Peer F. Holm skizziert Stimmungsbild unter den Sommeliers

| Gastronomie Gastronomie

Die Gastronomie läuft langsam wieder an. Aber: Die Auflagen in den einzelnen Bundesländern sind hart. Erhöhte Hygiene Maßnahmen. Großer Abstand zwischen den Tischen. Weniger Gäste. Und damit weniger Umsatz. Peer F. Holm, Präsident der Sommelier-Union Deutschland, vermittelt ein aktuelles Stimmungsbild aus Deutschlands Spitzengastronomie.

„Selbstverständlich hörten wir alle eine gesamte Branche aufatmen, als die Politik eine Lockerung der Maßnahmen verkündete. Der Teufel steckt aber, wie so oft, im Detail“, so Holm. „Noch bevor Einzelheiten zu den Hygienemaßnahmen definiert waren, liefen in den Restaurants bereits die Telefondrähte heiß. Gäste wollten Tische reservieren, wollten mehr über individuelle Maßnahmen erfahren. Das ist auf der einen Seite sehr schön, versetzte die Gastronomen aber auf der anderen Seite unter massiven Stress, weil sie noch keine vernünftige Auskunft geben konnten. Der föderale Flickenteppich macht es uns hier im Moment nicht leichter.“

Umsatz versus Kosten

Darf ein Salzstreuer auf dem Tisch stehen, oder etwa Blumendeko? Darf Bier vom Fass angeboten und Wein offen ausgeschenkt werden? Wie viele Gäste dürfen in einem 150 Quadratmeter Lokal Platz nehmen? Was ist mit den Terrassen? Wann trägt wer wo eine Maske? Die Situation ist für die Gastronomie extrem komplex. Dazu kommt die Kernfrage: Rechnet es sich überhaupt für Restaurants, wenn sie maximal 50 Prozent der Gäste bei nahezu 100 Prozent der Kosten bewirten dürfen?

„Es sind Fragen wie diese, mit denen sich vor allem die kleinflächige Spitzengastronomie auseinandersetzen muss. Bei vielen Kollegen spüre ich im Moment einen großen Frust“, so Holm. „Und da geht es nicht primär um politisch notwendige Entscheidungen, sondern in erster Linie um die Gesamtsituation, in der wir uns alle zusammen befinden!“     

Sollte man einen „Hygiene-Aufschlag“ erheben? Und wenn, dann wie? Eingepreist oder offen als solchen ausgewiesen? „Wenn alle mitmachen würden, könnte man es gemeinsam umsetzen, aber das hat ja bislang noch nicht einmal bei No-Show-Gebühren funktioniert, obwohl dies für viele ein großes Thema ist", so Holm.

Thema "Sicherheit"

Ein weiteres Thema, was Gastronomen neben finanzieller Unsicherheit beschäftigt, ist die Rechtssicherheit. „Heute ein Restaurant für Gäste zu öffnen, ist ein zweischneidiges Schwert. Natürlich freuen wir uns darauf, unserer Passion und unserer Profession wieder nachkommen zu dürfen. Endlich wieder Gastgeber sein. Aber welche Risiken geht derjenige ein, der seine Türen öffnet? Risiken für seine eigene Mannschaft und für seine Gäste. Wer trägt die rechtlichen Risiken, solange es keine klaren und umsetzbaren Auflagen gibt.“ Holm empfiehlt seinen Mitgliedern in diesem Kontext die tägliche Lektüre von Branchenwebsites und die Hygienekonzepte vom TÜV Süd. Diese können zumindest eine Grundlage für die eigenen Checklisten und Vorbereitungen bilden.

„In diesem Sinne freue ich mich persönlich zwar sehr auf den Re-start der Gastronomie, rege aber auch dazu an, gründlich über die eigenen Vorgehensweisen und Maßnahmen in den Restaurants nachzudenken!“


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Drei deutsche Gastronomie-Teams kämpfen Ende April in München um den Einzug in das Weltfinale der Copa Jerez. Der Wettbewerb für Sherry-Pairings findet im Rahmen des Halbfinales von Koch des Jahres statt.

Die Unternehmensberatung McKinsey & Company beschreibt in einer aktuellen Analyse mögliche Entwicklungen für die Gastronomie in den kommenden Jahren. Demnach könnten Automatisierung, Künstliche Intelligenz und neue Betriebsmodelle zentrale Veränderungen vorantreiben.

Hans im Glück hat in Mannheim ihr 100. Restaurant eröffnet. Neben der Expansion in vier europäische Länder setzt das Unternehmen mit einem neuen Standort an einer Schweizer Autobahnraststätte erstmals auf ein geändertes Standortformat.

Die Bar „Harry’s Legacy“ im Sheraton Berlin Grand Hotel Esplanade ist nach Umbau wieder eröffnet. Die Wiedereröffnung steht laut Unternehmen im Zusammenhang mit einer geplanten Modernisierung des Hotels.

Wird die Rechnung etwa im Einzelhandel oder im Restaurant in den Kassensystemen der Unternehmen korrekt erfasst und verbucht? Das prüfen die Finanzämter bei unangemeldeten Kontrollen in Thüringen tausendfach.

Die Compass Group-Tochter Food Affairs entwickelt im neuen Leipziger Quartier Neo eine rund 3.000 Quadratmeter große Markthalle mit internationaler und regionaler Gastronomie. Das Konzept soll als zentraler Treffpunkt in der Innenstadt etabliert werden.

Der Bundesverband der Systemgastronomie hat die Jury für den Branchenpreis 2026 vorgestellt und die Bewerbungsfrist bis zum 4. Mai verlängert. Die unabhängige Runde bewertet Konzepte aus der Branche, die im September in München ausgezeichnet werden.

Das neue Frankfurter Hotel Kennedy 89 hat sein Restaurant Eighty Nine eröffnet, das levantinische Küche mit regionalen Einflüssen kombiniert. Unter der Leitung von Küchenchef Philipp Grosser setzt der Betrieb auf gemeinschaftliche Speisekonzepte und regionale Partnerschaften.

Der aktuelle Fitness-Check für die österreichische Gastronomie weist eine leichte Umsatzstabilisierung aus, die jedoch primär auf Preiserhöhungen basiert. Hohe Mitarbeiterkosten und Frequenzen unter dem Vorkrisenniveau belasten die Branche weiterhin.

Die Gastro-Marke Gustavo Gusto hat, gemeinsam mit dem Automatenhersteller Stüwer, ein neues Vertriebsmodell vorgestellt. Wie das Unternehmen mitteilt, soll der sogenannte „Gustavomat“ als automatisierter Pizzaautomat künftig den Verkauf von Tiefkühlpizza rund um die Uhr ermöglichen.