Ricky Saward - Deutschlands einziger veganer Sternekoch will nicht missionieren

| Gastronomie Gastronomie

Kalbsbries und Wachteleier wird der Gast im «Seven Swans» vergeblich auf seinem Teller suchen. Denn das Restaurant mit Blick auf das Frankfurter Mainufer serviert ausschließlich Gemüse - aber nicht irgendwelches. Am Herd steht der einzige vegane Sternekoch Deutschlands, Ricky Saward. Von Tofu-Würsten oder anderen Ersatzprodukten ist die Küche des 33-Jährigen denkbar weit entfernt.

Vegan ist nicht die einzige Maxime, die das «Seven Swans» für sich aufgestellt hat. Saward verwendet zudem nur regionale Produkte, einzige Ausnahme ist Salz aus Berchtesgaden, wie er sagt. Vegan und damit gänzlich frei von tierischen Produkten ist das Restaurant seit 2019, zuvor war es vegetarisch. Er habe Neuland betreten, Gemüse sei auch für ihn bis dahin eher Beilage gewesen, sagt der mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Küchenchef.

Nun kreiert er Gerichte, in denen nicht nur kein Fleisch und kein Fisch, sondern auch keine Avocados, kein Kakao, keine Zitronen vorkommen - und, bis auf Salz, keine Gewürze. Ein Gang besteht aus maximal zwei bis drei Komponenten, aus denen Saward das Maximum herausholen will. Ziel sei «eine pure, kreative und komplexe Gemüseküche».

Dazu wird getrocknet, gegrillt, geräuchert, fermentiert und pulverisiert. Er lege beispielsweise eine Karotte vor sich hin und betrachte die Wurzeln, die Schale, das Grün, den Saft und die Konsistenz, berichtet Saward von seiner Ideenfindung.

Die Zutaten kommen aus Permakultur. Zudem sammelt Saward Wasserpfeffer, zapft Birkenwasser, pflückt Vogelkirschen, Kräuter und Blüten. Das Ziel: Seinen Gästen zu zeigen, dass Geschmacksreichtum quasi vor ihrer Haustür wartet.

Das «Seven Swans» ist bis Juli kommenden Jahres ausgebucht. 169 Euro kostet ein Menü mit 15 Gerichten, 59 die Weinbegleitung. Maximal 16 Gäste finden in dem Restaurant Platz. Die Einrichtung ist minimalistisch. Tischdecken gibt es nicht, das Geschirr ist selbst gestaltet.

Die Gäste sind in der Hauptsache jung, zwischen 25 und 35 Jahren, wie Saward sagt. Mittlerweile passiere es sehr selten, dass jemand vom veganen Konzept überrascht sei. Einmal habe er einen Mann beobachtet, der zwischendurch heimlich Knackwürstchen aus der Tasche zog und hineinbiss.

Saward ernährt sich inzwischen auch selbst vegan. Es gebe seltene Ausnahmen, etwa wenn er bei einem Kollegen esse. Daheim gebe es Pasta oder auch einfach nur mal einen Salat. «Zurück zu Fisch und Fleisch, das werde ich wahrscheinlich mein Leben lang nicht mehr können, ich habe mich da für eine klare Richtung entschieden und der bleibe ich treu», sagt der 33-Jährige.

Jeder könne selbst entscheiden, was er esse. Er verbinde mit veganer Ernährung Tierwohl und Nachhaltigkeit. Wenn allgemein weniger Fleisch verzehrt werde, wäre dies schon ein großer Schritt. «Man muss sich damit halt auseinandersetzen und der Realität in die Augen blicken», sagt Saward auch mit Blick auf die Klimakrise.

Einen Drang zur Mission habe er aber nicht, sagt Saward. Wenn ein Gast aufstehe und sage, er habe das Menü als Bereicherung empfohlen, sei er zufrieden. «Ich versuche, etwas zu bewirken und etwas zu verändern», sagt der Küchenchef. Er wolle auch Inspiration sein für junge Köche. (dpa)
 


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das internationale Festival Pizza Village feiert Ende Mai 2026 seine Deutschlandpremiere im Berliner Napoleon Komplex. Zehn Pizzerien aus Italien präsentieren dort neapolitanische Pizzakultur und Handwerk bei freiem Eintritt.

Das Boutiquehotel Sonne Küsnacht-Zürich eröffnet am 10. Juni 2026 das neue Restaurant Pavillon. Das Restaurant entstand nach Angaben des Hotels aus der früheren „Sonnengalerie“, die gemeinsam mit Küchel Architects neu gestaltet wurde.

Pressemitteilung

Viele Gastronomiebetriebe nutzen Spülmaschinen im Standardprogramm – oft mit unnötig hohem Energie- und Wasserverbrauch. EcoPilot von Winterhalter setzt auf KI, erkennt Stoßzeiten und passt Programme automatisch an. So sinkt der Energieverbrauch um bis zu 17 %, CO₂ wird reduziert und Ressourcen geschont – ohne Einbußen bei Hygiene oder Spülergebnis.

L’Osteria eröffnet im Sommer das erste Restaurant in Dänemark und setzt damit die internationale Wachstumsstrategie fort. In Zusammenarbeit mit einem lokalen Partner plant das Unternehmen mittelfristig den Aufbau von bis zu 15 Standorten.

Am Flughafen Düsseldorf sind neue Gastronomie- und Einzelhandelskonzepte gestartet. Betreiber Lagardère Travel Retail Deutschland baut damit sein Angebot am Standort weiter aus.

In Stockholm wird ein Café-Konzept erprobt, bei dem die Künstliche Intelligenz Mona die operative Leitung übernimmt. Medienberichte deuten auf eine signifikante Reduzierung des Personaleinsatzes hin, zeigen jedoch auch technische Grenzen bei individuellen Kundenwünschen auf.

Das Berliner Restaurant Nobelhart & Schmutzig hat seine Regeln zur Smartphone-Nutzung im Gastraum erläutert. Hintergrund ist die Stornierung eines Gastes, der die Praxis kritisierte. Parallel haben sich mehrere Betriebe der Spitzengastronomie zu ähnlichen Fragen geäußert. Die Fotoregeln des Restaurants werden seit Jahren diskutiert.

VistaPrint und Cornelia Poletto haben fünf Finalisten für die Auszeichnung zum Lokalhelden 2026 nominiert. Bis zum 10. Mai kann die Öffentlichkeit über den Gewinner eines Preisgeldes von 20.000 Euro abstimmen.

Von schwarzem Sesam über Erdbeer-Matcha-Latte bis zu Käsekuchen mit Pistazie und Ingwer mit Zitronenschale - die Berliner Gelato Week lockt Eisfreunde erneut mit ungewöhnlichen Kreationen. Etwa 50 Eisdielen in ganz Berlin nehmen teil.

Trotz steigender Lebenshaltungskosten priorisieren viele Verbraucher Restaurantbesuche als „kleinen Luxus“. Laut einer SumUp-Umfrage planen über 30 Prozent der Menschen hierfür feste monatliche Budgets ein.