Späte WM-Anstoßzeiten könnten Gastro-Umsätze stark schmälern

| Gastronomie Gastronomie

Die späten Anstoßzeiten vieler Spiele der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft könnten Kneipen, Bars und Biergärten in Deutschland erheblich zusetzen. Das zeigt eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für die Deutsche Presse-Agentur. 

«Die WM 2026 wird der Gastronomie und dem Handel in Deutschland ein kleines Umsatzplus bescheren. Die späten Anstoßzeiten dämpfen den wirtschaftlichen Effekt jedoch deutlich», sagte IW-Ökonom Marc Scheufen. 

Der Gastronomie könnte die WM laut Scheufen rund 67,4 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen bescheren. «Wären alle Spiele um 19 Uhr angesetzt, läge dieser Wert bei knapp 103 Millionen Euro.» Er erwartet, dass mehr Menschen die Spiele im heimischen Wohnzimmer verfolgen als bei früheren Turnieren. Grundlage der Berechnung ist ein Achtelfinalausscheiden der deutschen Nationalmannschaft.

Die Fußball-WM findet ab dem 11. Juni in den USA, Kanada und Mexiko statt. Die Zeitverschiebung beträgt sechs bis neun Stunden. Mehr als die Hälfte der Partien beginnt nach Mitternacht (MESZ), einige erst um 4 Uhr oder später.

Experte: Nur vier Prozent schauen späte Spiele

Nur etwa vier Prozent der potenziellen Zuschauer der Deutschland-Spiele dürften laut Scheufen Begegnungen verfolgen, die sich über Mitternacht hinziehen oder erst danach beginnen. Je nach Gegner dürften 18 bis 26 Millionen Menschen die Partien zu Hause oder in der Gastronomie schauen. Bei der WM in Katar 2022 sei die Zahl wegen Boykottaufrufen mit 9 bis 17 Millionen erheblich niedriger gewesen, bei der WM 2014 in Brasilien mit 26 bis 35 Millionen höher.

Insgesamt erwartet das IW durch die WM einen Mehrumsatz von rund 400 Millionen Euro für die deutsche Wirtschaft - verteilt auf Gastronomie, Lebensmitteleinzelhandel, den Verkauf von Fanartikeln und Elektronikprodukten wie Fernseher oder Beamer sowie Werbe- und Sponsoringerlöse. 

Sollte die DFB-Elf ins WM-Finale einziehen, dürften die Erlöse deutlich größer ausfallen, so Experte Scheufen. Auf das Bruttoinlandsprodukt habe die WM aber kaum Auswirkung. Vergleichbare Daten zu früheren Turnieren sind laut IW nicht bekannt.

Dehoga: Angebote müssen wirtschaftlich kalkuliert werden

Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverband (Dehoga), sagt: «Nichts geht über das gemeinsame Mitfiebern und Feiern in Kneipen, Restaurants oder Biergärten - ein echtes Erlebnis im Vergleich zum Alleine-Schauen auf dem Sofa.» Die wirtschaftlichen Effekte für die Branche hingen jedoch von vielen Faktoren ab. Neben den Anstoßzeiten verweist sie nicht nur auf das Wetter. «Solche Public-Viewing-Angebote müssen wirtschaftlich sorgfältig kalkuliert werden.» 

Laut Schimke entstehen für die Gastronomie zusätzliche Kosten, unter anderem für Übertragungstechnik, Personal und Lizenzierungen. So müssten Betriebe für die öffentliche Übertragung der Spiele aufgrund der Rechtevergabe einen dreimonatigen «Sky GastroPass» erwerben, sofern noch kein entsprechendes Abonnement bestehe. Hinzu kämen Lizenz-Gebühren für die Verwertungsgesellschaft Gema und den Fußball-Weltverband FIFA.

«Je weiter die Nationalmannschaft kommt, desto besser»

Die Erwartungen seien im Vergleich zur Europameisterschaft 2024 im eigenen Land deutlich zurückhaltender, sagt Thorsten Hellwig vom Dehoga NRW. Vor allem Vorrundenpartien unter der Woche dürften wegen der Zeitverschiebung kaum für hohe Gästezahlen sorgen. Offen sei, ob der weitgehende Verzicht auf großes Public Viewing sich positiv auswirke. 

Gute Erinnerungen hat Hellwig an die WM 2014 in Brasilien, als Deutschland Weltmeister wurde. Damals starteten wegen der Zeitverschiebung etliche Spiele erst um 22 Uhr MESZ oder später. Das Turnier sei für die Branche trotzdem erfolgreich verlaufen. «Je weiter die Nationalmannschaft kommt, desto besser für die Gastronomie.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die meisten Gourmetrestaurants seien weniger gefragt als noch vor einigen Jahren, erklärt Gusto-Gründer Markus Oberhäußer und verweist auf ein Überangebot an Fine-Dining-Konzepten. Zum Koch des Jahres kürt der Restaurantführer Sebastian Obendorfer vom Eisvogel in Neunburg vorm Wald.

True Food Kitchen hat ein Chapter 11-Verfahren beantragt und zwölf Restaurants geschlossen. Die US-Kette, an der Oprah Winfrey weiterhin beteiligt ist, betreibt noch 34 Standorte und plant einen gerichtlich beaufsichtigten Verkaufsprozess.

Am 2. November verkündet der Michelin Guide Schweiz seine Restaurantauswahl für das Jahr 2026. Die Zeremonie findet dieses Jahr auf fast 1.500 Metern Höhe in Andermatt in den Schweizer Alpen statt.

Das Münchner Oktoberfest ist ein Millionen-Spektakel. Doch noch nie war so viel los wie in diesem Jahr. Von einer «Gute-Laune-Wiesn» spricht die Stadt - doch wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten.

Paris führt das Streetfood-Ranking von Radical Storage vor Athen und Thessaloniki an. Die Untersuchung aus April 2026 vergleicht 6.897 Betriebe und berücksichtigt unter anderem Anbieterdichte, Preise und Bewertungen.

Napoli on the Road in London führt die Rangliste 50 Top Pizza World 2026 vor Una Pizza Napoletana in New York und Confine in Mailand an. Pizza Zulu in Fürth erreicht als einziger deutscher Betrieb Platz 33.

Das Münchner Oktoberfest ist bisher ausgesprochen gut besucht. Bis inklusive Mittwoch kamen 5,2 Millionen Besucher, wie aus anonymisierten Mobilfunkdaten hervorgeht. Das waren rund 700.000 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Das «Fogón Asado» in Buenos Aires steht in der jährlichen Tripadvisor-Rangliste ganz oben in der weltweiten Gunst der Restaurantbesucher. In dem Grilllokal wird Fleisch ähnlich wie Wein verkostet.

Der McChicken wird rund. McDonald’s Deutschland ergänzt sein Hähnchenangebot seit dem 30. September außerdem um zwei befristete McChicken-Varianten, einen weiteren McCrispy, McWings und zwei neue Boxen.

Taco Bell kündigt auf Instagram die Eröffnung seines ersten öffentlich zugänglichen Deutschland-Restaurants für den 3. Oktober in Köln an. Der ursprünglich für den 24. September vorgesehene Start war verschoben worden.