Start-ups setzen auf automatisierte Küchen

| Gastronomie Gastronomie

 Roboter schleppen Lasten, sortieren Pakete und schneiden Grashalme - und auch in Küchen werden sie zunehmend gebraucht. Zwar galt es außerhalb des Science-Fiction-Genres lange als abwegig, Roboter als Köche einzusetzen. Doch das ändert sich - auch wegen des Fachkräftemangels. Die deutschen Start-ups Circus Group und Goodbytz tragen zu dem Wandel bei. 

Kommerzielle Kochroboter sind üblicherweise große Kästen, die mit Zutaten befüllt werden. Zwar forschen Wissenschaftler auch an Robotern, die Menschen ähneln und die eigenständig in menschlicher Nähe kochen können. Doch bislang ist der Bau solcher Roboter außerhalb der Forschung Zukunftsmusik. Das hat auch damit zu tun, dass Kochen Tastgefühl und Geschmack erfordert. 

Anbieter Circus: Fünfstellige Zahl an Bestellungen

Ein deutsches Unternehmen, das kommerzielle Kochroboter verkauft, heißt Circus Group. Gegründet worden ist Circus im Herbst 2021 in Hamburg von Nikolas Bullwinkel, wie der Gründer berichtet. Inzwischen hat das Start-up seinen Hauptsitz in München. Es beschäftigt rund 80 Mitarbeiter. 

Circus verkauft den Kochroboter CA-1: Einen glänzenden Kasten, in dem sich Roboterarme befinden und der auch ein Kühlsystem, Induktionstöpfe und eine Spülmaschine aufweist. Rund 250.000 Euro kostet der CA-1 laut Unternehmen. Inzwischen gebe es eine fünfstellige Zahl an Vorbestellungen, berichtet Bullwinkel. Zu den Kunden zähle etwa die Dönerkette Mangal, an der Fußballprofi Lukas Podolski beteiligt ist. 

Bullwinkel will vorrangig mit Großkunden zusammenarbeiten, etwa Krankenhäusern, Tankstellen und Flughäfen. «Unser Ziel ist es, hochwertige Ernährung zu erschwinglichen Preisen überall und rund um die Uhr verfügbar zu machen», sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Zuletzt belieferte Circus einen Rewe-Supermarkt in Düsseldorf und die Kantine der Facebook-Mutter Meta in München. Weitere Standorte für Roboter seien in Planung. 

Anbieter Goodbytz: Roboter in mehr als 25 Städten

Wettbewerber von Circus ist das Hamburger Start-up Goodbytz. Das 2021 von Hendrik Susemihl, Kevin Deutmarg und Philipp von Stürmer gegründete Start-up aus Hamburg beschäftigt inzwischen rund 130 Mitarbeiter, wie eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur berichtet. Felix, Alice und Eric heißen Roboter von Goodbytz. Kunden zahlten für die Roboter eine monatliche Gebühr, die variiere. Eine genaue Höhe nannte das Unternehmen nicht. 

Der Goodbytz-Sprecherin zufolge stehen die Roboter inzwischen in mehr als 25 Städten in Deutschland und Österreich. Beispielsweise kocht seit Ende Mai 2024 ein Roboter im Gesundheitszentrum des Uniklinikums Tübingen. Das biete Mitarbeitern die Möglichkeit, außerhalb von Öffnungszeiten der Betriebsrestaurants und der Cafeterien warm zu essen. 

Das jährliche Umsatzpotenzial in der Gemeinschaftsverpflegung in Europa und den USA beziffert das Start-up auf rund 300 Milliarden Euro. Die Automatisierung beschleunige sich - «getrieben durch Fachkräftemangel, steigende Kosten und die Nachfrage nach frischer, gesunder Ernährung», teilt Goodbytz mit. 

Gewerkschaft und Verbände rechnen mit Automatisierung

Der Referatsleiter Gastgewerbe bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Mark Baumeister, sagt: Unternehmen wie Goodbytz können mit ihren Robotern Beschäftigte entlasten. Sinnvoll sei es beispielsweise, Kochroboter auf Raststätten einzusetzen. Dort hätten Betreiber Probleme, Personal zu finden. Die Bezahlung sei oft schlecht und manche Mitarbeiter müssten allein Nachtschichten schieben. «Das tun sich viele nicht an.»

Außerhalb der Küchen werden schon häufiger Roboter eingesetzt, wie Baumeister berichtet. Es handelt sich um Liefer- und Abräumroboter, die zwischen Tresen und Tisch hin- und herfahren, und Reinigungsroboter, die kehren, saugen und wischen. Dass die Roboter den Menschen Arbeitsplätze streitig machen werden, davon geht Baumeister nicht aus, wie er sagt. 

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband teilt mit: «In der technischen Entwicklung der Kochroboter ist derzeit viel Bewegung.» Der Verband rechnet damit, dass Arbeitsschritte der Kochroboter zunehmend komplexer würden. Damit vergrößerten sich die Einsatzmöglichkeiten. «Mit wachsender Zahl wird voraussichtlich auch der heute noch sehr hohe Preis sinken, was die Roboter für mehr Betriebe wirtschaftlich interessant machen könnte.»

Vom Bundesverband der Systemgastronomie heißt es: «Wir rechnen mit einer schrittweisen Zunahme des Robotikeinsatzes – vor allem in Küchen und im Self-Service.» Der Einsatz vollautonomer Systeme werde aber noch Zeit brauchen. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Eine aktuelle Umfrage belegt die hohe Relevanz der Gastronomie am Muttertag, wobei über 40 Prozent der Deutschen einen Restaurantbesuch planen. Neben großen Familienfeiern gewinnen Trends wie Solo-Dining und erlebnisorientierte Angebote an Bedeutung.

Die Initiative Gerolsteiner WeinPlaces hat sechs neue Gastronomiebetriebe in ihr bundesweites Netzwerk aufgenommen und fördert künftig zudem die Ausbildung von Nachwuchskräften durch internationale Stipendien.

Unbekannte haben in München ein israelisches Restaurant angegriffen. Inwieweit die Tat einen antisemitischen Hintergrund hat, wird noch geklärt. Die Ermittler gehen «gewissen Anhaltspunkten» nach.

 

Kentucky Fried Chicken verkauft ein neues Gericht, die Dönervariante «Krispy Kebab». Moment mal, das ist doch unser Markenname, sagt eine Dönerkette. KFC betont: «Wir wollen keinen Beef.»

Das Berliner Restaurant Facil feiert sein 25-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsprogramm ab Juli. Neben einem Podcast und speziellen Menüs stehen limitierte Kochkurse und eine Veranstaltung mit ehemaligen Weggefährten im Fokus der Feierlichkeiten.

Ruff's Burger expandiert weiter und übernimmt einen Standort in Bamberg. Ab Mai wird das ehemalige Burgerheart-Lokal unter neuer Flagge und modernisiertem Konzept fortgeführt.

Es darf gezapft und gefeiert werden auf dem Stuttgarter Frühlingsfest. Was macht die große Sause auf dem Cannstatter Wasen in diesem Jahr besonders? Was kostet das Bier? Und wann lohnt sich ein Besuch?

Drei deutsche Gastronomie-Teams kämpfen Ende April in München um den Einzug in das Weltfinale der Copa Jerez. Der Wettbewerb für Sherry-Pairings findet im Rahmen des Halbfinales von Koch des Jahres statt.

Die Unternehmensberatung McKinsey & Company beschreibt in einer aktuellen Analyse mögliche Entwicklungen für die Gastronomie in den kommenden Jahren. Demnach könnten Automatisierung, Künstliche Intelligenz und neue Betriebsmodelle zentrale Veränderungen vorantreiben.

Hans im Glück hat in Mannheim ihr 100. Restaurant eröffnet. Neben der Expansion in vier europäische Länder setzt das Unternehmen mit einem neuen Standort an einer Schweizer Autobahnraststätte erstmals auf ein geändertes Standortformat.