiche» hatten sie am Samstag bereits zehn Minuten nach dem Anzapfen behandelt. Eine 18-Jährige Engländerin hatte zuviel getrunken, bevor es überhaupt offiziell das erste Bier gab, und eine Alkoholvergiftung erlitten. Den ersten Abtransport von der Wiesn ins Krankenhaus verzeichnete der Sanitätsdienst wenige Minuten später: Eine Bedienung hatte einen Maßkrug ins Gesicht bekommen.

Einen Maßkrugschlag, eine sexuelle Belästigung und Taschendiebstähle - die Polizei hatte mit den Wiesn-üblichen Vergehen zu tun. Wie so oft gab es für den ersten Schlag mit dem Maßkrug keinerlei ersichtlichen Grund: Ein 26-jähriger Niederländer schlug einem Münchner plötzlich sein Trinkgefäß ins Gesicht - die Männer hatten davor nichts miteinander zu tun gehabt. Gleich am ersten Abend fassten Fahnder zwei Taschendiebe, und schon vor dem Start der Wiesn gab es eine sexuelle Belästigung. Ein Fotograf hatte Bedienungen fotografiert. Als eine 55-Jährige ihn nach Abzügen fragte, forderte der Mann Küsse auf die Wange und fasste der Frau an die Brust - Anzeige. Zudem holten die Beamten eine Drohne aus der Luft. Ein US-Amerikaner hatte sie aufsteigen lassen - über dem Festgelände strikt verboten.

Unter den Besuchern des ersten Tages waren Prominente wie Schauspieler Elyas M'Barek, Schlagersänger Florian Silbereisen, die TV-Moderatoren Thomas Gottschalk und Kai Pflaume, die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner, CSU-Generalsekretär Markus Blume und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, der dafür sogar die neunte Regionalkonferenz der Bewerber um den SPD-Vorsitz schwänzte.

Viele Wiesngäste, die meisten in Dirndl und Lederhose, hatten am Samstag schon früh auf den Einlass zur Wiesn gewartet. Die Ersten kamen noch bei Dunkelheit, um ganz vorne dabei zu sein. Als gegen 9.00 Uhr die Ordner die Eingänge freigaben, starteten viele im Laufschritt in Richtung Bierzelte. Rund 600 Polizeibeamte und viele Hundert Ordner sollen an den 16 Festtagen für Sicherheit sorgen. Das Gelände ist auch dieses Jahr umzäunt, an den Eingängen wird stichprobenartig kontrolliert. Es gibt noch mehr Videokameras und zusätzliche Beamte mit Bodycams. Im Südteil des Oktoberfests gibt es wieder die Oide Wiesn. Mit historischen Fahrgeschäften und Blasmusik geht es dort gemütlicher zu als auf dem sonstigen Festgelände.

Am Sonntag zogen Schützen, Spielmannszüge, Musikkapellen, Prachtgespanne, Trommler und Trachtler in farbenprächtigen traditionellen und historischen Gewändern durch München zum Oktoberfest. Mit 9000 Teilnehmern und sieben Kilometern Länge ist es einer der größten Trachtenumzüge der Welt. Das «Münchner Kindl» Viktoria Ostler führte reitend den Festzug an.

Ein Thema ist heuer hinzugekommen: E-Tretroller. Die E-Scooter sind rund um die Wiesn Tabu. Für sie gelten dieselben weiträumigen Straßensperrungen rund ums Festgelände wie für Autos - und in den Abendstunden können sie in einem noch weiteren Umfeld nicht ausgeliehen und teils auch nicht abgestellt werden. Vorsicht nach dem Bierzeltbesuch: Ganz schnell ist der Führerschein weg - es gelten dieselben Promillegrenzen wie beim Autofahren.


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