Rund 600 Gäste von Corona-Ausbruch in Hamburger Bar betroffen

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Darth Vader, bitte melden. Was zunächst lustig klingt, bringt das Dilemma der Hamburger Gesundheitsbehörden bei der Nachverfolgung eines Corona-Ausbruchs auf den Punkt: Viele Besucher einer Bar im beim Partyvolk beliebten Schanzenviertel haben sich nicht mit richtigem Namen und Telefonnummer in die Kontaktlisten eingetragen und sich stattdessen dort als Lucky Luke oder eben Darth Vader verewigt - vielleicht nur aus Spaß. Doch nun ist es passiert. Gleich mehrere Bedienungen in der stets gut besuchten «Katze» sind Corona-positiv. Rund 600 Gäste könnten sich angesteckt haben. Von etwa 100 fehlen den Behörden die echten Kontaktdaten.

Es erinnert ein wenig an die Hüttengaudi in den österreichischen Wintersportorten ganz zu Beginn der Pandemie. Auch in der Schanze wird regelmäßig ausgelassen gefeiert. Der Alkohol fließt in Strömen. So stark, dass die Behörden den Außerhausverkauf dort schon seit Anfang August in den Wochenendnächten verbieten, um enthemmtes Gedränge ohne Abstand zu vermeiden. Die «Katze» ist angesagt. Regelmäßig stehen die Feierwütigen dicht an dicht in und vor der Bar.

Weil der relativ kleine Gastraum schwer zu belüften sei und wohl auch die Mindestabstände nicht immer eingehalten worden seien, müsse man von einem hohen Infektionsrisiko ausgehen, sagt der Sprecher der in Hamburg für die Gesundheit zuständigen Sozialbehörde, Martin Helfrich. 500 Gäste hätten die Gesundheitsämter bereits kontaktiert. Die meisten seien nun in zweiwöchiger Quarantäne.

Konkret gehe es um die Abende und Nächte des 5., 8. und 9. September, als die infizierten Bedienungen hinterm Tresen standen - ohne Maske. Dies sei generell zulässig, wenn der Mindestabstand gewährleistet sei, sagt er. Im Fall «Katze» werde jedoch geprüft, ob das Hygienekonzept eingehalten wurde.

In Quarantäne müsse jeder, der als sogenannte «Kontaktperson eins» eingestuft werde. Da in der Bar Infizierte gearbeitet hätten, seien dies alle Gäste, die den Innenraum der «Katze» an den fraglichen Tagen nach 19.00 Uhr betreten hätten. «Ich gehe davon aus, dass der überwiegende Teil als Kontaktperson eins eingestuft wird und in Quarantäne gehen muss», sagt Helfrich. Die rund 100 Gäste mit ungeklärter Identität rief er auf, sich zu melden.

«Dass sich viele Gäste nicht mit richtigem Namen eintragen, ist doch bekannt», sagt eine Bedienung aus einer benachbarten Bar am Schulterblatt. «Da hätten die Behörden mal kontrollieren müssen.» Den Bedienungen und Barbetreibern sei dies nicht zuzumuten. Weiter äußern will sich die Frau nicht. «Es geht ja auch um die Solidarität hier in der Schanze.»

In Hamburg wird für Gastronomen ein Bußgeld fällig, wenn sie nicht dafür sorgen, dass sich ihre Gäste in die Corona-Kontaktlisten eintragen. Für den Wahrheitsgehalt der Angaben sind sie allerdings nicht verantwortlich zu machen. Auch sei es schwierig, Bar- oder Restaurantbesucher zu belangen, wenn sie falsche Angaben machen, sagt Helfrich. Ein solches Verhalten sein einfach nur «dumm».

In Berlin müssen Darth Vader & Co. hingegen künftig mit Bußgeldern zwischen 50 und 500 Euro rechnen. So will der dortige Senat verhindern, dass Gäste die sogenannte Dokumentationspflicht auf die leichte Schulter nehmen und zum Beispiel falsche oder unvollständige Angaben machen.

Er finde ein solches Verhalten «einfach nur verantwortungslos», sagt der 23-Jährige Marley, der mit drei Freunden aus dem nahen Elmshorn zum «Cornern» in die Schanze gekommen ist und nun auf den Bierbänken vor der geschlossenen «Katze» sitzt. Der Betreiber hatte die Bar von sich aus dicht gemacht, nachdem den Behörden am vergangenen Wochenende die ersten Corona-Fälle bekannt geworden waren. «Wir bauen für Euch um» steht nebst Herz auf den nun zugeklebten Scheiben.

Die Vier aus Elmshorn trinken Whiskey-Cola aus Dosen, die sie im Kiosk auf der anderen Straßenseite gekauft haben. Corona bereite ihnen schon Sorge, sagen sie. Deshalb seien sie in den letzten Monaten auch selten zum Feiern nach Hamburg gekommen. Jetzt hätten sie sich bewusst für einen Wochentag entschieden, «weil es jetzt Alkohol zu kaufen gibt».

Die Kontaktlisten nehme er aber ernst, sagte Marley. Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes, wie andere sie ins Feld führen, oder gar wegen des von Corona-Leugnern immer wieder ins Feld geführten «Überwachungs- und Bevormundungsstaats» kommen ihm dabei nicht. «Wir tragen ja schließlich auch Verantwortung für unsere Familien.»

Bei Altonas Bezirksamtschefin Stefanie von Berg rennt der junge Mann aus Schleswig-Holstein damit offene Türen ein. Die Grünen-Politikerin hofft auf die Einsicht des Kontaktdatenmuffels und offenkundigen Star-Wars-Fans und twittert. «"Darth Vader" mit falscher Telefonnummer kann nicht kontaktiert werden. #Corona Bitte beim Gesundheitsamt Altona melden!»


 

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